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Luzerner Bildungsdirektor findet: «Es verträgt keine weiteren Kürzungen»

Das Bildungs- und Kulturdepartement hat zusammen mit Lustat Statistik Luzern Indikatoren für das Bildungssystem entwickelt. Sie zeigen auf, was rund läuft und wo es hapert – besonders bei der Chancengleichheit sieht Reto Wyss Potenzial.
Roseline Troxler
Mit dem Bildungsindikatorensystem wurde auch die Universität Luzern unter die Lupe genommen. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, Luzern, 22. August 2018)

Mit dem Bildungsindikatorensystem wurde auch die Universität Luzern unter die Lupe genommen. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, Luzern, 22. August 2018)

Wie steht es um die Durchlässigkeit im Bildungssystem? Wie hoch ist der Anteil der Studenten aus dem Kanton Luzern, welche ihr Bachelordiplom, in maximal sieben Semestern abgeschlossen haben? Und wie viel gibt der Kanton pro Schüler für die Bildung aus? Solche Fragen sollen die Bildungsindikatoren beantworten, welche das Bildungs- und Kulturdepartement (BKD) des Kantons Luzern gestern mit Lustat Statistik Luzern präsentiert hat.

Dabei geht es um mehr als um reine Kennzahlen. Lustat-Direktor Norbert Riesen sagt: «Mit den Bildungsindikatoren werden Entwicklungen nicht nur beobachtet, sondern auch bewertet.» Denn sie zeigen nicht nur auf, wo sich das Bildungssystem befindet, sondern auch welche Entwicklung angestrebt wird. Während für ersteres Lustat zuständig ist, hat das Bildungs- und Kulturdepartement die Bewertungen vorgenommen. Reto Wyss, Bildungs- und Kulturdirektor (CVP), führt aus: «Die Bildungsindikatoren geben uns wichtige Anhaltspunkte und sind eine Art Werkzeug, um das Bildungssystem zu beobachten und nach Bedarf steuern zu können.»

Ampeln zeigen, wie sich Bereiche entwickeln

Wo Handlungsbedarf besteht, zeigt ein Ampelsystem. Eine grüne Ampel bedeutet, dass die beobachtete und die angestrebte Entwicklung in dieselbe Richtung gehen. Ist die Entwicklung entgegengesetzt, leuchtet die Ampel rot. Die Ampel ist gelb, wenn die Entwicklung zwar nicht in die erwünschte, aber auch nicht in die entgegengesetzte Richtung geht. Das Bildungsindikatorensystem umfasst 37 Indikatoren, 27 beschreiben die Bildung konkret, 10 das Umfeld. Die Indikatoren werden in verschiedene Bereiche eingeteilt. Nachfolgend werden exemplarisch einige Indikatoren vorgestellt.

Eine Auswahl der 37 Indikatoren

  • Ungleiche Chancen aufgrund von Fremdsprachigkeit sowie Bildungsmobilität zwischen den Generationen: Für beide Indikatoren gibt es die rote Ampel. Norbert Riesen erklärt: «Die beiden Indikatoren, welche das Thema Chancengerechtigkeit messen, zeigen in eine unerwünschte Richtung.» So haben im Kanton Luzern Personen mit einem akademischen Abschluss häufiger auch Eltern mit einem solchen. Riesen: «Diese Divergenz nahm seit 2011 noch zu.» Wyss sieht von allen Indikatoren hier derzeit den grössten Handlungsbedarf. «Wir müssen dran bleiben.» Die Bemühungen seien gerade auch deshalb wichtig, weil viele Kinder mit Migrationshintergrund eingeschult werden. Er unterstreicht aber auch die Schwierigkeiten: «Dieses gesellschaftliche Thema ist eine grosse Herausforderung.»
  • Berufsmaturität: Auch hier gibts die rote Ampel. Nobert Riesen sagt: «Bei der Berufsmaturität setzt sich der Kanton Luzern mit 15 Prozent eine höhere Quote zum Ziel als die heutigen knapp 12 Prozent.»
  • Bildungsausgaben pro Einwohner: Dieser Indikator erhält die gelbe Ampel. Die Entwicklung ist konstant, obwohl eine Zunahme der Pro-Kopf-Bildungsausgaben wünschenswert wäre. Reto Wyss sagt: «Wir sind überzeugt, dass wir im Bildungsbereich schlank, effizient und gut aufgestellt sind.» Er sagt allerdings im Hinblick auf die Sparmassnahmen der letzten Jahre: «Wir sind bei einer Limite angelangt, wo es keine weiteren Kürzungen verträgt.» Trotz knapper finanzieller Mittel müssten notwendige Massnahmen, etwa bei der frühen Sprachförderung möglich sein.
  • Bildungsausgaben pro Lernenden: Dieser Indikator zeigt, dass die Ausgaben pro Schüler in Luzern knapp 2800 Franken tiefer sind als in Referenzkantonen (AG, BE, BL, SG, SO). Allerdings leuchtet die Ampel hier grün, weil sich die Differenz verringert hat.
  • Studiendauer: Von den Studenten, die 2011 mit einem Bachelorstudium starteten, liegt der Anteil der Studenten, die innerhalb von sieben Semestern einen Abschluss erlangt haben, bei 38 Prozent. Das BKD wünscht sich hier eine Zunahme des Anteils, doch der Wert stagniert, weshalb die Ampel gelb leuchtet.
  • Junge Erwachsene mit Erstausbildung: Dieser Bereich wird positiv beurteilt. Die Quote der Erstabschlüsse misst den Anteil der Jugendlichen, die bis zum 25. Altersjahr eine Berufslehre absolviert oder eine allgemeinbildende Schule wie eine Kanti oder eine Fachmittelschule abgeschlossen haben. Reto Wyss begründet die grüne Ampel: «Es macht Freude, dass die Zahlen sich in dieser Höhe bewegen. 2016 ist Luzern der viertbeste Kanton – mit einer Quote von 95,7 Prozent.» Allerdings ist die Quote bei ausländischen Kindern mit 76 Prozent deutlich tiefer.

Laut Norbert Riesen werden die Indikatoren von nun an laufend aktualisiert, sobald neue Daten vorliegen. Im Zusammenarbeit mit Lustat hat der Kanton Luzern 2015 bereits die Sozialindikatoren lanciert, welche die Lebensqualität messen soll.

Hinweis: Weitere Informationen zu den Bildungsindikatoren sowie Erklärungen zu den Grafiken gibt es hier.

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