Luzerner Dealer verweigert Teilnahme an Verhandlung – doch er akzeptiert jede Strafe

Ein Schweizer hat laut Anklage über 7 Kilo Kokain verkauft. Der Taxifahrer bestritt, mit dieser Menge gehandelt zu haben. Nicht, weil er auf ein mildes Urteil des Luzerner Kriminalgerichts hofft. Im Gegenteil.

Roger Rüegger
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Die Verhandlung am Luzerner Kriminalgericht hat am Freitagmorgen in Minimalbesetzung stattgefunden – oder eher: in Unterbesetzung. Drei Richter, eine Gerichtsschreiberin, der Staatsanwalt sowie der Verteidiger waren anwesend. Der Hauptdarsteller aber war nicht anwesend. Der Beschuldigte, ein Schweizer aus einer Luzerner Landgemeinde, befindet sich im vorzeitigen Strafvollzug. Was ihn jedoch nicht von der Teilnahme befreit.

Der Gerichtspräsident erklärte: «Der Mann liess noch am Verhandlungstag telefonisch ausrichten, dass er sich weigert, zu erscheinen. Das Gericht ist jedoch der Ansicht, dass der Beschuldigte anwesend sein muss, weshalb wir entschieden, dass er im Rahmen der Verhältnismässigkeit zugeführt werden soll.»

Er wehrte sich mit Händen und Füssen

Der 59-jährige Taxifahrer, dem der Verkauf von Drogen vorgeworfen wird, wehrte sich jedoch laut Gerichtspräsident mit Händen und Füssen. Eine Zuführung konnte nicht stattfinden. «Der Beschuldigte sagte, er werde nie im Leben einer Verhandlung beiwohnen», so der Richter.

Eine spezielle Situation für alle Beteiligten. Der Beschuldigte zeigte sich laut Staatsanwalt auch bei den Untersuchungen nicht kooperativ. Die Anklage wirft ihm vor, im Zeitraum vom Januar 2016 bis Juni 2019 eine grössere Menge Kokain an verschiedene Abnehmer verkauft zu haben:

«Der Taxichauffeur bot mehr als nur einen Fahrdienst an. Es war bekannt, dass unter seiner Telefonnummer auch Kokain bestellt werden konnte.»

Von diesem Service habe auch die Polizei Wind bekommen, weshalb ein verdeckter Ermittler auf ihn angesetzt worden sei. Im Juni 2019 habe der Beschuldigte dem Beamten an einem vereinbarten Treffpunkt eine grössere Menge Kokain verkaufen wollen. «Am Bahnhof Sursee war Endstation für den Dealer.» Der Staatsanwalt beantragte für den Beschuldigten, der selber keine Drogen konsumiert, eine Freiheitsstrafe von 42 Monaten.

Gestützt war die Anklage unter anderem auf Nachrichten von 25 bis 30 Personen, die auf dem Mobiltelefon des Taxifahrers festgestellt wurden. Vier Männer aus dem Kanton Luzern sagten zudem aus, dass der Beschuldigte sie mit Kokain belieferte. Sie bezogen laut Anklageschrift über einen längeren Zeitraum regelmässig, zum Teil täglich, kleinere Mengen Kokain.

Kokain im Wert von 710'000 Franken

Gegen das Quartett wurde ebenfalls ermittelt, alle vier haben ihre Strafbefehle anerkannt. Ihren Aussagen wurde entnommen, dass zwischen Januar 2016 bis zur Festnahme des Beschuldigten am 26. Juni 2019 Handel mit Kokain zwischen 3675 Gramm und 7105 Gramm betrieben wurde. Wert: zwischen 367'500 Franken und 710'500 Franken. «Daraus entstand ein Gewinn von 73'500 Franken. Der Beschuldigte verdiente mit dem Drogenhandel fast soviel, wie mit seinem Beruf», so der Staatsanwalt.

Der Verteidiger fasste sich kurz. Auch für ihn sei diese Form einer Verhandlung eine Premiere. «Es gibt nichts, was es nicht gibt. Mein Mandant und ich vereinbarten telefonisch, dass man ihn angemessen bestrafen soll. Er will keinen Freispruch, weil er glaubt, dass ihn in Freiheit nur Schulden und Probleme erwarten», beschrieb er das Gespräch mit dem Beschuldigten. Ein Strafmass nannte er nicht. Zu den Richtern sagte er:

«Das ist für einen Pflichtverteidiger wie Kaffeesatz lesen. Sie machen das schon richtig.»

Allerdings überliess er dem Staatsanwalt das Feld nicht kampflos. «Die sieben Kilogramm, die meinem Mandanten angelastet werden, sind nicht belegt. Die Aussagen der mutmasslichen Kunden sind vage. So sagte einer aus, er wisse nicht viel über den Taxifahrer. Nur dass dieser Kokain verkauft habe, wahrscheinlich viel. Das reicht nicht. Die Staatsanwalt kann nicht irgendwelche Quantitäten in den Raum stellen.»

Er führte aus, dass sein Mandant sich im Gefängnis wohl fühle. Er sagte, er sei schon am richtigen Ort. «Ich als Verteidiger kann das nicht stehen lassen. Es darf nicht sein, dass er nach seiner Entlassung das Ziel hat, wieder in Haft zu kommen. Die Resozialisierung muss unbedingt im Vordergrund stehen.» Das Urteil wird den Parteien schriftlich mitgeteilt.