LUZERNER GEMEINDEN: CEO-Modell: Erste Tage sind entscheidend

In Rickenbach hat der Geschäftsführer der Gemeinde schon nach kurzer Amtszeit gekündigt. Kein Einzelfall – und gemäss Experten auch nicht zwingend eine überhastete Entscheidung. Dennoch orten sie Probleme im CEO-Modell.

Niels Jost
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Nicht nur in Rickenbach, sondern auch unter anderem in Ebikon ist die Geschäftsführung nach kurzer Zeit wieder abgesprungen. Im Bild: Ehemalige Geschäftsführerin von Ebikon, Pia Maria Brugger. (Bild: Nadia Schärli)

Nicht nur in Rickenbach, sondern auch unter anderem in Ebikon ist die Geschäftsführung nach kurzer Zeit wieder abgesprungen. Im Bild: Ehemalige Geschäftsführerin von Ebikon, Pia Maria Brugger. (Bild: Nadia Schärli)

Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch

Nach fünf Monaten war bereits Schluss: Stefan Galliker, Geschäftsführer der Gemeinde Ri­ckenbach, hat per Ende Januar den Bettel hingeworfen (Ausgabe vom 2. Februar). Als Grund für seine Kündigung führt Galliker unter anderem an, sein Führungsverhalten habe sich nicht mit den Erwartungen aller Gemeinderäte gedeckt. Das weckt Erinnerungen. So hatte Pia Maria Brugger Kalfidis Mitte Juni 2016 nach nur zweieinhalb Monaten in der Gemeinde Ebikon gekündigt. Grund auch hier: Meinungsverschiedenheiten mit dem Gemeinderat. Und in Meierskappel wurde Geschäftsführer Alois Tschümperlin nach nur gut einem Jahr freigestellt, weil die Zusammenarbeit nicht mehr funktionierte.

Das überrascht Thomas Lipp und seinen Mitarbeiter Stefan Brauchli wenig. «Die Einführung eines neuen Modells bedeutet für alle Beteiligten – den Gemeinderat, die Verwaltungsangestellten und den neuen CEO – grosse Veränderungen, wofür aber nicht immer alle bereit sind», sagt Lipp, der Gemeindeschreiber-Substitut in Knutwil war und sich vor 15 Jahren mit der Beratungsfirma Lipp Kommunal in Sursee selbstständig gemacht hat. Zu Problemen könne etwa die Aufgabenverteilung zwischen dem Gemeinderat und dem CEO führen, wenn die Rollen und Aufgaben nicht gegenseitig geklärt und danach souverän eingehalten werden. «Ein Gemeinderat etwa muss akzeptieren, dass er ein kleineres Pensum hat als zuvor und Kompetenzen an den CEO abgeben muss», sagt Brauchli, der selber als Geschäftsführer in Pratteln tätig war. Gelingt das nicht, komme es zu Meinungsverschiedenheiten, die sich eben nach wenigen Monaten schon bemerkbar machten.

Eine Kündigung oder Freistellung sei dann aber kein überhasteter Fehlentscheid, sagt Brauch­li. «Wenn die Beteiligten keine Veränderungen zulassen, ist der CEO blockiert. Eine Weiterarbeit macht dann keinen Sinn mehr.» Dem Nachfolger sei geraten, Einzelgespräche mit den Gemeinderäten zu führen und deren Erwartungen so früh wie möglich zu klären. «Bis der CEO sattelfest ist und die Verwaltung führt, braucht es eine regelmässige Feinjustierung der Ziele aller Beteiligten.» Diese wichtige Umsetzungsphase könne bis zu einem Jahr dauern. Eine externe, objektive Beratung könne den Prozess vereinfachen.

Rickenbach: «CEO-Modell hat sich bewährt»

Eine Beratungsfirma hatte man in Rickenbach bei der Einführung des CEO-Modells nicht eingesetzt. Derzeit ist man bereits wieder auf der Suche nach einem neuen Geschäftsführer. Die Stelle ist zwar noch nicht ausgeschrieben, doch Gemeindepräsident Roland Häfeli sagt auf Anfrage: «Wir wollen die Stelle so schnell wie möglich neu besetzen.» Dabei wird ein externes Büro behilflich sein. Dass man den Findungsprozess in «professionelle Hände» gibt, soll Situationen, wie sie beim Bewerbungsverfahren vor gut einem Jahr entstanden sind, entgegenwirken. Zur Erinnerung: Damals sind Ruth Künzli, die Schwester von Stefan Galliker und FDP-Gemeinderätin, sowie der Parteilose Thomas Zettel, der für das Ressort Bau verantwortlich ist und sich auch für die Stelle als Geschäftsführer beworben hatte, in den Ausstand getreten. Dass die beiden den damaligen Findungsprozess in irgendeiner Weise doch beeinflusst haben und aus diesem Grund nun ein externes Büro beauftragt wird, treffe in keiner Weise zu, betont Häfeli.

Wann der neue Geschäftsführer seine Arbeit frühestens aufnehmen kann, stehe bis dato noch nicht fest. Bis dahin würden der Gemeinderat und die Abteilungsleiter in der Verwaltung versuchen, den Ausfall von Stefan Galliker zu kompensieren, sagt Gemeindepräsident Häfeli. Am Modell des Geschäftsführers möchte der FDP-Politiker auch weiterhin festhalten. «Das Modell hat sich mehr als bewährt», sagt er. «Der Geschäftsführer ist für die Bevölkerung, die Verwaltungsangestellten wie auch für die Gemeinderäte ein guter Ansprechpartner, der fast immer erreichbar ist. Zudem wurden die Gemeinderäte in ihrer Arbeit entlastet, wie das auch geplant war.» Das gewählte Modell sei optimal auf die Abläufe in der Rickenbacher Gemeinde abgestimmt, zeigt sich Häfeli bereits nach fünf Monaten zufrieden.

13 Gemeinden haben Geschäftsführer

Im Kanton Luzern besteht seit der Einführung des neuen Gemeindegesetzes im Jahr 2005 die Möglichkeit, dass sich Gemeinden nach einem eigenständigen Führungsmodell organisieren. 13 Gemeinden machen derzeit davon Gebrauch. Dies sind Adligenswil, Ballwil, Buttisholz, Ebikon, Eich, Meierskappel, Nottwil, Römerswil, Root, Rothenburg, Ruswil, Schüpfheim und eben Rickenbach.