CORONAMASSNAHMEN

«Situation ist untragbar:» Luzerner Gastronomen fordern zusätzliche Unterstützung

Die wirtschaftliche Situation im Gastgewerbe spitzt sich zu. Die Branche verstärkt mit einer Petition den Druck auf die Politik und lanciert die Solidaritätskampagne #gastundgewerbe.

René Meier
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Sie lancieren zusammen mit der Petition die Solidaritätsaktion #gastundgewerbe auf dem Franziskanerplatz (von links): Simone Müller-Staubli (Schatz AG), Ferdinand Zehnder (Hotel de la Paix), Roger Jenni (StadtAlp), Philippe Giesser (Sinnvoll Gastronomie), Raymond Hunziker (Tavolago & Luzern Hotels), Florian Eltschinger (Remimag), Patrick Hauser (Schweizerhof) und Simon Märki (FS Communication AG).

Sie lancieren zusammen mit der Petition die Solidaritätsaktion #gastundgewerbe auf dem Franziskanerplatz (von links): Simone Müller-Staubli (Schatz AG), Ferdinand Zehnder (Hotel de la Paix), Roger Jenni (StadtAlp), Philippe Giesser (Sinnvoll Gastronomie), Raymond Hunziker (Tavolago & Luzern Hotels), Florian Eltschinger (Remimag), Patrick Hauser (Schweizerhof) und Simon Märki (FS Communication AG).

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 08. Januar 2021)

Seit dem 22. Dezember sind Restaurants in der Schweiz geschlossen. Sicher bis am 21. Januar. Geht es nach dem Bundesrat, soll die Schliessung bis Ende Februar verlängert werden. Der Vorschlag ist bei den Kantonen in Vernehmlassung, entschieden wird am 13. Januar. Auf weitere Hilfe hofft auch das Luzerner Gastgewerbe, denn bei vielen greift die aktuellste Massnahme, die Härtefallregelung, nicht. Grund: Von Härtefallgeldern dürfen Unternehmen grundsätzlich nur profitieren, wenn der Jahresumsatz im Vergleich zum mehrjährigen Durchschnitt um über 40 Prozent eingebrochen ist. Die grosse Mehrheit dieser Betriebe in der Branche erreicht diese Schwelle nicht. Helfen würde bereits eine Senkung auf 30 Prozent.

«Wir lassen das Gastgewerbe nicht im Stich»

Um den bereits bestehenden, politischen Forderungen Nachdruck zu verleihen, haben Luzerner Gastronomen und Hoteliers auf petitio.ch, der Plattform für digitale Anliegen, eine Petition mit dem Titel «Wir lassen das Gastgewerbe nicht im Stich!» eingereicht. Ihre Forderung: Der Kanton Luzern soll nebst der unzureichenden Härtefallentschädigung umgehend Massnahmen oder Entschädigungen vorschlagen, mit denen die Existenz des Gastgewerbes als wichtige Arbeitgeberin, als Ort der Versorgung und als Absatzkanal für regionale Hersteller nachhaltig sichergestellt werden kann. Auch soll sich der Kanton beim Bund für die Anliegen der Branche einsetzen.

Eingereicht wurde die Petition von der Arbeitsgruppe Gastgewerbe Luzern. Ihr angeschlossen sind Vertreter von Einzelbetrieben bis hin zu allen grossen Gastrobetrieben, dem Luzerner Hotelier- und Gastroverband sowie diversen Zulieferfirmen. Roger Jenni, geistiger Vater der Petition und Inhaber der StadtAlp sagt: «Wir lancieren mit der Petition zusammen die Solidaritätsaktion #gastundgewerbe. Zeigen Sie das Küchentuch auf der Terrasse oder dem Balkon und damit ihre Verbundenheit mit der Gastrobranche.»

Raymond Hunziker, Leiter Gastronomie bei Tavolago und Vertreter der Luzerner Hotels, hängt am Regierungsgebäude symbolisch ein Küchentuch auf.

Raymond Hunziker, Leiter Gastronomie bei Tavolago und Vertreter der Luzerner Hotels, hängt am Regierungsgebäude symbolisch ein Küchentuch auf.

