Analyse

Luzerner Fasnacht 2021: Ohne schmerzhafte Abstriche wird sie nicht möglich sein

Weniger Guuggenmusigen in der Altstadt, dezentralisierte Tagwache, Geister-Umzüge. Um die Fasnacht 2021 zu retten, darf es keine Tabus geben, findet Redaktor Hugo Bischof. Sonst soll man sie gleich absagen.

Hugo Bischof
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Findet die Fasnacht 2021 statt? Falls ja, mit welchen Schutzbestimmungen? Noch dauert es fünf Monate bis zum Schmutzigen Donnerstag am 11. Februar 2021. Doch Entscheide müssen jetzt fallen. Denn viele Fasnächtler sind bereits in den Startlöchern. Guuggenmusigen beginnen zu proben, in vielen Garagen werden Wagen gebaut und Grende gebastelt. Die Fasnächtler erwarten klare Signale von Seiten des Kantons und der Stadt: Was wird 2021 möglich sein, was nicht?

Die Coronafallzahlen steigen wieder. In Altersheimen sterben erneut Menschen an Covid-19. Weiter herrscht im öffentlichen Verkehr Maskenpflicht. In Restaurants müssen Distanz- und Hygieneregeln eingehalten werden. Vor Einkaufsläden stehen Desinfektionssprays bereit. Wir begegnen uns vorsichtig, verzichten aufs Händeschütteln und Umarmen. Und da soll ein Massenanlass mit Zehntausenden Menschen im Zentrum der Stadt möglich sein? Kaum vorstellbar.

Natürlich kann sich in den kommenden Monaten noch viel ändern, positiv oder negativ. Auch ein erneuter Lockdown ist nicht völlig ausgeschlossen. Eines lässt sich jetzt schon voraussagen: Weitgehende Normalität wird im Februar 2021 nicht herrschen. Dafür ist unsere Gesellschaft durch Corona zu fundamental erschüttert worden. Darum wird die Fasnacht 2021, falls sie stattfindet, eine andere sein als 2020 oder in den Jahren zuvor. Jetzt schon ist klar: Eine Tagwache mit Tausenden dicht gedrängten Fasnächtlern auf dem Kapellplatz wird 2021 nicht möglich sein. Distanzregeln und Contact-Tracing wären dort nicht ansatzweise möglich. In Basel schlägt das entsprechende Komitee vor, den Morgeschtraich dezentral in den Quartieren durchzuführen – ein Konzept, das man auch in Luzern prüfen sollte.

Die Tagwache am Güdismontag: Wie findet sie nächstes Jahr statt?

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Bild: Nadia Schärli

Dezentralisierung ist ein mögliches Konzept

Es braucht den Mut, an Tabus zu rütteln. Warum muss jede Guuggenmusig von überall her partout in die Luzerner Altstadt strömen und eng zusammengepfercht auf der Rathaustreppe ihr Platzkonzert geben? Warum sorgen die Guugger nicht vermehrt in ihren Quartieren und Kommunen für Stimmung? Dezentralisierung, zurück in die Quartiere, könnte ein Konzept sein. Ein gewisses Unbehagen sowie Sicherheitsbedenken wegen des gewaltigen Gedränges in Luzerns Altstadt wurden in den letzten Jahren vermehrt geäussert. Eine «Fasnacht light» könnte 2021 diesbezüglich befreiend wirken. Ein Einfahrverbot für sperrige Wagen etwa könnte mit kleinem Aufwand signalisiert und umgesetzt werden.

Natürlich widerspricht dies dem chaotischen, verrückten Wesen der Luzerner Fasnacht diametral. Man will sich an der Fasnacht näherkommen, aus dem Alltagstrott ausbrechen, manchmal vielleicht ein bisschen unvernünftig sein. Das alles wird 2021 nicht möglich sein. Wir leben in schwierigen Zeiten. Man wird sich deshalb an gewisse Regeln und Einschränkungen halten müssen, so schmerzhaft diese auch sein mögen.

Die Fasnacht, ein Fest der Farben und der kreativen Grende, würde durch all diese Einschränkungen nicht verunmöglicht. Eine Beizenfasnacht wäre weiter möglich, natürlich mit den notwendigen Coronaschutzmassnahmen. Nicht verzichten müsste man auch auf all die feinen Fasnachtstheäterli und die fantastischen Einzelmasken. Vielleicht müsste man einfach den Radius weiter ziehen und neue Veranstaltungsorte wie etwa das Inseli einbeziehen. Für Maskenbälle im Vorfeld müssten Schutzkonzepte nach den Vorgaben des Bundes erarbeitet werden, die der Kanton nun konkretisieren muss.

Geister-Umzüge in Luzern? Warum nicht

Was aber passiert mit den grossen Umzügen in Luzern und Umgebung? Unzählige Fasnächtlerinnen und Fasnächtler arbeiten mit Inbrunst monatelang darauf hin. Eine Absage wäre für sie eine Katastrophe. Doch auch hier gilt: Es darf im Hinblick auf 2021 keine Tabus geben. Wer hätte gedacht, dass dereinst Fussballspiele ohne Publikum stattfinden würden? Und siehe da, es funktionierte! Geister-Umzüge in Luzern? Beim Gedanken daran blutet das fasnächtliche Herz. Es wäre eine Option mit vielleicht weltweit ausstrahlendem Symbolcharakter. Man könnte den Fritschi- und Wey-Umzug in Luzern vielleicht auch in etwas abgespeckterer Form und in Tranchen verteilt über mehrere Tage durchführen. Das Publikum würde dabei in überschaubare Sektoren aufgeteilt. Wer will, könnte ihn bequem zu Hause am Fernsehen anschauen. Sehr viele tun das schon heute.

Was bleibt als Fazit? Nur wenn man bereit ist, auf vieles zu verzichten, vielleicht gar auf die grossen Umzüge, ist die Durchführung der Fasnacht 2021 realistisch. Falls nicht, muss man den Mut haben, sie jetzt ganz abzusagen.

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