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Luzerner füllen Bündner Nusstorten

In Bündner Nusstorten sollen einheimische Nüsse verarbeitet werden. So lautet das Ziel von Bauern aus Graubünden, Luzern und St. Gallen. Einer der Pioniere ist der Ruswiler Simon Küng.
Lukas Nussbaumer
Landwirt Simon Küng bei seiner Nussbaumanlage. (Bild: Philipp Schmidli (Ruswil, 24. Juli 2018))

Landwirt Simon Küng bei seiner Nussbaumanlage. (Bild: Philipp Schmidli (Ruswil, 24. Juli 2018))

Die Luzerner Bauern sind bekannt für ihre intensive Wirtschaftsweise – und für die Zucht von Schweinen. Schliesslich leben in keinem anderen Kanton so viele wie in Luzern – mehr als Menschen. Die Bündner Landwirte dagegen setzen vorab auf Extensität – in keinem anderen Kanton ist der Anteil an Biobauern mit 60 Prozent auch nur annähernd so hoch. Und der Bündner Bauer ist in der Regel ein Bergbauer: Lediglich sieben Prozent der Betriebe liegen in der Talzone.

So gegensätzlich die beiden Agrarkantone sind – Luzern mit seinen rund 4300 Betrieben und Graubünden mit etwa der Hälfte an Höfen, jedoch der doppelten Landwirtschaftsfläche – eine Gemeinsamkeit haben sie: die Produktion von Baumnüssen, die später für die weitherum bekannte Spezialität Bündner Nusstorte verwendet werden sollen. Momentan sind drei Luzerner Bauern Teil eines Walnusskompetenzzentrums, das in diesem Winter im bündnerischen Malans entsteht. Insgesamt sind es 14 Landwirte aus Graubünden, St. Gallen und Luzern.

Bis zur ersten Ernte vergehen acht Jahre

Einer von ihnen ist Simon Küng vom Hof Elischwand in Ruswil. Der 44-Jährige ist Vizepräsident der Genossenschaft, die 2025 mehr als 60 Tonnen einheimische Nüsse vermarkten will. Etwa ein Drittel davon könnte aus dem Kanton Luzern stammen, schätzt Küng. Die Gesamtzahl der Bäume, von denen die Nüsse stammen, beträgt etwas über 3000, wobei rund die Hälfte davon Niederstammbäume sind.

Im Kanton Luzern stehen 650 Hochstamm-Nussbäume, 200 davon auf Küngs Hof. Gepflanzt hat der Landwirt seine Bäume 2010. Doch erst jetzt werfen sie einen Ertrag ab. Heuer noch einen kleinen, im besten Alter sollen es 30 bis 40 Kilogramm pro Baum sein. Nach 60 oder 70 Jahren können die Nussbäume wertvolles und begehrtes Holz liefern.

Kanton Luzern beteiligt sich an Investitionskosten

Vorerst beschäftigen sich Küng und mit ihm die Genossenschaft Walnusskompetenzzentrum aber mit der Verarbeitung der heurigen Ernte. Und dafür sind hohe Investitionen nötig: Der Aufbau der Genossenschaft kostet rund 2,4 Millionen Franken. Mit etwa 740'000 Franken zu Buche schlagen die Käufe für die aus den USA importierte Knackmaschine sowie für die in der Schweiz hergestellte Sortier- und Abpackanlage. Daneben werden der Vertrieb, das Marketing und die Qualitätssicherung aufgebaut.

Um das Projekt zum Laufen zu bringen, beteiligen sich der Bund und die Kantone mit einer Anschubfinanzierung in der Höhe von knapp 300'000 Franken, sagt Genossenschafts-Geschäftsführerin Jasmine Said Bucher. Auch der Kanton Luzern leistet mit 54'000 Franken einen Beitrag zum Aufbau der Genossenschaft, wie Thomas Meyer, Abteilungsleiter Landwirtschaft der Dienststelle Landwirtschaft und Wald, sagt. Die Pläne für das sogenannte «Projekt für regionale Entwicklung» (PRE) liegen bei der Dienststelle in Sursee noch bis zum 20. August öffentlich auf. Wie viel genau die drei Luzerner Bauern investieren, ist noch nicht ganz klar. Sicher ist: Sie kaufen Auflese- und Waschmaschinen sowie Trockner- und Kalibriergeräte.

Optimismus in Bezug auf Absatz und Preis

Dass sich die Investitionen lohnen, daran zweifelt Simon Küng nicht. «Wir sollten unsere Nüsse problemlos absetzen können», sagt der Ruswiler, dem die Begeisterung für das kantonsübergreifende Projekt anzumerken ist. «Dass wir dieses Zentrum gemeinsam auf die Beine stellen können, ist eine schöne Sache.»

Auch Jasmine Said Bucher macht sich keine Absatzsorgen. Ein Selbstläufer werde das Projekt aber nicht. «Es ist viel Mut dabei. Denn bis jetzt gibt es keine professionelle Vermarktung von Nüssen, und die Verarbeitung ist aus technischer Sicht anspruchsvoll. Wir müssen erst noch beweisen, dass wir die Nüsse einwandfrei aufbereiten können.»

Absatz gesichert, leichte Unsicherheiten in Bezug auf die Verarbeitung – und wie es sieht es mit den Preisen aus? Gut, glaubt Said Bucher. Dies auch deshalb, weil sich die Differenz zum Weltmarktpreis aufgrund der Dürre in Kalifornien, dem Hauptanbaugebiet von Walnüssen, halbiert habe. Und: «Die Konsumenten sind bereit, für eine Nusstorte mit einheimischen Nüssen einen oder eineinhalb Franken mehr zu bezahlen», ist sie überzeugt. Die am Projekt beteiligten Landwirte dürfen mit einem Kilo-Preis von 6.70 Franken rechnen. Das entspricht in etwa dem Preis für direkt ab Hof verkaufte Nüsse.

Beitrag für Nussbäume halbiert

Die Produktion von Nüssen habe im Kanton Luzern ein hohes Potenzial, sagt Beat Felder vom Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung in Hohenrain. So seien Nussbaume sehr robust, würden im Gegensatz zu anderen Hochstammbäumen nicht von der Bakterienkrankheit Feuerbrand befallen, und zudem seien die Bäume wegen des bitteren Geschmacks ihrer Wurzeln bei Mäusen äusserst unbeliebt. Die Zahl der Nussbäume ist in den letzten Jahren wieder gestiegen, nachdem sie zeitweilig gesunken war. Im letzten Jahr zählte die Dienststelle Landwirtschaft und Wald im Kanton Luzern laut Franz Stadelmann rund 4500 Nussbäume.

Pro Baum werden je nach Qualitätsstufe 13.50 Franken oder 29.25 Franken ausgerichtet, aktuell zu je etwa 50 Prozent. Dazu kommt in rund 80 Prozent der Fälle ein Vernetzungsbeitrag von 5 Franken. Der Betrag für die höhere Qualitätsstufe wurde 2014 halbiert, weil Nussbäume vom Bund als weniger ökologisch eingestuft wurden als andere Hochstammbäume und weil man befürchtete, es könnten zu viele Bauern auf Nussbäume setzen. (nus)

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