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 08. Januar 2021)

Noch bevor die Petition überhaupt lanciert worden ist, stiess das Begehren auf politischer Ebene auf sehr breite Zustimmung: Neben den beiden Luzerner Ständeräten haben auch acht der neun Nationalräte sowie diverse Luzerner Kantonsräte von links bis rechts ihre Unterstützung zugesichert (siehe Box). Philippe Giesser, CEO der Sinnvoll Gastronomie, sagt: «Von den Behörden ist die Schliessung der Restaurants verordnet worden, nun müssen sie auch Vorschläge machen, wie sie die Hotel- und Gastrobranche unterstützen.» Griesser setzt grosse Hoffnungen in diese Petition: «Wir wollen der Politik aufzeigen, dass die Bevölkerung hinter uns steht.» Die Luzerner Parteien von SP bis FDP fordern ebenfalls mehr Hilfe für die Betriebe (wir berichteten).

Sie unterstützen die Petition

Die Petition wird unterstützt von Simone Müller-Staubli (Schatz AG), Philippe Giesser (Sinnvoll Gastronomie), Michel Rudin (AGON Partners), Patrick Grinschgl (Gastro Region Luzern), Raymond Hunziker (Tavolago, Luzern Hotels), Florian Eltschinger (Remimag), Simon Märki (FS Communication AG), Stefan Kadlec (Liebhaberei, Rain), Roger Jenni (StadtAlp Emmenbrücke). 
Auf nationalem Parkett wird die Petition von den beiden Ständeräten Andrea Gmür (CVP) und Damian Müller (FDP) unterstützt. Auch die Nationalräte Leo Müller (CVP), Roland Fischer (GLP), Peter Schilliger (FDP), Ida Glanzmann (CVP), Priska Wismer (CVP), Franz Grüter (SVP), Prisca Birrer-Heimo (SP) und Michael Töngi (Grüne) haben ihre Unterstützung ebenso zugesichert wie die Kantonsräte Ursula Berset (GLP), Patrick Hauser (FDP), Ferdinand Zehnder (CVP). Auch Mirjam Fries (CVP Stadt Luzern und Fraktionschefin) sowie FDP-Präsidentin Jacqueline Theiler befürworten die Petition. Dazu kommen viele weitere Firmen aus der Zulieferindustrie.

Die Petitionäre sind in Kontakt mit Gruppierungen aus Basel und Zürich, um daraus eine schweizweite Kampagne zu lancieren. Ob das Gastgewerbe Hilfe vom Bund erhält, ist nach wie vor unklar. Bundesrat Alain Berset stellte in Aussicht, dass Hilfsmassnahmen nächste Woche diskutiert werden. Bisher hatte der Bundesrat immer betont, die beschlossenen Härtefallregelungen seien ja vorhanden.

Für Simone Müller-Staubli als Vertreterin der Schatz AG mit 27 Partnerbetrieben ist die jetzige Situation «schwierig, wenn nicht untragbar». So wie es aussehe, werde die Gastrobranche an vier von zwölf Monaten nicht arbeiten können. «Mit der Petition wollen wir das Bewusstsein schärfen, wie es dem Gastgewerbe derzeit geht. Persönlich hoffe ich, dass ganz viele Personen diese Petition unterschreiben», so Müller-Staubli.

Philippe Giesser sagt, dass das Pingpongspiel zwischen Bund und Kanton sehr schade sei. «Wir wollen bei der Regierung das Bewusstsein nochmals schärfen, was Luzern droht, zu verlieren». 12'000 Jobs hängen im Kanton direkt vom Gastgewerbe ab. Die Fixkosten sind durch die Umsatzeinbussen für die Betriebe nicht mehr finanzierbar, heisst es in der Petition. Ohne weitere staatliche Hilfe werde ein Grossteil der Betriebe die Coronakrise nicht überleben. Dadurch gehen nicht nur Tausende Arbeitsplätze verloren. Es droht den Mitarbeitern, welche kaum über finanzielle Reserven verfügen, der soziale Abstieg. Die Schweiz als Tourismusdestination verliert kurz- und mittelfristig international an Bedeutung.

Weitere finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt

Finanzdirektor Reto Wyss hatte sich am Donnerstag zu Gesprächen mit Vertretern von Gastro Luzern getroffen. Gesprächsgegenstand war unter anderem, ob und wie sich die bestehenden Unterstützungsmassnahmen gezielt ausweiten lassen. Was die Gespräche konkret ergeben haben, ist noch nicht bekannt. Reto Wyss: «Ich bin mir der schwierigen Lage der von den Behörden geschlossenen Branchen bewusst. Mir ist es ein Anliegen, sie bestmöglich zu unterstützen.» Ob die Gastrobranche zusätzliche, finanzielle Unterstützung erhält, wird am 14. Januar klar. Dann will die Luzerner Regierung informieren.

Hinweis: Weitere Infos unter ag-gastgewerbe-luzern.ch

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