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Luzerner Firmen und Verwaltungen fallen auf Lügengeschichte herein

Im Kanton Luzern kursiert ein Kettenbrief, mit dem ein angeblich krebskranker Bub einen Eintrag im Guiness-Buch der Rekorde erreichen will. Erstaunlich: Der Brief ist gefälscht und macht seit zehn Jahren die Runde.
Kilian Küttel

Er sei sieben Jahre alt, leide an Krebs und habe einen einzigen, grossen Wunsch: Mit dem längsten Kettenbrief der Welt wolle er ins Guiness-Buch der Rekorde. Deshalb solle man dem Knaben helfen und den Brief, den man soeben erhalten hat, an zehn andere Abnehmer weiterschicken. Eine Liste mit den Adressaten sei zudem an das Universitätsklinikum im österreichischen Tulln zu schicken. Dort würden die Daten zusammengetragen.

In Büros und Amtsstuben des Kantons Luzern kursiert derzeit diese Geschichte. Mehrere Unternehmen und Gemeindeverwaltungen haben die Bitte aufgenommen und das Schreiben weitergeleitet. Was sie nicht wussten: Beim Kettenbrief handelt es sich um eine Fälschung, das Schreiben kursiert schon seit mehr als zehn Jahren.

Unter anderem ist die Gemeindeverwaltung Hochdorf auf den Trick hereingefallen. Gemeindeschreiber Thomas Bühlmann bestätigt, dass die Verwaltung den Brief am 13. Juli weitergeleitet hat. Niemand habe geahnt, dass es sich um eine Erfindung handeln könnte: «Wir haben nur wenige Abklärungen gemacht, da wir Zuschriften von seriösen Hochdorfer Unternehmen erhalten haben», sagt Bühlmann.

«Wir weisen darauf hin, dass es dieses Kind nicht gibt.»

Darauf, dass die Geschichte nicht wahr ist, lassen die Informationen des Universitätsklinikums Tulln schliessen. Denn der Kettenbrief sorgt schon länger für Ärger im niederösterreichischen Spital. Auf ihrer Webseite schreibt die Klinik: «Wir weisen darauf hin, dass es dieses Kind nicht gibt. Die hinter diesem Kettenbrief stehende Motivation und der Zusammenhang mit dem Universitätsklinikum Tulln ist uns nicht bekannt.» Weiter heisst es, der Fall sei bei den Spam- und Betrugsexperten der Technischen Universität Berlin aktenkundig. Und die Klinik appelliert an die Empfänger, den Brief nicht weiterzuleiten und keine Adresslisten an die Klinik zu schicken.

Von diesem Ratschlag hat die Gemeindeverwaltung Hitzkirch wohl nichts gewusst, denn auch sie hat den Brief aufgenommen und am 25. Juli weitergeschickt. Darauf angesprochen, reagiert Gemeindeschreiber Benno Felder überrascht: «Es entspricht nicht unseren Richtlinien, an solchen Aktionen teilzunehmen. Jedoch kann ich mir vorstellen, dass einer unserer Mitarbeiter etwas Gutes tun wollte und daher das Schreiben weitergeleitet hat.» Damit sich so etwas nicht wiederhole, werden die Mitarbeiter der Gemeinde Hitzkirch an die internen Vorgaben erinnert.

FC Luzern entschuldigt sich bei Empfängern

Nicht nur die Behörden liessen sich vom falschen Brief täuschen, gleiches gilt auch für den FC Luzern, der den Kettenbrief am 29. März an zehn weitere Abnehmer geschickt hat. Sprecher Markus Krienbühl: «Wenn wir gewusst hätten, dass der geschilderte Fall nicht der Wahrheit entspricht, hätten wir den Brief sicher nicht weitergeschickt. Wir möchten uns bei allen entschuldigen, die von uns angeschrieben wurden.» Der FCL erhalte sehr viele Anfragen. Projekte, die er unterstützt, werden nach bestimmten Richtlinien ausgewählt. «Bei Aktionen mit karitativem Charakter sind wir grundsätzlich sehr wohlwollend eingestellt und versuchen zu helfen, wo es geht», so Krienbühl. Dies dürfte gemäss dem Sprecher der Grund sein, weshalb der FCL dem Wunsch des vermeintlichen kranken Buben nachgekommen sei. Ebenso habe sicher eine Rolle gespielt, dass der FCL den Brief von einer seriösen Stelle erhalten habe.

Obwohl es sich beim jungen Krebspatienten um eine Lügengeschichte handelt, ist der Schaden überschaubar. Zwar haben die Absender einen unnötigen administrativen Aufwand, eine betrügerische Absicht ist hinter der Kettenbrief-Aktion aber nicht auszumachen. Deshalb liegen bei der Luzerner Staatsanwaltschaft auch keine Meldungen vor. Die veräppelten Unternehmen, Verwaltungen und Vereine dürfte vielleicht noch eine andere Tatsache trösten: Vor ihnen sind schon Hunderte andere auf die Lügengeschichte hereingefallen. Die Klinik Tulln schreibt auf ihrer Homepage: «Das Universitätsklinikum Tulln erhält an Spitzentagen bis zu 100 Briefe.»

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