Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Luzerner Gewerbler: Der Motor brummt

Die Tiefsteuerstrategie funktioniert bestens, interpretiert der kantonale Gewerbeverband eine Analyse der Hochschule Luzern. Linke und Gewerkschafter widersprechen vehement.
Lukas Nussbaumer

Für Gaudenz Zemp, Direktor des rund 7500 Mitglieder starken kantonalen Gewerbeverbands, macht die Luzerner Regierung mit der vorgeschlagenen Erhöhung der Firmensteuern einen Fehler. Der Schaden sei «mittelfristig höher als die kurzfristigen Mehreinnahmen».

Laut Zemp missachtet die Regierung aber auch den Volkswillen. Die Stimmbürger hätten im September 2016 Nein gesagt zu höheren Firmensteuern, ein halbes Jahr später auch zu einer Anhebung des Steuerfusses auf 1,7 Einheiten.

Der FDP-Kantonsrat aus St. Niklausen befindet sich mit dieser Haltung in guter Gesellschaft: Auch SVP-Präsidentin Angela Lüthold, Wirtschaftsförderer Ivan Buck oder Steuerexperte Bruno Käch kritisieren die beabsichtigte Aufweichung der Tiefsteuerstrategie (Artikel vom 25. Mai 2018). Denn alle vier sind der Meinung: Die Senkung der Unternehmenssteuern auf das landesweit tiefste Niveau im Jahr 2012 hat sich für Luzern gelohnt.

Beweis dafür sei die wirtschaftliche Entwicklung Luzerns, sagt Gaudenz Zemp (siehe «Nachgefragt»). Er stützt sich auf eine Analyse der Hochschule Luzern – Wirtschaft, erarbeitet von Christoph Hauser, dem Leiter des Kompetenzzentrums Managament & Law. Hauser hat Luzern mit Bern, Schwyz, Freiburg, Aargau und St. Gallen verglichen und sich dabei auf die Wertschöpfung, die Beschäftigung sowie das Brutto- und das verfügbare Einkommen konzentriert. Der Gewerbeverband gab die unserer Zeitung vorliegende Analyse weit vor Bekanntwerden der geplanten Steuererhöhung in Auftrag.

Seit 2011 fast 10000 neue Stellen geschaffen

Doch wie steht Luzern im Vergleich mit Bern, Schwyz, Freiburg, Aargau und St. Gallen in den untersuchten Bereichen tatsächlich da? Durchs Band gut.

  • Wertschöpfung: Analysiert wurden das Bruttoinlandprodukt (BIP) und das jährliche Wachstum pro Einwohner. Und hier zeigt sich: Luzern hat sich gegenüber den Vergleichskantonen, aber auch gegenüber dem landesweiten Mittel, überaus gut entwickelt. So beträgt das durchschnittliche jährliche Wachstum pro Einwohner in den Zeiträumen 2008 bis 2011 und 2011 bis 2015 rund ein Prozent (siehe Grafik). Auch in absoluten Zahlen gemessen, ist die Entwicklung markant. Seit 2012 nahm das BIP um knapp 7 Prozent auf mehr als 26 Milliarden Franken zu.
  • Beschäftigung: Das jährliche Stellenwachstum zwischen 2011 und 2015 war mit 1,3 Prozent am zweithöchsten. Nur Freiburg übertraf diesen Wert mit 1,37 Prozent geringfügig. In absoluten Zahlen ausgedrückt, wurden im Kanton Luzern zwischen 2011 und 2015 rund 9700 Vollzeitstellen geschaffen – fast gleich viele, wie es aktuell in Sursee gibt.
  • Einkommen: Hier liegt Luzern beim Bruttoeinkommen mit etwas weniger als 10 000 Franken pro Monat und Haushalt im Bereich oder leicht unter den Werten der Vergleichskantone. Beim verfügbaren Einkommen wiederum steht Luzern sehr gut da – absolut betrachtet und mit Blick auf die Entwicklung in den letzten Jahren. Grund: Die Ausgaben für Krankenkassen, Steuern und Sozialversicherungsbeiträge sind vergleichsweise tief.

Linke bemängeln Wahl der Vergleichskantone

Die Kritiker der Tiefsteuerstrategie lassen an der Analyse der Hochschule kein gutes Haar. Der Gewerbeverband habe nur bereits bekannte Zahlen zusammenstellen lassen und deshalb bereits vor dem Vorliegen der Resultate gewusst, welche Kantone sich für einen aus Luzerner Sicht positiv ausfallenden Vergleich eignen würden, sagt SP-Präsident und Kantonsrat David Roth.

Auch Roths Partei- und Kantonsratskollege Marcel Budmiger kritisiert die Auswahl der Vergleichskantone. Schliesslich habe Luzern die Steuerstrategie seiner Nachbarn kopiert und müsste sich deshalb auch mit diesen messen. Auch das vom Gewerbeverband als Beweis für den Erfolg der Steuerstrategie angeführte Stellenwachstum zerpflücken Roth und Budmiger. Die Hälfte der neu geschaffenen Jobs entfalle auf den Gesundheits- und Sozialbereich, habe also gar nichts mit der Steuerstrategie zu tun, sondern sei eine Konsequenz des gesellschaftlichen Wandels und des Bevölkerungswachstums, sagt Roth. Laut Budmiger lassen sich deshalb keine Rückschlüsse auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit ziehen.

Was der Gewerbeverband präsentiere, sei «reine Propaganda für Steuergeschenke an Grossfirmen», sagt David Roth. Komme dazu, so Marcel Budmiger, dass die Strategie Luzerns beim nicht untersuchten Kriterium Finanzlage des Kantons «sehr schlecht abschneiden würde».

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.