Luzerner Feuerwehr hat sich verrechnet – neues Löschboot kostet deutlich mehr

914'300 statt 680'000 Franken: So viel kostet das neue Lösch- und Rettungsgboot der Stadtluzerner Feuerwehr. Zudem verzögert sich die Auslieferung um rund ein Jahr – aus einem politischen Grund.

Roger Rüegger und Roman Hodel
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Jetzt ist klar, wer für die Stadtluzerner Feuerwehr das neue Lösch- und Rettungsboot bauen soll: Es ist die Firma Weldmec Marine Ab in Finnland. Der Stadtrat hat eine entsprechende Zuschlagsverfügung erteilt. An der Ausschreibung hatten vier Bootsanbieter mit sechs Angeboten teilgenommen, wie der Stadtrat am Mittwoch mitteilte. Allerdings wird die Beschaffung deutlich teurer als angenommen: Inklusive Teuerungszuschlag sind es nun 914’300 Franken – statt wie ursprünglich kommuniziert 680'000 Franken. «Das ist auch für uns nicht angenehm», sagt Feuerwehrkommandant Theo Honermann und ergänzt:

«Wir sind uns bei der Feuerwehr präzises Budgetieren gewohnt, doch hier fehlten uns leider die Erfahrungswerte.»

Tatsächlich hat die Feuerwehr seit Jahrzehnten kein neues Lösch- und Rettungsboot beschaffen müssen – das aktuelle, mittlerweile stark abgenützte und zu ersetzende Boot namens Donner hat 26 Jahre auf dem Buckel:

(Bild: Manuela Jans, Luzern 9. Mai 2015)

«Das ist der grosse Unterschied zu den sonst üblichen Ersatzbeschaffungen», erklärt Honermann. «Wenn wir ein Einsatzfahrzeug, beispielsweise eine Autodrehleiter oder ein Tanklöschfahrzeug, ersetzen müssen, können wir die Kosten ziemlich genau abschätzen, hier war das nicht möglich.» Wobei er noch anfügt, dass man bezüglich der ursprünglich genannten 680'000 Franken von Anfang an vorsichtig gewesen sei: «Wir hatten schon in der Arbeitsgruppe damals plus 15 Prozent mehr einkalkuliert, maximal 767'000 Franken.» Als Hauptgrund für die zu tiefe Kostenschätzung nennt Honermann den Aufwand für den Einbau der Feuerwehrtechnik: «Es gab kein vergleichbares Referenzobjekt.» Das einzige einigermassen ähnliche Boot auf dem Bodensee sei um einiges grösser als das für Luzern geplante. Er sagt:

«Also haben wir in der extern unterstützten Arbeitsgruppe aufgrund dessen zurückgerechnet und uns dabei offensichtlich vertan.»

Immerhin: Das Angebot von Weldmec Marine Ab sei das günstigste und wirtschaftlichste. Die anderen Anbieter seien mit bis zu fast 1,2 Millionen Franken nochmals teurer. Die Finnen verfügten zudem über viel Erfahrung im Bau von Feuerwehrbooten. Hier eine Skizze des künftigen Bootes:

Visualisierung: PD

Honermann sagt, er sei froh, dass die Zuschlagsverfügung des Stadtrats nun vorliege: «Der Ersatz des Lösch- und Rettungsbootes ist dringend, weil es in einem schlechten Zustand ist. Wir sind auch auf dem See und für den ufernahen Bereich auf ein bedarfsgerechtes Einsatzmittel zur Brandbekämpfung, Personenrettung, Beseitigung von Gewässerverschmutzung und für Hilfeleistungen zu Gunsten der Wasserpolizei und dem Rettungsdienst angewiesen.»

Nur: Mit dem Ersatz muss sich die Feuerwehr noch gedulden. Ursprünglich hätte das neue Boot Ende 2020 einsatzbereit sein sollen. Jetzt rechnet Honermann mit Ende 2021 – also ein Jahr später. Grund: Bisher war die Feuerwehr davon ausgegangen, dass es sich um eine gebundene Ausgabe handelt, die vom Stadtrat in Eigenregie genehmigt werden kann. Doch weil sich der Kanton und die Gebäudeversicherung an den Kosten beteiligen, ist es eine freibestimmbare Ausgabe – und darüber muss das Stadtparlament befinden. Es wird an seiner Sitzung vom 14. Mai 2020 über den entsprechenden Bericht und Antrag befinden. Er sagt:

«Ich bin zuversichtlich, dass der Grosse Stadtrat dem Geschäft zustimmt.»

Klar ist: Der Kanton wird seinen Anteil von maximal 340'000 Franken wegen den nun deutlich höheren Beschaffungskosten nicht erhöhen. Der Regierungsrat hat im Januar diesen Betrag festgelegt und schon damals angekündigt, dass er allfällige Mehrkosten nicht tragen würde. Über die Kostenteilung hatten sich Stadt und Kanton über mehrere Jahre gestritten. Die Kosten wurden anfänglich mit einem Betrag zwischen 400'000 und 600'000 Franken angegeben. Der Stadtrat war der Ansicht, dass sich Stadt und Kanton hälftig beteiligen sollten, wie Stadtrat Adrian Borgula (Grüne) im November 2016 gegenüber der Luzerner Zeitung sagte. Damals wollte der Kanton lediglich 150'000 Franken zahlen. Die Gebäudeversicherung hingegen bleibt bei ihrer zugesicherten Kostenbeteiligung von 10 Prozent – sie beträgt nun 91'400 Franken.

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