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Lichtkunst am Luzerner Fest: So hat man das KKL noch nie gesehen

Kleiner und ohne Feuerwerk – das Luzerner Fest will sich eine neue Identität geben. Helfen sollen überraschende Showeinlagen wie das Lichtspektakel eines Luzerner Kreativstudios. Gefallen hat das aber nicht allen.
Stephan Santschi
Das Meisterwerk von Stararchitekt Jean Nouvel erstrahlt dank dem Luzerner Kreativbüro «ahundredandten» in farbigem Licht. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juni 2017))

Das Meisterwerk von Stararchitekt Jean Nouvel erstrahlt dank dem Luzerner Kreativbüro «ahundredandten» in farbigem Licht. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juni 2017))

22.30 Uhr, das Luzerner Fest ist in vollem Gange. Die Sonne ist hinter dem Horizont verschwunden, Dunkelheit hat sich breitgemacht. Perfekte Bedingungen für das digitale Spektakel, das nun an der Fassade des KKL beginnt. Zwischen den Fenstern bahnen sich farbige Blasen, Kristalle oder Rauchschwaden ihren Weg. Das Gebäude dient als Bildschirm, die Struktur der Wand wird sozusagen in Szene gesetzt. Die Leute auf dem Europaplatz reagieren teils interessiert, schauen nach oben und lassen das Farben- und Formenspiel auf sich wirken. «Mir gefallen die Linien und Schnecken, sie passen sich dem Bau an», sagt Daniel Furrer aus Hochdorf. Seine Ehefrau Claudia ist etwas kritischer: «Es ist nicht speziell. Ich hätte mir eher etwas gewünscht, das besser zu Luzern passt.»

Nebenan beim Bahnhof taucht derweil Lichtkünstler David Hedinger den Torbogen in Farbe. Der Beleuchtungsmeister des Luzerner Theaters wiederholt seine von Musik untermalte Show viertelstündlich und zieht damit die Passanten in seinen Bann.

Firmenname ist eine Zahl ohne grosse Bedeutung

Die beiden Lichtshows ersetzen in diesem Jahr das traditionelle Feuerwerk, auf das erstmals seit der Lancierung des Luzerner Fests im Jahr 2009 verzichtet wurde. Aus finanziellen Gründen einerseits, was Sinn macht in Zeiten, in denen gerade bei den Institutionen Sparen angesagt ist, die durch das Luzerner Fest unterstützt werden sollen. Auf das Feuerwerk wird aber auch verzichtet, um der wegen ihrer Grösse kritisierten Veranstaltung eine neue Identität zu geben. Lokale Künstler sollen gefördert werden, sowohl in der Musik als auch in anderen Branchen.

Sie haben die Lichtshow konzipiert: Luca Struchen (links) und Dominik Ruckli. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 22. Juni 2017))

Sie haben die Lichtshow konzipiert: Luca Struchen (links) und Dominik Ruckli. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 22. Juni 2017))

So steckt hinter den Animationen an der KKL-Fassade die Stadtluzerner Firma «ahundredandten», was soviel bedeutet wie 110 auf Englisch. «Der Name entstand spontan», sagt deren 30-jähriger Creative Director Dominik Ruckli und erzählt die Geschichte der beiden Gründer, die in Zürich auf einen Kundentermin warteten. «Auf einer Strassenlaterne sahen sie zufällig die Zahl 110 und entschieden sich dafür. Das hat also keine grosse Bedeutung. Mit einem Augenzwinkern versichern wir unseren Kunden aber, dass wir 110 Prozent für sie geben.» Fünf Jahre ist das nun her, mittlerweile arbeiten zwölf Leute in den Büroräumlichkeiten an der Güterstrasse in Luzern.

Als das Team der Installation am Donnerstag den Feinschliff gab, war es heiss, was vor allem an den hochsommerlichen Temperaturen, aber vielleicht auch ein wenig an den glühenden Hirnzellen der kreativen Köpfe lag. In ihrem Büro entstehen Image- und Werbefilme, 3D-Animationen und eben bewegte Grafiken, sogenanntes Motion-Design. Die 12-minütige Lichtshow an der KKL-Fassade ist das Werk von Ruckli, Roman Frei und vor allem von Luca Struchen – «unser Genie», wie sein Chef anfügt. Der 24-jährige Aargauer studiert in Luzern Animation und macht derzeit bei «ahundredandten» ein viermonatiges Praktikum. Rund 200 Arbeitsstunden habe er in diese Lichtshow investiert. «Zu Beginn machte ich ein Brainstorming mit Begriffen, die für Luzern stehen.» Dann setzte er sich hinter seine Bildschirme, experimentierte mit seinem Computerprogramm und entwickelte 30 Szenen, wovon er letztlich neun verwendete.

Herausgekommen ist ein abstraktes Lichtspektakel in blau-rot-weissem Kolorit. «Damit es nicht zu kalt wirkt, habe ich einen Wurm eingebaut, der sich zwischen den Fenstern hindurchschlängelt. Oder Schwäne, die über Wellen gleiten. Elemente, an die sich der Zuschauer erinnern soll», erklärt Struchen. Und Ruckli fügt an: «Es soll nicht hektisch wirken. Die Leute sollen sich verzaubern lassen.» Wer sich gestern am Europaplatz umhörte, stellte fest: Mission teilweise erfüllt. «Die Fassade schluckt sehr viel Licht, die Szenerie ist zu dunkel. Zudem hat es wohl etwas zu viel Umgebungslicht», stellte Struchen fest. Kann es das Feuerwerk ersetzen? Die Voten reichten gestern von «ja, auf jeden Fall» bis «nein, wegen einer solchen Lichtshow würde ich nicht nochmals ans Luzerner Fest kommen».

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