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Luzerner Gericht verurteilt Nidwaldner Raser zu 22 Monaten Gefängnis

Mit bis zu 213 Stundenkilometern heizte ein Nidwaldner durch die Zentralschweiz. Jetzt verurteilt ihn das Luzerner Kriminalgericht zu 22 Monaten bedingt. Der Mann gehört zu einer Bande, die für Aufsehen gesorgt hat.
Kilian Küttel

Luzern im Ausnahmezustand: Als am 22. März 2017 ein Zug im Bahnhof entgleist, geht auf den Schienen wenig bis gar nichts mehr. Tagelang. In der Zentralschweiz ist die Entgleisung Gesprächsthema Nummer 1, der öffentliche Verkehr in aller Munde. Aber auch auf den Strassen geschieht zu dieser Zeit ungewöhnliches.

Am 26. März um 14.49 Uhr biegt bei Stans ein Audi RS6 Avant auf die Autobahn Richtung Luzern ein. Der Fahrer drückt das Pedal durch, schiesst von der Einspurstrecke schräg auf die Überholspur. Erlaubtes Tempo: 120 Stundenkilometer, effektives Tempo: 213 Stundenkilometer. «Dabei überschritt er die zulässige Höchstgeschwindigkeit um 93 km/h», schreibt die Luzerner Staatsanwaltschaft, die sich der Raserfahrt annimmt und am 6. August 2018 Anklage gegen den Fahrer erhebt; einen heute 26-jährigen Bosnier aus dem Kanton Nidwalden.

Raser hatte gar keinen Führerschein

Im abgekürzten Verfahren verurteilte ihn das Luzerner Kriminalgericht am 13. Februar dieses Jahres. Seit Dienstag ist das Urteil öffentlich: 22 Monate Gefängnis und 3000 Franken Geldstrafe bedingt, 1000 Franken Busse.

Pikant: Zum Zeitpunkt der Raserfahrt hatte der Bosnier gar keinen Führerschein. Diesen hatte er schon im Juli 2015 abgeben müssen. Das hielt den Nidwaldner nicht davon ab, eine Sonntags-Ausfahrt zu unternehmen. Am gleichen Nachmittag brettert er mit 132 statt den erlaubten 100 Stundenkilometer durch den Tunnel Rathausen. Und statt mit 100 blochte er mit 180 Stundenkilometer durch den Spiertunnel zwischen Kriens und Horw. Für die Strafverfolger ist klar:

«Er gefährdete damit vorsätzlich andere Verkehrsteilnehmer und ging das hohe Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten und Todesopfern ein.»

Und das alles nur, «um seinen Freunden zu imponieren, nachdem diese ihn anfeuerten». Denn: Im Auto sitzen noch drei andere, die den Tempoexzess mit ihren Handys filmen. «Es war einfach geil, so schnell unterwegs zu sein», sagte der 26-Jährige der Polizei bei der Befragung nach dem Audi-Ausflug.

Freundeskreis mit Bleifuss

Was das Urteil des Kriminalgerichts nicht verrät: Der junge Nidwaldner und seine Freunde sorgten im Sommer 2017 landesweit für Furore. Am 10. Juli verschickte die Luzerner Staatsanwaltschaft eine Medienmitteilung: «Die Luzerner Polizei hat eine Raserbande ermittelt, welche seit 2014 in der Zentralschweiz mit gemieteten Autos massive Geschwindigkeitsüberschreitungen verübte.»

Nebst unserer Zeitung nahmen mehrere Medien die Geschichte auf; darunter das Schweizer Fernsehen, der «Blick», «20 Minuten», «Cash» oder der «Walliser Bote». Die wohl gröbste Verfehlung hatte sich ein Kollege des Verurteilten geleistet: Auf der Autobahn bei Altdorf war er mit 280 Stundenkilometern unterwegs – sechs Tage nachdem er die Fahrprüfung bestanden hatte. Zusätzlich zur Raserei mussten sich die Männer wegen diverser anderer Delikte wie Widerhandlungen gegen das Waffen- und Betäubungsmittelgesetz sowie verbotener Pornografie verantworten.

Ihr Treiben flog auf, als einer der Gruppe wegen Drohung angezeigt worden war. Bei einer Hausdurchsuchung fand die Polizei Videos der Raserfahrten. «Ihre Eitelkeit wurde ihnen zum Verhängnis», schrieb unsere Zeitung damals. Einer von ihnen büsst jetzt für die Ausfahrt.

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