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Luzerner Gemeinden schwören auf Labels

Immer mehr Dörfer und Städte im Kanton Luzern lassen sich bestimmte Qualitäten bescheinigen – mit Labels. Diese sind nicht nur ein Leistungsausweis für Politik und Verwaltung, sondern sollen auch Geld in die Gemeindekassen spülen.
Raphael Zemp

Labels kleben nicht nur auf Bananen, Gurken und Müesliverpackungen und zeigen so: Ich bin besonders naturschonend, pestizidarm oder fair produziert. Man findet sie zunehmend auch auf Homepages oder Ortsschilder von Luzerner Gemeinden. Nicht weniger als 34 von ihnen rühmen sich etwa «Energiestadt» zu sein – ein Label, das ihr Engagement für eine nachhaltige Energiezukunft bezeugt.

Vielen ist auch das Unicef-Label «Kinderfreundliche Gemeinde» bekannt. Dieses hat Wauwil als erste Gemeinde der Schweiz vor nunmehr neun Jahren erhalten. Inzwischen dürfen sich drei weitere Luzerner Gemeinden mit diesem Label schmücken, seit diesem Jahr auch die Gemeinde Menznau.

Flühli und Hergiswil sind jugendfreundlich

Das sind allerdings nur zwei von vielen Gemeinde-Labels. So gibt es im Kanton Luzern mit Flühli und Hergiswil bei Willisau auch zwei «Jugendfreundliche Bergdörfer», die laut Label mit ihrer Jugendarbeit besonders engagiert «der Abwanderung aus dem Berggebiet entgegenwirken».

Aktiv in und um die Stadt Luzern ist auch das Label «Fairtrade Town», das den fairen Handel fördern will. Obschon: Verliehen worden ist diese Auszeichnung bisher noch keiner Gemeinde. Im Gegensatz zu anderen Kantonen gibt es hier auch weder eine «Gesunde Gemeinde», noch eine «Schmetterling Gemeinde», ja nicht einmal eine «No littering»-Kommune. Dafür darf sich Luzern offiziell «Grünstadt» nennen, für ihr «nachhaltiges Stadtgrün», ebenso trägt die Stadt das Label «Vorbildliche Stadt Geräte­benzin» – wie auch elf andere Gemeinden im Kanton.

Label-Bolzerin Stadt Luzern

Überhaupt zeigen Recherchen sowie eine kleinere Umfrage unter ausgewählten Luzerner Gemeinden: Die Stadt Luzern ist eine richtige Label-Bolzerin. Zu den genannten führt sie auch das Label Energiestadt (Gold, als einzige im Kanton nebst Entlebuch), sie ist Teil des Klima-Bündnisses und hat ebenso die Charta für Lohngleichheit im öffentlichen Sektor unterzeichnet wie jene für die Gleichstellung von Frauen und Männern und jene für eine nachhaltige städtische Mobilität. Weiter gehört sie der Städtekoalition gegen Rassismus an und will in den kommenden zwei Jahren noch das Unicef-Label «Kinderfreundliche Gemeinde» erlagen sowie das «Altersfreundliche Stadt»-Label der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Von einem Label-Wettrüsten will Niklaus Zeier, Chef Kommunikation der Stadt Luzern, trotzdem nichts wissen. Es gäbe unter den Schweizer Städten keinen Wettbewerb, möglichst viele Labels zu erreichen. Dieser Meinung sind auch die übrigen kontaktierten Gemeinden. Und das obschon die Anzahl der erworbenen Labels in den letzten Jahren stark zugenommen hat – aus verschiedenen Gründen.

Labels schaffen Netzwerke

Labels haben nicht nur den Anspruch, einen bestimmten Problem-Bereich zu verbessern, sondern die Gemeindepolitik und -behörden als solche. Denn sie sind meist an einen (mehr oder weniger) verbindlichen Kriterienkatalog geknüpft. Um diesen zu erfüllen, bedarf es einer «nachhaltigen Politik und sorgfältiger Arbeit», sagt Zeier von der Stadt Luzern.

Ähnlich sieht das auch Stefan Glantschnig, Kommunikationsverantwortlicher von Energie Schweiz, dem Herausgeber des Labels Energiestadt. «Das Label gibt Gemeinden die Möglichkeit, Ziele zu setzen und die Wirksamkeit von Massnahmen zu prüfen.» So sei es vor allem auch ein Planungsinstrument, das Qualitätsstandards garantiere und den Umgang von Gemeinden mit ihren finanziellen und fachlichen Ressourcen verbessere.

Zudem führen Labels zu mehr Austausch unter den Gemeinden. «Sie schaffen Netzwerke und Erfahrungsaustausch», sagt Zeier von der Stadt Luzern. Einen Aspekt, den man auch bei «Energiestadt» hervorstreicht: Die schweizweit rund 650 Mitgliedergemeinden verfolgten nicht nur ein gemeinsames Ziel, sie bildeten gleichzeitig auch den Trägerverein des Labels, sagt Glatschnig. «Das verdeutlicht: Im Zentrum steht das Miteinander und nicht der Wettbewerb unter den Gemeinden.»

