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Luzerner CVP will Andrea Gmür Doppelkandidatur erlauben

Mit Andrea Gmür soll erstmals in der 179-jährigen Geschichte der Luzerner CVP die gleiche Person für den National- wie für den Ständerat antreten. Dabei sprach sich Wahlkampfleiter und ex-Parteipräsident Pirmin Jung bis vor kurzem gegen Doppelkandidaturen aus.
Lukas Nussbaumer
Die amtierende Luzerner Nationalrätin Andrea Gmür (54) will sowohl für den National- als auch für den Ständerat kandidieren. (Bild:Monika Flückiger/EQ Images, Bern, 15. Dezember 2017)

Die amtierende Luzerner Nationalrätin Andrea Gmür (54) will sowohl für den National- als auch für den Ständerat kandidieren. (Bild:Monika Flückiger/EQ Images, Bern, 15. Dezember 2017)

Am Abend des 31. März sei der Fall für ihn klar gewesen: «Wir müssen mit einer Doppelkandidatur in die National- und Ständeratswahlen steigen.» Das sagt Pirmin Jung, von 2012 bis 2017 Präsident der CVP des Kantons Luzern und aktuell Wahlkampfleiter für die nationalen Wahlen, auf Anfrage unserer Zeitung.

Jungs Aussage erstaunt. Noch Ende Januar, als die 2015 gewählte Nationalrätin Andrea Gmür-Schönenberger (54) für den Ständerat nominiert wurde, sprach sich der 50-jährige Eigentümer eines Ingenieur-Unternehmens explizit gegen Doppelkandidaturen aus. Anders als alt Regierungsrat Markus Dürr – und anders auch als Gmür selber.

Fabian Peters Resultate führten zum Meinungsumschwung

Vom Gegenteil überzeugt haben Jung an jenem Sonntagabend im März die Wahlergebnisse von Fabian Peter. Der Freisinnige aus Inwil trat sowohl für den Regierungs- als auch für den Kantonsrat an – und reüssierte doppelt. Die Hürde des absoluten Mehrs bei der Wahl in die Kantonsexekutive übertraf er im Gegensatz zu den beiden bisherigen Regierungsräten Paul Winiker und Marcel Schwerzmann locker, bei den Kantonsratswahlen erzielte er im Wahlkreis Hochdorf auf der FDP-Liste das mit Abstand beste Ergebnis. Das hat Jung erstaunt – und gleichzeitig seine Haltung beeinflusst: «Obwohl jeder wusste, dass Fabian Peter in die Regierung will, haben ihn viele Leute auch ins Parlament gewählt.» Daraus zieht Jung den Schluss:

«Einen besseren Beweis für den Nutzen von Doppelkandidaturen gibt es nicht.»

Bis zu seinem Aha-Erlebnis ging Jung davon aus, die CVP sei nicht auf die erste Doppelkandidatur in ihrer 179-jährigen Geschichte angewiesen. «Ich war der festen Überzeugung, dass wir genügend gute Leute haben, um auf diese Taktik verzichten zu können.» Das bedeute keinesfalls, dass es der CVP an qualifiziertem Personal fehle. «Aber der Nutzen von Doppelkandidaturen ist einfach zu gross.»

Was Noser und Jositsch in Zürich können, soll Gmür in Luzern schaffen

Jung sagt, er habe natürlich auch einen Blick über die Kantonsgrenzen hinaus geworfen. Und auch da ist ihm ein Freisinniger ins Auge gestochen: Der Zürcher Ruedi Noser, der 2015 sowohl für die Grosse als auch für die Kleine Kammer kandidiert hatte. Der Unternehmer schnitt bei den Nationalratswahlen auf der FDP-Liste klar am besten ab, und er verfehlte das absolute Mehr im ersten Wahlgang der Ständeratswahlen nur knapp. In Runde 2 liess Noser seinen Gegnern von Grünen und SVP keine Chance. Noch erfolgreicher war SP-Mann Daniel Jositsch: Er kandidierte ebenfalls für beide Kammern – und wurde mit dem besten Nationalratsresultat im ersten Wahlgang Ständerat.

Was Ruedi Noser und Daniel Jositsch in Zürich gelungen ist, soll Andrea Gmür in Luzern für die CVP schaffen: den Sprung von der Grossen in die Kleine Kammer und möglichst viele Parteistimmen bei den Nationalratswahlen sammeln. Denn der dritte Sitz der CVP ist hochgradig gefährdet – aus vier Gründen: Erstens stehen dem Kanton Luzern künftig nur noch neun statt zehn Mandate im Nationalrat zu. Zweitens rettete die Partei ihren dritten Sitz 2015 nur äusserst knapp. Drittens treten alle zehn Nationalräte wieder an. Und viertens setzt auch die SVP als ebenfalls von einem Sitzverlust bedrohte Partei mit Franz Grüter auf eine Doppelkandidatur (Ausgabe vom Freitag).

