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LUZERNER GEMEINDEN: Reich macht reich – Wachstum lohnt sich

Wenn die Bevölkerungszahl steigt, dann sinken die Steuern meist überdurchschnittlich. Tiefe Steuern ziehen jedoch nicht automatisch viele Neuzuzüger an – dafür solvente.
Lukas Nussbaumer

Lukas Nussbaumer

lukas.nussbaumer@luzernerzeitung.ch

Die zehn steuergünstigsten Luzerner Gemeinden senken ihre Steuern überdurchschnittlich stark. Das gilt auch für jene zehn Gemeinden, die weitaus stärker wachsen als solche, deren Be­völkerungszunahme um den ­kantonalen Mittelwert von 18,2 Prozent liegt. Das zeigt unsere Auswertung des Bevölkerungswachstums und der Steuerfuss-Entwicklung von 1996 bis 2016. Anders formuliert: Attraktive Gemeinden werden attraktiver, Wachstum führt längerfristig betrachtet zu Steuerparadiesen.

Mit einer Steigerung von 87,9 Prozent verzeichnet Oberkirch in den letzten 20 Jahren die grösste Bevölkerungszunahme, gefolgt von Rain. Auffällig: In diesen beiden Gemeinden ist der Steuerfuss zusammen mit Schlierbach am stärksten gesunken (siehe Tabelle). Ins Auge sticht aber auch die unterschiedliche Entwicklung der zehn steuergünstigsten Gemeinden. So wachsen Horw und Meggen nur etwa so stark wie Doppleschwand oder Reiden, deren Wachstum im Mittel des Kantons liegt und die mit Steuerfüssen von 2,4 respektive 2,3 Einheiten als Steuerhöllen gelten. Oder so gehören nur drei der zehn steuergünstigsten Kommunen zu den zehn wachstumsstärksten, nämlich Eich, Oberkirch und Gisikon (siehe Tabelle).

Vier Gemeinden, vier Geschichten

Jede dieser Gemeinden hat naturgemäss ihre eigene Entwicklung durchlebt. Vier Beispiele illustrieren dies:

Meggen: Schon vor 20 Jahren das Luzerner Steuerparadies Nummer 1, ist Meggen seither trotzdem nur etwa gleich stark gewachsen wie der Durchschnitt aller Gemeinden. Gemeindepräsident Urs Brücker (GLP) führt das auf nicht überbaubare Gebiete zurück. Annähernd die Hälfte des Siedlungsgebiets liege im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder oder im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung. Brücker rechnet denn auch für die kommenden Jahre mit einem gleichbleibenden Bevölkerungswachstum von 50 bis 70 Personen pro Jahr. Obwohl das Angebot an preisgünstigen Wohnungen zugenommen habe, würden «nach wie vor auch sehr vermögende Personen nach Meggen ziehen. Limitierend wirkt für dieses Segment schlicht die Verfügbarkeit von Grundstücken.»

Schlierbach: Keine andere der zehn wachstumsstärksten Gemeinden konnte den Steuerfuss seit 1996 massiver senken als das 840 Einwohner zählende Dorf im Surental – um 0,65 Einheiten. Das hat für Gemeindeammann Armin Hartmann (SVP) mehrere Gründe. So sei Schlierbach «Teil der Boomregion Sursee, weist aber gleichzeitig die Vorteile von Ruhe, Natur und Aussicht auf». Ab 2004 sei es Teil der Strategie gewesen, sich durch Wachstum besser aufzustellen. Das hatte positive Folgen: «Die Steuerzahlungen der Zuzüger waren in der Regel überdurchschnittlich. Die Tiefsteuerstrategie zahlte sich aus.» Laut Hartmann wird Schlierbach künftig weniger stark wachsen. Der Steuerfuss soll konstant bei 1,75 Einheiten bleiben.

Eich: Die Gemeinde am Sempachersee gehört mit Oberkirch und Gisikon zu jenen drei der zehn steuergünstigsten Gemeinden, die auch den zehn wachstumsstärksten angehören. Gemeindepräsident Reto Zbinden führt die Bevölkerungszunahme auf die Einzonungen Anfang der 20-Jahres-Periode zurück. In den letzten Jahren stagnierte die Bevölkerung, künftig werde ein jährliches Wachstum von 0,5 bis 0,6 Prozent angestrebt. Laut dem FDP-Politiker unternimmt Eich «nichts Spezielles, um zum Ziel von Reichen zu werden». Die gute Wohnlage führe jedoch schon dazu, dass sich «zwangsläufig eher gut situierte Zuzüger für Eich entscheiden» würden.

Gisikon: Die flächenmässig kleinste Luzerner Gemeinde ist gleichzeitig jene, die ihren Steuerfuss unter den zehn steuergünstigsten am stärksten erhöhen musste – um 0,1 auf 1,7 Einheiten. Dennoch ist Gisikon im Rontal die steuergünstigste Gemeinde. Als Hauptgrund für das Bevölkerungswachstum führt Gemeindepräsident Alois Muri (parteilos) den Ausbau der Autobahn und des öffentlichen Verkehrs nach Luzern sowie Zug und Zürich an. In den nächsten 20 Jahren soll Gisikon nur noch von aktuell 1300 auf 1500 Einwohner wachsen.

Trotz statistischer Anhaltspunkte beurteilen Urs Brücker und Armin Hartmann die Aussage «Wachstum lohnt sich» kritisch. Die Entwicklung verlaufe «nicht immer gradlinig», sagt Hartmann. Und, so Brücker: «Starkes Wachstum kann für eine Gemeinde auch höchst anspruchsvoll sein.»

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