Luzerner Eltern helfen sich in Corona-Zeiten gegenseitig – viele warten auf Infos von den Schulen

Wer soll auf die Kinder aufpassen? Da die Grosseltern keine Option sind, organisieren sich nun einige Eltern untereinander.

Federico Gagliano, René Meier
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Eine Mutter hilft ihrem Kind beim Abwasch.

Eine Mutter hilft ihrem Kind beim Abwasch.  

Bild: Getty

Die Situation von Ulrike Seifart ist kein Einzelfall: Die alleinerziehende Mutter arbeitet in einem 80-Prozent-Pensum, doch nun soll ihr zwölfjähriger Sohn die ganze Woche zu Hause bleiben. Da sie erst kürzlich nach Luzern gezogen ist, verfügt sich noch nicht über ein Netzwerk, auf das sie sich stützen könnte.

Deshalb hat sie vergangenen Freitag, nachdem der Bundesrat über die neuen Corona-Massnahmen informierte, die Facebook-Gruppe «Luzern-Corona: Eltern organisieren sich» gegründet – ihr Ziel: «Eltern sollen die Last unter sich aufteilen können.» Gestern waren bereits 90 Mitglieder der Gruppe beigetreten.

Viele warten noch ab

Trotzdem fehle es momentan noch an Interaktionen, erzählt Seifart. Es habe zwar vereinzelt Angebote gegeben, aber noch sei es ruhig in der Gruppe. Das liege einerseits daran, dass viele auf weitere Infos vom Bundesrat, aber vor allem von den Schulen warten. Sie selbst habe momentan nur eine temporäre Lösung mit ihren Nachbarn gefunden – allerdings nur für diese Woche. Trotzdem: Einige Freiwillige haben sich bereits gemeldet, manche mit eigenen Kindern, manche kinderlos. Ihre Beiträge klingen ähnlich: Sie seien gerne bereit, einige Kinder bei sich aufzunehmen. Seifart hofft, dass weitere folgen werden.

In der Facebook-Gruppe «Luzerner helfen Luzernern» werden ebenfalls Kinderbetreuungsangebote gesammelt. Und auch in anderen Zentralschweizer Kantonen werden ähnliche Gruppen aktiv. Dass sich Eltern so organisieren, kommt auch den Tagesstrukturen in den Schulen entgegen.

«Situation erfordert unkonventionelles Denken»

Familien steht auch andere Hilfe zur Verfügung: Die CVP Luzern bietet auf ihrer Website Einkaufsdienste oder Botengänge an. Auch die Sinnvoll Gastro reagiert: Wegen der geschlossenen Betriebe habe man ganz viel verfügbare Manpower, heisst es in einer Medienmitteilung. Die aussergewöhnliche Situation erfordere «unkonventionelles Denken». Deswegen würde man die Mitarbeitenden gerne für Einkäufe, Taxidienste oder Mithilfe in Kitas zur Verfügung stellen. «Auch bieten wir bei Bedarf unsere Hotelzimmer als Home-Office-Plätze an, ebenfalls ist die Einrichtung von Quarantäne-Zimmern möglich», heisst es weiter. Interessiert können sich unter der Telefonnummer 0412404634 melden.

Neben den Jüngeren gilt es zurzeit besonders die älteren Generationen zu schützen. Die beiden Organisationen Vicino Luzern und die Genossenschaft Zeitgut Luzern haben ein kostenloses Unterstützungsangebot eingerichtet. Menschen, die zur Risikogruppe gehören und ihre Wohnung nicht mehr verlassen können oder wollen, können sich über eine entsprechende Hotline von Montag bis Freitag zwischen 9 und 12 Uhr melden und Hilfe beantragen. Hotlines: Würzenbach (0793951449), Littau (0798952709), Neustadt (0791523232), Altstadt (0763695777). Alle Infos dazu auf www.vicino-luzern.ch und www.zeitgut.org.

Um der steigenden Nachfrage der Quartierhilfe Luzern zu genügen, werden zudem Menschen gesucht, die sich in dieser Notsituation für Gemeinschaft und Nachbarschaft engagieren. Diese können sich ebenfalls über die entsprechende Hotline melden.

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