Wahlkampfleiter will eine Scharte auswetzen

Eine Strategie, die der Luzerner Politologe Olivier Dolder von Interface Politikstudien als erfolgversprechend bezeichnet. Damit werde die Zugkraft einer Person für die Partei genutzt. Umgemünzt auf Andrea Gmür bedeutet das: Sie könnte als bekannte bisherige Politikerin für die CVP die dringend benötigten Zusatzstimmen bei den Nationalratswahlen holen.

Doch reicht das? Schliesslich verdankte die CVP ihren dritten Sitz im Oktober 2015 einem Restmandat. Pirmin Jung ist überzeugt davon:

«Ich habe die Wahlkampfleitung nur übernommen, weil ich an die Verteidigung des dritten Mandats glaube.»

Und: Jung hat eine Scharte auszuwetzen. Er nahm den Verlust des Wähleranteils von 3,2 Prozent bei den Nationalratswahlen 2015 auf seine Kappe. Und zwar, indem er zu spät mit der Suche von Kandidaten begonnen habe. Dies sagte Jung gegegenüber unserer Zeitung bei seinem Rücktritt als Parteipräsident im April 2017.

Delegierte können ihr Veto einlegen

Ob die erstmalige Doppelkandidatur in der Geschichte der Luzerner CVP Tatsache wird, zeigt sich an der Delegiertenversammlung vom Dienstagabend in der Stadthalle Sempach. Der 120-köpfige Parteivorstand, dem alle 83 Ortsparteipräsidenten angehören, spricht sich laut Parteisekretär Rico De Bona jedenfalls dafür aus.

Der Plan der Parteispitze kann allerdings noch Schiffbruch erleiden, wenn Delegierte bei der Präsentation der Verfahrensordnung ihr Veto einlegen und dafür eine Mehrheit erhalten. Die Wahrscheinlichkeit dafür dürfte «inzwischen aber klein» sein, vermutet Pirmin Jung. Auch Rico De Bona spricht von einer «relativ stark konsolidierten Haltung».

SC-Kriens-Präsident Werner Baumgartner will in den Nationalrat

Geleitet wird die Versammlung nicht von Präsident Christian Ineichen, sondern von Vizepräsidentin Yvonne Hunkeler. Der Grund ist einfach: Ineichen ist einer von vier Männern, die in die Grosse Kammer wollen. Dazu gehören auch der bisherige Nationalrat Leo Müller, Kantonsratsvizepräsident Josef Wyss sowie Werner Baumgartner, aktueller Präsident des SC Kriens, früherer Präsident der CVP Kriens und ehemaliges Mitglied des Einwohnerrats. Seine Kandidatur gab die CVP erst am Sonntag bekannt.

Seit längerem bekannt sind die fünf Frauen – ausser die Delegierten sprechen sich gegen eine Doppelkandidatur aus: Die bisherigen Ida Glanzmann und Andrea Gmür, die Kantonsrätinnen Priska Wismer und Inge Lichtsteiner sowie Karin Stadelmann, seit April Präsidentin der städtischen CVP und – auch seit kurzem – neben Hunkeler Vizepräsidentin der Kantonalpartei.

Alle zehn bisherigen Luzerner Nationalräte kandidieren erneut

Die Nationalratswahlen vom 20. Oktober versprechen Hochspannung. Obwohl der Kanton Luzern einen seiner zehn Sitze verliert, treten alle zehn amtierenden Parlamentarier wieder an. Zittern muss insbesondere die CVP, die ihr drittes Mandat 2015 nur äusserst knapp verteidigen konnte – auch dank einer Listenverbindung mit der FDP sowie den Kleinparteien EVP und BDP. Ob diese Verbindungen auch heuer wieder zustande kommen, entscheiden die Parteileitungen im Sommer.

Eingabeschluss für die nationalen Wahlen ist der 26.  August. Das sind die zehn bisherigen, wieder antretenden Luzerner Mitglieder des Nationalrats: CVP: Ida Glanzmann, Leo Müller, Andrea Gmür SVP: Felix Müri, Yvette Estermann, Franz Grüter FDP: Albert Vitali, Peter Schilliger SP: Prisca Birrer-Heimo Grüne: Michael Töngi.

Bei den Ständeratswahlen kommt es sicher zu einem Wechsel. Konrad Graber (CVP) tritt ab. Anders Damian Müller: Die FDP hat ihn bereits für eine zweite Legislatur nominiert. Sicher antreten werden auch Andrea Gmür (CVP), Franz Grüter (SVP) und David Roth (SP). (nus)

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