Corona-Härtefälle: Welche Unternehmen sind schützenswert? Eine Studie der Luzerner Hochschule liefert Antworten

Luzerner Gastronomen, Hotels und eng verwandte Betriebe haben sich zu einer neuen Arbeitsgruppe zusammengeschlossen. Diese will Transparenz schaffen – vor allem im Hinblick auf die Härtefallregelung.

Roseline Troxler
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Die Coronapandemie trifft die Gastronomie besonders hart.

Die Coronapandemie trifft die Gastronomie besonders hart.

Bild: Christian Beutler/KEYSTONE

Diverse Gastgewerbebetreiber haben sich zu einer Arbeitsgruppe zusammengeschlossen. Initianten sind Philippe Giesser von der Sinnvoll Gastro sowie Simone Müller von der Schatz AG, einer Agentur für Gastro- und Hotelbetriebe. «Unser Ziel ist es, die Kräfte zu bündeln und für die Entscheidungsträger Fakten zu schaffen», erklärte Philippe Giesser an einer Medienkonferenz am Montagnachmittag. Zur Arbeitsgruppe gehören nicht nur Restaurants und Hotels, sondern auch vor- und nachgelagerte Betriebe. Ausserdem wurde ein politischer Beirat mit Vertretern aller Parteien gegründet.

Studie der Hochschule Luzern nimmt Triage der Unternehmen vor

Erste Fakten konnte die Arbeitsgruppe bereits präsentieren. Sie gab bei der Hochschule Luzern eine Studie in Auftrag, die aufzeigt, wie die Ressourcen eines Härtefallfonds bestmöglich verteilt werden könnten. Christoph Hauser, Professor am Institut für Betriebs- und Regionalökonomie der Hochschule Luzern, betonte die Bedeutung einer Triage der Unternehmen. Diese sollen in A-, B- und C-Unternehmen eingeteilt werden. «Der Härtefallfonds soll nur B-Unternehmen unterstützen. Die gesunden A-Unternehmen kommen auch ohne die staatliche Hilfe über die Runden, während es sich bei C-Unternehmen um solche handelt, welche auch ohne Pandemie Konkurs gehen würden.» B-Unternehmen hingegen wären eigentlich gesund, hätte es keine Pandemie gegeben.

Das Gegenteil vom beschriebenen Vorgehen ist laut Hauser das Giesskannenprinzip, das zur Folge hätte, dass auch Unternehmen unterstützt würden, welche die Unterstützung nicht nötig hätten oder selbst mit der Unterstützung Konkurs gehen würden. Dennoch hält es Hauser für wahrscheinlich, dass nicht alle Unternehmen der Kategorie B unterstützt werden können – insbesondere, falls die Massnahmen noch verschärft würden.

Wie aber lässt sich ermitteln, welche Betriebe unterstützungswürdig sind? Christoph Hauser erklärte:

«Wichtig ist sowohl ein Nachweis der Notwendigkeit der Unterstützung als auch einer der Überlebensfähigkeit der Unternehmen.»

Bei Ersterem gehe es vor allem um die Frage, ob die Reserven bereits verbraucht seien wie auch darum, ob Sanierungsmassnahmen ergriffen wurden. Bei der Überlebensfähigkeit stelle sich die Frage nach dem Business- und Finanzplan. Ausserdem müsse auch die Bedeutung der Betriebe im Hinblick auf die Infrastruktur oder die Identifikation eines Ortes angeschaut werden. Laut Christoph Hauser lässt sich derzeit noch nicht quantifizieren, wie viel Prozent der Luzerner Betriebe in welche Kategorie fallen. Ziel sei es nun, dazu weitere Fakten zu schaffen.

Laut Simone Müller geht es der Arbeitsgruppe auch darum, die Dringlichkeit der Unterstützung für das Gastgewerbe aufzuzeigen. «Es handelt sich um eine sehr liquiditätsintensive Branche.» Die bisherigen Massnahmen müssten ausserdem noch mehr in eine Richtung gebündelt werden. Eine Herausforderung sei hierbei die unterschiedliche Betroffenheit der Betriebe. «Einige Hotels in den Bergen oder auf dem Land hatten einen super Sommer. In der Stadt hingegen war die Auslastung teils bei lediglich 30 Prozent.» Im Sommer habe sich die Situation stabilisiert. Diese sei aber im Oktober zusammengefallen und nun auf einem viel tieferen Niveau. «Die Betriebe müssen dennoch die Rezeption besetzen oder ein Frühstücksbuffet anbieten, die Umsätze sind aber deutlich zurückgegangen.» Auch das für viele Betriebe sehr wichtige Weihnachtsgeschäft sei gestorben.

Verbände sind Teil der Arbeitsgruppe Gastgewerbe Luzern

Nebst dem Schaffen von Transparenz und dem Betonen der Dringlichkeit will die Arbeitsgruppe auch die Relevanz der Branche für Wirtschaft und Gesellschaft aufzeigen, bessere Rahmenbedingungen schaffen und die Akteure koordinieren. Weshalb reichen hierfür die bestehenden Strukturen wie die Verbände Gastro Luzern oder Luzern Hotels nicht aus? Sowohl Philippe Giesser wie auch Patrick Hauser, Inhaber des Hotels Schweizerhof und FDP-Kantonsrat, betonten, dass die Verbände zentral seien, aber:

«In der Arbeitsgruppe Gastgewerbe können weitere Anspruchsgruppen und Unternehmen integriert werden.»

Und Giesser führte aus, dass die Arbeitsgruppe vielleicht etwas flexibler agieren könne. Kommende Woche entscheidet der Luzerner Kantonsrat über die Grundlagen der Härtefallregelung im Kanton Luzern. Die Luzerner Regierung will 25 Millionen Franken sprechen – 22 Millionen in Form von Bürgschaften, drei Millionen à fonds perdu. Patrick Hauser wollte noch keine Prognose machen, weil die vorberatende Kommission erst am Dienstag über die Botschaft diskutiert. Erste Auszahlungen sollen Anfang Februar erfolgen, wenn das Referendum nicht ergriffen wird. Hauser hofft, dass die Gesuche auch dank Externen «schnell und gründlich geprüft werden».