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Luzerner Gastronom muss vor Gericht – oder: Die Geschichte der verschwundenen Mietkaution

Die Geschichte um das Gefängnishotel am Luzerner Löwengraben ist um ein Kapitel reicher. Es stammt von einem alten Bekannten: Afrim Baftiri stand am Mittwoch wegen Veruntreuung vor dem Bezirksgericht Luzern.
Kilian Küttel
Blick in den Luzerner Löwengraben: In der Mitte das ehemalige Zentralgefängnis, heute ein Hotel. (Archivbild: PD)

Blick in den Luzerner Löwengraben: In der Mitte das ehemalige Zentralgefängnis, heute ein Hotel. (Archivbild: PD)

248 Schritte trennen das Gefängnishotel am Löwengraben und das Bezirksgericht Luzern. Also Afrim Baftiris alten Arbeitsort und den Gerichtssaal, in dem er sich am Mittwoch wegen Veruntreuung verantworten musste.

Der umtriebige Gastronom wehrte sich gegen den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Luzern, die ihn zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 100 Franken verurteilt hatte. Es war das nächste Kapitel in einer Geschichte, die in der Stadt Luzern zuvor jahrelang zu reden gegeben hat.

40 000 Franken Kaution, die Hälfte davon in bar

Der erste Buchstabe in diesem Abschnitt stammt vom 21. Dezember 2013. Mieterin des ehemaligen Zentralgefängnisses ist Baftiris Globo Event AG. An diesem Tag schliesst sie einen Unter-Mietvertrag für den Nachtclub im Parterre ab – mit einer Firma, die noch in der Gründungsphase ist.

Deren Inhaber übergibt Baftiri die Hälfte der Mietkaution: 20 000 Franken in bar. Den Rest will er in Raten zahlen: je 3333 Franken in den kommenden sechs Monaten; plus jeweils 18 000 Franken Mietzins.

Aber das Geschäft läuft nicht. Schon die Januar-Miete kann der neue Clubbetreiber nicht zahlen. Nach wenigen Wochen steigt ein weiterer Untermieter ein. Er will den Raum tagsüber nutzen, der neuen Firma das Lokal am Abend überlassen. Man wird sich einig, bis Juni 2014 wirtet der Clubbetreiber. Dann ist dieser Absatz zu Ende, der nächste beginnt:

Mit der Kaution die Mietschulden bezahlt

Der Clubbetreiber will seine Kaution zurück. Nur: Statt die 20 000 Franken auf ein Bankdepot einzubezahlen, soll Baftiri mit dem Geld unerlaubterweise ausstehende Mietschulden sowie Bauarbeiten am Club finanziert haben. Am 20. März 2015 zeigt der ehemalige Clubbetreiber Baftiri an – unter anderem wegen Veruntreuung.

Es ist kurz nach 14 Uhr, als Baftiri am Mittwoch vor dem Einzelrichter sitzt: hellblaues Hemd, dunkle Jeans, schwarze Turnschuhe. «Er hat selber gesagt, wir könnten mit der Mietkaution seine offenen Schulden verrechnen», sagte der 46-Jährige ungefähr zur Hälfte der Befragung.

Vor- und nachher waren seine Aussagen teils widersprüchlich: Einmal sagte er, die 20 000 Franken seien immer im Tresor gewesen. Wenig später wollte der Richter wissen, ob er mit dem Geld die Miete an den Liegenschaftsbesitzer gezahlt habe. Baftiris Antwort:

«Ja. Oder wir haben das Geld für den eigenen Betrieb gebraucht. Das ist jetzt sechs Jahre her. Ich weiss es nicht mehr so genau.»

Es war augenfällig: Richter und Gerichtsschreiberin hatten einen anstrengenden Nachmittag zu stemmen. Immer wieder musste der Richter beim Beschuldigten nachhaken, sich Aussagen erklären lassen, Details erfragen. Die Verhandlung dauerte nur deshalb knapp zwei Stunden, weil weder Staatsanwaltschaft noch der Ex-Clubbetreiber dabei waren. Somit entfielen die Plädoyers der Strafverfolger und des Privatklägers.

41 Minuten Plädoyer, ein Beweisantrag, kein Urteil

Nicht aber das von Baftiris Verteidiger. Zuvor hatte er es mit einem neuen Beweisantrag versucht: Er wollte eine Sachbearbeiterin der Luzerner Kantonalbank als Zeugin aufrufen. Diese sollte erklären, dass kein Mietzinskautionskonto eröffnet werden könne, wenn eine Firma noch nicht im Handelsregister eingetragen sei. Der Richter lehnte den Antrag ab, doch auch im darauffolgenden Plädoyer brachte Baftiris Vertreter den Einwand nochmals vor. Die Globo Event AG habe schlicht kein Konto eröffnen können: «Auf welchen Firmennamen auch?»

Weiter argumentierte er mit dem Mietvertrag. Dieser sah vor, dass die Kaution erst als hinterlegt gelte, wenn auch alle Ratenzahlungen eingegangen seien:

«Unter uns, ich habe noch nie so einen schrägen Vertrag gesehen, aber die Parteien wollten das so.»

Jedenfalls habe sein Mandant als Rechtslaie nicht wissen müssen und können, dass er auch eine Teilzahlung hätte auf ein Sperrkonto einzahlen müssen. Quintessenz des 41-minütigen Plädoyers: Objektiver sowie subjektiver Tatbestand der Veruntreuung seien nicht gegeben. Deshalb forderte er einen Freispruch.

Noch ist nicht klar, wie diese Geschichte ausgeht. Das Urteil wird schriftlich eröffnet.

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