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Luzerner Gastro-Unternehmer steht im Gegenwind

Er ist einer der umtriebigsten Beizer der Stadt Luzern und organisiert seit 20 Jahren die Schlagernacht auf der Allmend: Saemi Honegger. Doch in letzter Zeit sind mehrere Geschäftspartnerschaften zerbrochen.
Roman Hodel
Saemi Honegger im Restaurant Eichhof, das er seit 2017 gepachtet hat. (Bild: Pius Amrein, Luzern 20. Dezember 2017)

Saemi Honegger im Restaurant Eichhof, das er seit 2017 gepachtet hat. (Bild: Pius Amrein, Luzern 20. Dezember 2017)

Wer in der Luzerner Gastroszene unterwegs ist, kennt den Namen Saemi Honegger. Natürlich. Seit fast 40 Jahren ist er dick im Geschäft, wie man so sagt. Einen Coup landete er etwa, als er 1998 der verstaubten «Walliser Kanne» in der Kleinstadt einen früheren Namen («Taube») zurückgab und ihr ein neues Konzept - Grossmutterküche - verpasste, das bis heute Erfolg hat. Sein Gastrounternehmen, die Barest AG, wuchs mit den Jahren um weitere Lokale, medial stets wohlwollend begleitet. 2008 beispielsweise sorgte Honegger mit der Pacht des Festungshotels La Claustra auf dem Gotthard für Schlagzeilen. Das Experiment endete allerdings nach drei Jahren, weil die Hoteleigentümerin Konkurs ging.

Dämpfer, die dazugehören. «Wenige Tiefs, viele Hochs – so wie es im Leben geht», sagte Honegger einmal über seine Gastrokarriere in einem Interview. Zu den Hochs zählen das Seerestaurant Belvédère in Hergiswil, das mit einem Michelin-Stern dekoriert ist – wie vermutlich auch die Jahre 2016 und 2017. Innert weniger Monate pachtete die Barest AG damals gleich drei zusätzliche Restaurants: Das «Schweizerheim» in Ebikon, das «Eichhof» in der Stadt Luzern und das «Burestübli» in Kriens. Zudem wurde Honegger Teilhaber im neuen «Jodlerwirt» in der Stadt Luzern. Ein Lokal, das er zuvor als Unicum geführt hatte. «Luzerner Schlager-Gastronom schlägt wieder zu», titelte etwa das Online-Portal Zentralplus.

Bei so viel Expansion überraschte dann im Herbst 2017 eine Medienmitteilung der Tavolago AG. Die Gastro-Tochter der Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee (SGV) kündigte an, die «Taube» auf Frühling 2018 zu übernehmen. Er sehe sich selbst eher als Gastro-Unternehmer, denn als klassischer Wirt, sagte Honegger in einem Interview mit dem PR-Onlinemagazin Marktindex:

«Darum gibt es in meinem Portefeuille ab und zu einen Zugang oder Abgang.»

Und über letztere werden Medien naturgemäss zurückhaltender informiert – oder gar nicht, so wie im Fall des Jodlerwirts. Gemäss Handelsregistereintrag ist Honegger per 8. November 2018 als Präsident des Verwaltungsrates der Jodlerwirt AG ausgeschieden. Dazu gehören das Krienser «Burestübli» und der «Lehnhof» in Altdorf. Womit er also auch bei diesen Lokalen nicht mehr dabei ist. Trotzdem sind alle diese Lokale auf der Barest-Webseite noch immer aufgeführt. Die Jodlerwirt AG nennt als Trennungsgrund auf Anfrage, dass sich Honegger auf das Wirtshaus «Eichhof »konzentrieren wolle und «eine andere Ausrichtung und Führung der Betriebe erwünscht war».

Die «Luzerner Zeitung» hat mit mehreren Branchenkennern gesprochen. Namentlich zitiert werden will niemand. Doch alle lassen sie kein gutes Haar an der «chaotischen Buchhaltung» der Barest. Einer sagt:

«Ich würde nie mehr mit ihm geschäften.»

Ganz anders tönt es bei der Tavolago AG – Geschäftsleitungsmitglied Gianni Schüpbach: «Wir arbeiten seit vielen Jahren erfolgreich mit Saemi Honegger beziehungsweise der Barest zusammen.»

Zu dieser Zusammenarbeit zählt nicht zuletzt Honeggers Cash-Cow: Die Schlagernacht in der Luzerner Messe – Tavolago betreibt dort das Catering. Der Event, der jedes Jahr bis zu 5000 Schlagerfans auf die Allmend lockt, findet am 15. März 2020 zum 20. Mal statt. Angekündigt sind Stars der Schlagerszene wie etwa DJ Ötzi, Mickie Krause oder Francine Jordi. Tickets sind ab 75 Franken via Ticketcorner erhältlich. Allerdings: Vergünstigte Tickets durch den Abopass unserer Zeitung gibt es nicht mehr – die Partnerschaft wurde nach 18 Jahren beendet. «Die Grundvoraussetzungen für eine Abo-Pass-Aktion waren für die kommende Schlagernacht nicht mehr gegeben», sagt Verlagsleiterin Bettina Schibli. «Wir bedauern das sehr, denn die Tickets kamen bei unseren Abonnentinnen und Abonnenten stets gut an.»

Saemi Honegger wollte zunächst keine Auskunft geben. Als Antwort auf die auf Wunsch schriftlich eingereichten Fragen teilte er Anfang Woche mit, er habe keine Zeit für ein Interview und wünsche einen schönen Sommer. Auch auf Nachhaken blieb es dabei. Das änderte sich erst einen Tag vor dem Erscheinen dieses Artikels.

Laut Honegger ist der Vertrag mit dem Abopass demnach ausgelaufen und der neue Vorschlag sei «nicht marktgerecht» gewesen. Er sei nun eine andere, «prominente und nationale» Medienpartnerschaft eingegangen. Der Vorverkauf für den Event laufe gut wie immer: «Knapp ein Drittel der Tickets sind verkauft – ohne Werbung.» Was sein Ausscheiden aus der Jodlerwirt AG betrifft, so schreibt Honegger:

«Ich musste einsehen, dass sich Partner aus der Clubszene nicht für das Führen von Themenrestaurants eignen. Zudem stellte sich heraus, dass einer der Verwaltungsräte im Lokal ein rechtliches Problem hatte. Diese Verantwortung wollte ich als VR-Präsident nicht mehr tragen und habe deshalb die nötigen Konsequenzen gezogen.»

Er habe immer noch einen sechsstelligen Betrag als Gläubiger zu gut. Die Barest-Webseite werde aktualisiert, «sobald die rechtlichen Schritte geklärt sind.»

Honegger betont, er berate schweizweit Tourismusbetriebe und führe mit «tollen Mitarbeitern inklusive den stillen Partnerschaften» neun «sehr gut laufende» Betriebe, und fügt an: «In fast 40 Jahren Gastrobranche habe ich mir sicher nicht wenige Neider erarbeitet.»

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