Luzerner Exporte sinken stark

Vor allem die Landwirtschaft und die Maschinenindustrie schwächeln. Dafür brillieren Pharma und Uhren.

Dominik Weingartner
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Der Dieriker Kabelmaschinenhersteller Komax führte Ende Januar wegen der Automobilkrise Kurzarbeit ein.

Der Dieriker Kabelmaschinenhersteller Komax führte Ende Januar wegen der Automobilkrise Kurzarbeit ein.

Bild: Dominik Wunderli

Die Luzerner Exportwirtschaft schwächelt. Laut neusten Zahlen von Lustat Statistik Luzern ist das Exportvolumen im vierten Quartal 2019 gegenüber dem gleichen Quartal des Vorjahres um 3,5 Prozent auf noch rund 1,25 Milliarden Franken gesunken (siehe Grafik). Zum Vergleich: Gesamtschweizerisch gaben die Exporte im gleichen Zeitraum ebenfalls leicht nach, das Minus liegt aber «nur» bei 0,8 Prozent. Für den Kanton Luzern bedeutet dies laut Lustat das vierte negative Quartalsergebnis in Folge.

Der Grund für das schwächere Luzerner Ergebnis ist in der Wirtschaftsstruktur des Kantons zu finden. Der Bereich Maschinen, Apparate und Elektronik gab um 11 Prozent nach. Diese Warengruppe macht über einen Fünftel der Luzerner Exporte aus. Die für Luzern ebenfalls sehr wichtige Warengruppe land- und forstwirtschaftliche Produkte und Fischerei gab um 16,6 Prozent nach. Dieser Bereich wurde im Kanton Luzern von Pharma- und Chemieprodukten sogar überholt.

Kurzarbeit, um Arbeitsplätze zu halten

Die Relevanz der Pharmabranche gilt für die ganze Schweiz. «Die mit Abstand wichtigste Exportware aus Gesamtschweizer Sicht sind Pharmaprodukte, welche fast die Hälfte aller Exporte ausmachen», sagt Barbara Rohner von Lustat. An zweiter Stelle folge der Bereich Präzisionsinstrumente, Uhren und Bijouterie, der im Kanton Luzern um satte 23,4 Prozent zulegen konnte.

Dass diese Bereiche der Exportstatistik helfen, sagt auch Adrian Derungs, Direktor der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz (IHZ): «Wenn man die Pharma- und Chemieexporte rausrechnet, haben die Exporte bereits seit zwei Jahren schweizweit eine rückläufige Tendenz.» Besonders betroffen von der Exportschwäche sei aber die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM), sagt er. «Diese spürt die Umwälzungen etwa in der Automobilindustrie am stärksten.» Beispiele dafür seien die Firmen Schurter und Komax, die beide aufgrund der schlechten Wirtschaftslage Kurzarbeit eingeführt haben (wir berichteten).

Zu wenig Aufträge aus dem Ausland

Der IHZ-Direktor begrüsst diese Massnahme. «Kurzarbeit hilft, um in einer schwierigen Situation die Arbeitsplätze in der Schweiz zu halten», sagt er. Denn seien die Industriearbeitsplätze einmal weg, kämen sie nicht wieder, so Derungs. Laut Derungs trüben weitere Faktoren die Lage im laufenden Jahr. So seien aufgrund des Ausbruchs des Corona-Virus bereits die Transportpreise für Frachtschiffe oder Luftfracht massiv gestiegen. Das Virus verursacht laut dem IHZ-Direktor zudem weitere Probleme: «Materialien aus China werden langsam knapp oder verzögern sich.»

Bereits Ende des vergangenen Jahres, also noch vor dem Corona-Virus-Ausbruch, haben die Luzerner Industriebetriebe laut Lustat den Auftragsbestand aus dem Ausland als zu tief eingeschätzt. Bis Mitte 2020 erwarten sie «keine Veränderung ihrer Geschäftslage», heisst es weiter.