Labels dienen der Imagepflege und sorgen für positive Publicity

Ein Label zeigt weiter: Diese Kommune hat erfolgreich einen Kriterienkatalog abgearbeitet. Das ist ein Leistungsausweis und Balsam für die involvierten Gemeindevertreter – aber auch eine harte Währung im Standortwettbewerb von Gemeinden. So schreibt etwa das Label Grünstadt auf seiner Homepage: «Unsere Auszeichnung bringt Geld in Ihre Kasse: Ihr Wohnort gewinnt an Attraktivität, was weitere Steuerzahler anzieht.» Und auch die (nicht repräsentative) Umfrage unter Luzerner Gemeindevertretern zeigt: Egal ob «Energiestadt», «kinderfreundliche Gemeinde» oder «Jugendfreundliche Bergdörfer», man glaubt an die positive Aussenwirkung von Labels.

Dies gilt gerade auch für Gemeinden jenseits der Hauptverkehrsachsen. «Dass wir uns seit diesem Jahr «Jugendfreundliches Bergdorf» nennen dürfen, ist Standortförderung und Imagepflege in einem», glaubt etwa Renate Ambühl, SVP-Gemeinderätin von Hergiswil. Und auch Beat Blum, CVP-Gemeindeammann von Menznau findet: Positive Publicity, wie sie die unlängst erlangte Auszeichnung «kinderfreundliche Gemeinde» beschert habe, könne nicht schaden. In Menznau, das zudem eine offizielle «Energiestadt» ist, halte man sich an den Grundsatz: «Tue Gutes – und rede davon.»

Dabei sind freilich nicht alle Labels gleich stark im öffentlichen Bewusstsein verankert – wie etwa «Energiestadt», dass es seit nunmehr 26 Jahren gibt. In ihrer Magnetwirkung unterscheiden sie sich deshalb erheblich. Oder schlägt etwa Nebikon noch immer Profit aus der Auszeichnung «Vorbildliche Gemeinde Gerätebenzin», die ihr vor fünf Jahren verliehen worden war? Wohl kaum. Für Schlagzeilen aber sorgte die Kampagne der Krebsliga damals aber allemal, präsentierte nicht nur die ausgezeichneten Gemeinden in einem vorteilhaften Licht, sondern erklärte einer breiten Öffentlichkeit, wie schädlich normales Benzin in Rasenmähern und Co für Umwelt und Mensch ist – und warum man deshalb gescheiter auf spezielles Gerätebenzin zurückgreifen soll .

Labels übernehmen Öffentlichkeitsarbeit

Tatsächlich bedienen sich nicht nur Kommunen Labels, sondern auch viele Non-Profit-Organisation. Mit ihrer Hilfe kreieren sie mediale Aufmerksamkeit für etwas, was es in ihren Augen anzupacken gilt. Dabei geht manch ein Kampagnenleiter nach dem Grundsatz eines bekannten chinesischen Sprichworts vor: «Eine Reise von tausend Meilen beginnt mit einem Schritt.» Besser «ein kleiner Schritt» als gar nichts, selbst wenn die Wirkung gewisser Labels «verschwinden klein» bleibt.

Zu diesem Befund gelangte etwa eine Wissenschaftlerin für Nachhaltige Entwicklung an der Universität Bern, nachdem sie das Label «Fairtrade-Town» (Bern gilt seit vergangenem Jahr als solche) und dessen Kriterienkatalog genauer durchleuchtet hatte. «Irgendwann muss man ja anfangen», zitierte «der Bund» daraufhin eine dezidierte Labelbefürworterin.

Wirksamkeit und Glaubwürdigkeit sind Argumente für oder gegen ein Label, das liebe Geld aber ebenso. Denn bevor sich Gemeinden über zugezogenes Steuersubstrat freuen dürfen, müssen sie erst selber Geld anlangen. Von ein paar hundert Franken bis zu mehreren Zehntausenden – je nach Label. Wer «Energiestadt» werden will, muss für die Zertifizierung je nach Gemeindegrösse mit Kosten von 18 000 bis 24 000 Franken rechnen. Mit 12 000 bis 24 000 Franken (von denen der Kanton einen Grossteil übernimmt) kostet die Zertifizierung zur «Kinderfreundlichen Gemeinde» ähnlich viel. In beiden Fällen steht nach vier Jahren wieder eine Neuzertifizierung an.

Andere Labels sind deutlich günstiger zu haben, weshalb etwa Hergiswil kein kinderfreundliches, wohl aber ein «Jugendfreundliches Bergdorf» ist. Letzteres Label kostet laut Gemeinderätin Ambühl bloss 200 Franken im Jahr, «und schliesst dabei erst noch Kinderfreundlichkeit mit ein.»

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