Luzerner Fest erhält viel mehr Geld von der Stadt – aber nicht bei schlechtem Wetter 

Das Luzerner Stadtparlament befürwortet die Unterstützung des Luzerner Fests ab 2021. Doch im Falle eines hohen Defizits müssen sich die Organisatoren grösstenteils selber helfen. 

Robert Knobel
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2017 war das Luzerner Fest noch ein Grossereignis, das Besucherinnen und Besucher von weit über die Stadt Luzern hinaus anzog. Hier ein Konzert von Marash & Dave auf dem Schwanenplatz.

2017 war das Luzerner Fest noch ein Grossereignis, das Besucherinnen und Besucher von weit über die Stadt Luzern hinaus anzog. Hier ein Konzert von Marash & Dave auf dem Schwanenplatz.

Bild: Dominik Wunderli

Kleiner, bescheidener und lokaler: So soll das Luzerner Fest ab 2021 daherkommen. Die Schrumpfkur gilt allerdings nicht für die städtischen Finanzen. Denn die Stadt wird ihr finanzielles Engagement für das Fest massiv hochfahren: Steuerte sie bisher rund 100'000 Franken pro Jahr bei, wird sie in den Jahren 2021 bis 2023 maximal 840'000 Franken fürs Luzerner Fest ausgeben, wovon 100'000 Franken als Defizitgarantie für die Organisatoren reserviert sind. Das hat das Stadtparlament am Donnerstag beschlossen.

Wollen nun auch Blue Balls und Fumetto mehr Geld?

Ursprünglich wollte der Stadtrat sogar noch mehr Geld zur Verfügung stellen und die nächsten drei Ausgaben des Luzerner Fests mit bis zu 980'000 Franken unterstützen (wir berichteten). Doch das war dem Parlament dann doch etwas zu viel. Die Mehrheit störte sich insbesondere an der hohen Defizitgarantie, die der Stadtrat ursprünglich mit 240'000 Franken veranschlagt hatte. Diese kommt zum Tragen, wenn das Fest beispielsweise wegen schlechtem Wetter zum Flop wird und zu wenig Einnahmen generieren kann.

«Die Defizitgarantie ist der schwächste Punkt des Konzepts», sagte Judith Wyrsch (GLP). «Andere Feste haben auch keine Garantie, dass die Stadt ihr Defizit übernimmt», fand auch Michael Zeier (CVP). Marco Müller (Grüne) befürchtet, dass andere Grossanlässe wie das Blue Balls oder das Fumetto ebenfalls entsprechende Forderungen an die Stadt stellen könnten.

Müller sieht das Engagement der Stadt in Sachen Luzerner Fest grundsätzlich kritisch:

«Es ist schon seltsam, wenn die Stadt neuerdings die Geschäftsstelle einer privaten Stiftung finanziert.»

Tatsächlich umfasst die Neuausrichtung des Luzerner Fests auch die Einrichtung einer Geschäftsstelle. Für Stadtpräsident Beat Züsli (SP) ist dies auch sinnvoll, zumal auch andere Grossanlässe wie der Marathon oder der Stadtlauf eine Geschäftsstelle unterhalten. «Wir sind sehr froh um die Professionalisierung dieser Veranstaltungen. Dies erleichtert die Arbeit für die Stadt enorm», so Züsli.

Grüne finden: Luzerner Fest ist noch immer viel zu gross und zu teuer

Die Stossrichtung, das Luzerner Fest zu verkleinern und lokaler auszurichten, war im Parlament grundsätzlich unbestritten. Kaum jemand wünschte sich die bis zu 100'000 Besucher der vergangenen Ausgaben zurück. Für die Grünen geht die Redimensionierung aber viel zu wenig weit. Sie lehnten den städtischen Beitrag denn auch ganz ab. Marco Müller kritisierte insbesondere die Privilegierung des Luzerner Fests gegenüber anderen vergleichbaren Anlässen – etwa dem Altstadtfest oder Quartierfesten, «die das Geld an allen Ecken und Enden zusammenkratzen müssen.»

Auch der karitative Charakter werde zu wenig gewürdigt, findet Marco Müller: Das Ziel der Organisatoren ist es, 50'000 Franken für wohltätige Zwecke spenden zu können. Zum Vergleich: Das viel kleinere Altstadtfest schaffte es, 64'000 Franken zu spenden. Da würden die Relationen einfach nicht stimmen. «Das Luzerner Fest ist zu gross und zu teuer», so Müllers Fazit. Auch für Marco Baumann (FDP) ist der Zustupf der Stadt ein «sehr grosser Beitrag für ein Fest, das einen Tag pro Jahr stattfindet.» Die FDP wollte den Kredit denn auch noch stärker kürzen und ganz auf eine Defizitgarantie verzichten. Dieser Antrag scheiterte aber im Parlament. 

SP nennt Winterthur als Vorbild

Marcel Lingg (SVP) fand dazu: «Luzern ist eine Festhütte. Wir wollen der neuen Organisation des Stadtfestes eine Chance geben.» Auch Adrian Albisser (SP) hofft, dass das Luzerner Fest künftig einen unverkennbaren Charakter haben wird: «Wir müssen uns abheben von diesen Allerwelt-Stadtfesten mit hundert Meter langen Heineken-Bars. Das steht einer Kulturstadt wie Luzern gut an.» Als gelungene Beispiele für Stadtfeste nannte Albisser diejenigen in Winterthur (Albanifest) und Baden (Badenfahrt).

Die Stiftung «Luzern Hilft», die das Fest organisiert, freut sich über den Entscheid des Stadtparlaments, wie sie nach der Debatte mitteilte. «Damit ist die Zukunft des Festes gesichert.» Die Kürzung der Defizitgarantie führe aber zu einer Unsicherheit. Sollten zwei Jahre nacheinander Verluste geschrieben werden, wäre eine Weiterführung des Fests unklar.

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