Luzerner Bruch-Quartier

Nach Edwins Kiosk sammelt nun auch «Die Kneipe» Geld fürs Überleben

Durch das Luzerner Bruch-Quartier fegt eine Welle der Solidarität. Mit einem Spendenaufruf soll ein weiterer beliebter Treffpunkt an der Klosterstrasse gerettet werden.

Sandra Monika Ziegler
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Geschäftsführerin Irène Bergmans in ihrer Kneipe an der Klosterstrasse.

Geschäftsführerin Irène Bergmans in ihrer Kneipe an der Klosterstrasse.

Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 26. Oktober 2018)

«Die kleine Kneipe in unserer Strasse, da wo das Leben noch lebenswert ist.» Diese Zeilen stammen aus dem gleichnamigen Hit von Peter Alexander aus dem Jahre 1976. Und genau mit diesem Lied, eigentlich ihr Feierabend-Beizenschluss-Lied, verabschieden sich nun Claudia Egli und Irène Bergmans via Facebook in die Coronapause und sagen vorerst Tschüss. Ihr Restaurant «Die Kneipe» an der Klosterstrasse im Luzerner Bruch-Quartier bleibt voraussichtlich bis 22. Januar geschlossen. Ab dem 4. Januar bieten sie Take-away an.

Die beiden Frauen kämpfen zusammen mit Regula Schurtenberger – die ehemalige «Storchenwirtin» vom Luzerner Kornmarkt ist seit Mitte Oktober mit im Team – ums Überleben. Ein rentables Wirtschaften ist zu Coronazeiten kaum mehr möglich. Komme ihnen die Politik mit Massnahmen punkto Mieterlass nicht entgegen, würden sie für ihr Lokal keine Zukunft mehr sehen, sagten sie noch an der Gastro-Demo vom 22. Dezember gegenüber unserer Zeitung.

Nach fünf Tagen über 13'000 Franken

Nun wurde Samuel Bergmans, der Sohn von Irène Bergmans, aktiv und startete mit «Rettet die Kneipe» auf «gofundme.com» eine Sammelaktion. Und seither klingelt die Kasse. Seit dem Hilferuf haben sich Kneipengänger, Quartierbewohnerinnen und andere Sympathisantinnen spendabel gezeigt. Von ihrem Ziel von rund 20'000 Franken sind sie nicht mehr weit entfernt. Nach gut fünf Tagen wurden über 13'400 Franken gespendet.

Die Kneipe wurde von Küchenchefin Claudia Egli und Gastgeberin Irène Bergmans im Februar 2016 eröffnet und hat sich zum Quartiertreffpunkt etabliert. Einfache Gerichte, Karaoke-Abende und leckere Häppchen zum Apéro sind vielen Gästen in Erinnerung. Die allzeit persönliche Atmosphäre hat sich schnell mal rumgesprochen, bald schon wurde die Kneipe über die Quartiergrenze bekannt und beliebt.

Eine waschechte Weihnachtsgeschichte

Die aktuelle Sammelaktion könnte durchaus funktionieren. Denn vis-à-vis der Kneipe hat es bereits geklappt. Da ging es ebenfalls um einen beliebten Quartiertreffpunkt: um Edwins Kiosk. Innert kürzester Zeit konnte der Kiosk vorerst gerettet werden.

Die Initiantin schrieb auf der Plattform: «Es ist unglaublich, was für eine Welle der Solidarität sich hier aufgetürmt hat. Es ist eine waschechte Weihnachtsgeschichte. Durch die Spenden von über 300 Personen haben wir viel mehr erreicht als zuerst angenommen. Auch auf Wunsch von Edwin werde ich die Aktion beenden, da sie sonst über das Ziel hinausschiessen würde.»

Gesammelt wurden über 22'000 Franken. Kioskinhaber Edwin zeigte sich einen Tag später bei einem Besuch in seinem Kiosk stark berührt. Ihm fehlten schlicht die Worte: «Ich muss das zuerst mal setzen lassen – unglaublich.»