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Luzerner Bauern schliessen sich zusammen: Mit «Fair»-Label zu höherem Milchpreis

Der Verein «fairer Milchpreis» will Betrieben die Existenz sichern. Noch steckt das Projekt in der Deutschschweiz in den Kinderschuhen.
Ernesto Piazza
Milchbauer Hanspeter Jost auf seinem Hof in Gunzwil. Bild: Dominik Wunderli (17. Oktober 2019)

Milchbauer Hanspeter Jost auf seinem Hof in Gunzwil. Bild: Dominik Wunderli (17. Oktober 2019)

Seit Jahren leiden Bauern unter einem nicht kostendeckenden Milchpreis. Das hat auch dazu geführt, dass die Zahl der Milchviehbetriebe in den vergangenen rund 20 Jahren von etwa 44000 auf weniger als 20000 gesunken ist. Viele Bauern erhalten für einen Liter nicht viel mehr als 50 Rappen. «Je nach Betrieb und Situation sind es aktuell zwischen 55 und 65 Rappen», sagt Franzsepp Erni. Der Ruswiler Gemeindepräsident bewirtschaftet ebenfalls einen Hof und ist Präsident des Anfang 2018 gegründeten Vereins «fairer Milchpreis». Vizepräsidentin ist mit Kantonsrätin und Nationalratskandidatin Priska Wismer aus Rickenbach auch eine Bäuerin.

Erni erklärt: «Mit dem Label wollen wir dafür sorgen, dass die Milchbauern einen höheren Preis erhalten und so wieder eine Existenzgrundlage bekommen.» Das Label garantiere einen Nettoproduzentenpreis von mindestens 78 Rappen. Aktuell stehen 12 Initianten hinter dem Projekt. Unterstützt wird der Verein zudem vom Verband Schweizer Milchproduzenten. Mit der Initiative kommt weiter Bewegung in die Entwicklung des Milchpreises.

In den Regalen stehen Drinkmilch und Yoghurt

Ende 2018 startete das Label in der französischen Schweiz. Dort kamen Milchprodukte mit diesem Gütesiegel in rund 200 Milchläden. Jetzt hat die Landi Sursee dieses als erster Detailhändler in der Deutschschweiz ins Sortiment aufgenommen. Erst handelte es sich um Drinkmilch, nun stehen auch 15 Yoghurt-Sorten in den Regalen. «Es ist ein zartes Pflänzchen, das zu wachsen beginnt», so Erni. Ziel sei es aber, in der Zentralschweiz Fuss zu fassen und das Gebiet dann weiter auf die Ostschweiz auszudehnen. Milchbauern, welche beim «Fair»-Label mitmachen wollen, müssen verschiedene Kriterien erfüllen. Dazu gehören eine artgerechte Tierhaltung, besonders tierfreundliche Ställe, regelmässiger Auslauf ins Freie und der Verzicht auf genverändertes oder palmölhaltiges Futter.

Erni ist sich bewusst: «Die strengen Anforderungen durch das Label sind logistisch nicht von allen Verarbeitern einfach zu erfüllen.» Daher wolle man vor allem kleine, regionale Verarbeiter angehen, beispielsweise mit Betrieben wie der Molkerei Kunz in Triengen zusammenarbeiten. Diese stellt aus der angelieferten Milch die entsprechenden Produkte für die Landi Sursee her.

Kooperationen mit Grossverteilern schwierig

Eine Kooperation mit Grossverteilern wie Migros oder Coop wäre super, sei aber schwierig zu erreichen, sagt Erni. Entsprechende Gespräche hätten stattgefunden, aber bisher zu keinen Ergebnissen geführt, bestätigt er. Von Seite Volg – und damit von der Fenaco-Gruppe – bestehe hingegen grosses Interesse.

Der Vereinspräsident spricht von einem «Mehrwert auf beiden Seiten». Der Milchproduzent könne seine Kosten decken und dazu noch in eine nachhaltige Landwirtschaft investieren. Für den Verarbeiter sei es möglich, die Produkte mit einem Mehrwert zu veräussern. Und der Konsument kaufe ein Produkt, das tiergerecht produziert und fair vergütet worden sei.

Hanspeter Jost bewirtschaftet in Gunzwil einen Hof mit 33 Milchkühen. Er war auch Initiant des Projektes Molke 7 und liefert seine Milch einerseits in die Fläcke Chäsi in Beromünster und andererseits macht er beim «Fair»-Label mit. Er sagt: «Mit dem Aufpreis und einem Markenzuschlag für ‹Molke 7› erhalte ich nun deutlich mehr als 80 Rappen pro Liter.» Mit einem vielerorts bezahlten Milchpreis von 56 Rappen könne man keine Investitionen tätigen. Damit liessen sich knapp die Fremdkosten decken. Mit der neuen Ausgangslage sei hingegen die Zukunft des Hofes für die nächste Generation gesichert.

Eventuell bald auch Käse in den Regalen

Die Marktforschung zeige, so die Initianten, dass Schweizer Konsumenten Wert darauf legten, dass die Milch aus der Schweiz, wenn möglich sogar aus der Region käme. Ihre Absicht und Vision ist es, «Fair», wie Max Havelaar, in der ganzen Schweiz als Marke zu positionieren und verfügbar zu machen. «Wir stellen unser ‹Fair›-Label aber auch allen Verarbeitern als Gütesiegel zur Verfügung. Sie dürfen es verwenden, sofern der erzielte Mehrertrag den Milchbauern zu Gute kommt und die verlangten Kriterien eingehalten werden», erklärt Erni. Die Landi Sursee verspricht sich mit dem Schritt eine «faire Bezahlung der Produzenten, ohne dass der Detailhändler durch die Preiserhöhung mehr verdient», sagt Thomas Bolliger, Mitglied der Geschäftsleitung und zuständig für den Detailhandel. «Der Mehrpreis gelange eins zu eins zu den Milchbauern. Die Landi verdient keinen Franken mehr als vorher.» Konkret heisst das für den Konsumenten: Für Milch aus der Region wurde der Preis pro Liter unter dem Label «Fair» um 10 Rappen angehoben, wodurch der Unterschied von «Fair»-Milch zur UHT-Milch (1 Liter) neu 25 Rappen beträgt. Thomas Bolliger zieht aus den ersten Verkaufsmonaten eine positive Zwischenbilanz. Er erklärt: «Die Umsätze bei den ‹Fair›-Produkten entsprechen eins zu eins der Gesamtzunahme im Bereich Molke-Produkte.» Die Preiserhöhung zu Gunsten der Landwirte sei also nicht negativ wahrgenommen worden.

Die Landi Sursee geht davon aus, dass die Kunden künftig vermehrt bereit sind, für regionale Produkte mit kurzen Transportwegen zusätzlich Geld auszugeben. Neben Milch und Yoghurt ist möglicherweise bald ebenfalls Käse mit dem «Fair»-Label in den Regalen zu finden. Momentan werden die Produkte an den Landi-Standorten Buttisholz, Oberkirch sowie Triengen verkauft.

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