Luzerner Fasnacht schwappt auf das Inseli über

Das Gedränge an Luzerns rüüdigen Tagen wird immer grösser. Jetzt gibt’s eine Ausweichmöglichkeit an prominenter Lage.

Hugo Bischof
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Der Luzerner Inseli-Park hinter dem KKL war bisher garantiert fasnachtsfreie Zone. Keine Guuggenmusig verirrte sich hierher, keine Grende, keine Wagengruppe. Das soll sich schon an der bevorstehenden Fasnacht ändern. Extra dafür wurde die Zunft zum Inseli gegründet, vermeldet Silvio Panizza in der aktuellen Ausgabe seiner alljährlich erscheinenden Infobroschüre «De rüüdig Fasnachtsfüerer». Panizza ist begeistert von der Idee. «Die Luzerner Fasnacht betritt damit neue Ufer», sagt er.

Wo zurzeit Rudolfs Weihnachtsmarkt für besinnliche Stimmung sorgt, soll also im Februar 2020 vom Schmutzigen Donnerstag bis am Güdisdienstag geschränzt und fasnächtlich intrigiert werden. «Wir wollen im Inseli-Park den alten Werten und Traditionen der Luzerner Fasnacht Platz geben», sagt Reto (Chöttu) Küttel. Er ist erster Inselivater, also Vorsteher der neuen Inseli-Zunft («Insula Lucernensis»).

Inselivater Reto Küttel mit dem Zunftsignet auf dem Inseli in der Stadt Luzern.

Inselivater Reto Küttel mit dem Zunftsignet auf dem Inseli in der Stadt Luzern.

Bild: PD

Ein Problem an der heutigen Fasnacht sei, dass die meisten Plätze in der Innenstadt «hoffnungslos überfüllt sind – durch Guuggenmusigen mit eigenen Standplätzen, Kaffeewagen, Wagenbauer, Familienwagen, offizielle und inoffizielle Verkaufsstände». Dazu komme laut Küttel: «Elektronische Musik überschallt die schrägen Töne; und die Kostüme kommen ab der Stange, statt dass man sie selber bastelt.»

Viele wollen «nur Umsatz machen»

Es gebe heute zu viele, vor allem an der Bahnhofstrasse, «die nur Umsatz machen wollen, aber nichts Fasnächtliches beitragen», betont Küttel. Auf dem Inseli soll alles anders werden. Dort werden nur Gruppierungen zugelassen, die aktiv die Luzerner Fasnacht bereichern – «mit selbstgebastelten oder selbstgenähten Kostümen, Wagen mit jährlich ändernden Sujets sowie Sujetgruppen mit Kleidern und Grende». Nicht zugelassen sein werden im Inseli elektronische Beschallungen – «Konservenmusik», die aus Lautsprecherboxen dröhnt. Ausnahmen werde es für spezielle fasnächtliche Produktionen geben.

Schmähpreis für Denkmalpflege

Zum 48. Mal ist der von Silvio Panizza herausgegebene «De rüüdig Fasnachtsfüerer» erschienen. Er enthält eine ausführliche Agenda der wichtigsten Vorfasnachts- und Fasnachtsanlässe in Luzern und der Zentralschweiz. Seinen Schmähpreis Roschtigs Guuggi verleiht Panizza den Eidgenössischen Kommissionen für Denkmalpflege sowie Natur- und Heimatschutz «für die unsinnige Forderung, die Nordfassade des alten Theaters zu erhalten». Den Satire-Orden erhält Zirkuspfarrer Ernst Heller.

De rüüdig Fasnachtsfüerer ist ab heute für fünf Franken an allen grösseren Kiosken der Zentralschweiz erhältlich.

Aber werden die Fasnächtler den Weg zum etwas abgelegenen Inseli überhaupt finden? «Wir müssen sicher drei bis vier Jahre Substanz zeigen, bis sich das Inseli als neuer Fasnachts-Hotspot etabliert», ist sich Küttel bewusst. Er sei aber zuversichtlich: «Die Bahnhofstrasse war in den 1980er-Jahren ja auch völlig fasnachtsfrei. Und heute platzt sie fasnächtlich aus allen Nähten.»

Küttel wird mit seiner dreiköpfigen Kleingruppe Asgards zusammen mit Claudia de Biasio und Martin Jans an den Fasnachtstagen vor Ort auf dem Inseli sein: «Wer Interesse hat, mitzumachen, kann sich jederzeit bei uns melden.»

Reto Küttel, Claudia de Biasio und Martin Jans (von links) auf dem Inseli.

Reto Küttel, Claudia de Biasio und Martin Jans (von links) auf dem Inseli.

Bild: PD

Küttel hat Erfahrung im Lancieren fasnächtlicher Neuerungen. Er hat 2010 die IG Jesuitenplatz und 2016 die IG Bahnhofstrasse mitgegründet. Sie schafften es, den Verteilkampf um die dortigen Standplätze zu beruhigen. Auch Regeln für Lautstärke, Wasser und Strom wurden erarbeitet.

Stadt begrüsst Initiative der Fasnachts-IG

Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen bei der Stadt Luzern, betont: «Die Verantwortlichen haben uns über das Vorhaben am Runden Tisch vom November 2019 informiert.» Eine Bewilligung für solche fasnächtlichen Anlässe brauche es nicht: «Es gilt einfach, die generellen Empfehlungen einzuhalten, etwa bezüglich Littering und Lärmimmissionen.» Die Stadt begrüsse die Initiative der Interessengemeinschaften für die Einhaltung gewisser Regeln: «Im Zöpfli, wo es Lärmbeanstandungen gab, hat dies 2019 bestens geklappt.»

Schwerpunkt

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Die Luzerner Zeitung und ihre Regionalausgaben berichten ausführlich über das bunte Treiben vor und während der «fünften Jahreszeit». Die neuesten Bilder, Videos, Artikel und mehr.