Luzerner Firmen fordern vom Kanton Geld – ohne Rückzahlungspflicht

Hunderte von Unternehmen verlangen von der Luzerner Regierung, dass sie wie der Bund Geld zur Bewältigung der Corona-Krise spricht. Dennoch ringt der Dachverband der Gewerbler noch mit seiner Haltung.

Lukas Nussbaumer
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Der KMU- und Gewerbeverband des Kantons Luzern (KGL) will wissen, was seine 9300 Mitglieder von den Hilfsmassnahmen des Bundes halten. Und der Dachverband der Gewerbler möchte auch erfahren, ob und wer vom Kanton zusätzliche Mittel fordert. Die Luzerner Regierung verzichtet bis jetzt auf die Ausschüttung von Kantonsgeldern und stellt sich auf den Standpunkt, vorerst stehe der Bund in der Pflicht. Ausserdem helfe die Luzerner Kantonalbank, deren grösster Aktionär der Kanton ist (siehe Kasten am Ende des Beitrags).

Unserer Zeitung liegt das Ergebnis der gross angelegten und zwischen dem 28. März und 2. April durchgeführten Online-Befragung vor. Es haben 2020 Mitglieder teilgenommen, was einer Rücklaufquote von knapp 22 Prozent entspricht.

Viele Betriebe haben hohe Umsatzeinbussen

Das sind die wichtigsten Ergebnisse der Umfrage:

  • Die Hauptbetroffenen der Corona-Krise sind Kleinstunternehmen mit maximal neun Angestellten – 60 Prozent der Umfrageteilnehmer gehören dieser Firmenkategorie an.
  • Fast 40 Prozent von ihnen geben an, sie hätten Umsatzeinbussen von 80 oder sogar 100 Prozent.
  • 96 Prozent der antwortenden Unternehmen teilen mit, in ihren Betrieben gebe es noch keine am Coronavirus erkrankte Mitarbeiter.
  • Mehr als die Hälfte der Firmen sagt, es brauche «unbedingt zusätzliche Mittel des Kantons». Diese Forderung fällt umso häufiger, je kleiner ein Betrieb ist.
  • Fast die Hälfte der Unternehmen verlangt von der Regierung nicht zurückzahlbare Gelder für jene Betriebe, die aufgrund der Corona-Krise Umsatzeinbussen erleiden. Auch diese Forderung nach à-fonds-perdu-Beiträgen stammt vor allem von kleinen und mittleren Firmen.
  • Fast die Hälfte der an der Umfrage mitmachenden Betriebe hat bis jetzt Kurzarbeit angemeldet. Der Anmeldungsprozess wird grossmehrheitlich als «normal» oder «einfach» bewertet.
  • Nur 13 Prozent bezeichnet die bisherige Kommunikation der Regierung und Verwaltung als «ungenügend». Für 45 Prozent informieren die Kantonsbehörden «ausreichend», für den Rest entweder «gut» oder sogar «sehr gut».

Gewerbeverband will mit Umsicht und Bedacht vorgehen

Gaudenz Zemp.

Gaudenz Zemp.

Bild: PD

Trotz der bei seinen Mitgliedern verbreiteten Haltung, der Kanton solle eigene Mittel locker machen, verzichtet der Vorstand des KGL derzeit auf diese explizite Forderung. KGL-Direktor und Ökonom Gaudenz Zemp sagt, für eine derartige Entscheidung benötige man Zeit. Gerade, weil alles sehr schnell gehen müsse, brauche es eine umsichtige und bedachte Vorgehensweise.

Man wolle «erst entschlossen fordern, wenn wir verstehen, was mit den Massnahmen ausgelöst wird». Der KGL ist laut Zemp zudem der Überzeugung, in dieser Krise gelte es eng mit der Regierung zusammenzuarbeiten. Allfällige Forderungen würden nach einem Treffen mit der Regierung nächste Woche festgelegt.

Regierung will «sorgfältig analysieren»

Fabian Peter.

Fabian Peter.

Bild: Nadia Schärli

Der Luzerner Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdirektor sagt auf Anfrage, die Regierung nehme die Ergebnisse der Umfrage «zur Kenntnis» und werde sie «sorgfältig analysieren». Allfällige Massnahmen und Anpassungen der bisherigen Strategie der Regierung würden im Zusammenhang mit der Bundeshilfe geprüft.

Nun stehe ein kooperativer Austausch mit den diversen Anspruchsgruppen der Luzerner Wirtschaft bevor. Peter: «Erst dann nehmen wir inhaltlich zu den Resultaten der Umfrage Stellung.»

Das Regierungsgebäude des Kanton Luzern.

Das Regierungsgebäude des Kanton Luzern.

Bild: Boris Bürgisser, 12. Februar 2019

Luzerner Kantonalbank verdoppelt Hilfe für ihre Kunden

Aufstockung

Die Luzerner Kantonalbank stellt von der Corona-Krise betroffenen Unternehmen weitere 50 Millionen Franken für Überbrückungskredite zur Verfügung. Die am 17. März bereit gestellten 50 Millionen seien bereits ausgeschöpft, teilt die Bank mit.

Laut CEO Daniel Salzmann wolle man den Gewerbe- und Firmenkunden in der aktuellen Krise «tatkräftig zur Seite stehen». Die Kredite stehen ausschliesslich den Kunden der Kantonalbank zur Verfügung. Voraussetzung für den Erhalt sind eine intakte Auftragslage und gesunde finanzielle Verhältnisse vor Ausbruch der Krise. (nus)

In einer ersten Version dieses Artikels hiess es, 96 Prozent der an der Befragung teilnehmenden Betriebe hätten bereits am Coronavirus erkrankte Mitarbeiter. Das ist falsch: In rund 96 Prozent der Unternehmen gibt es noch keine erkrankten Angestellten. Wir bitten Sie, den Fehler zu entschuldigen. (nus)