LUZERNER GROSSFAMILIE: Fünf Generationen feiern

100-jährig ist die Stadtluzernerin Margrit Walther-Lippuner am Wochenende geworden. Mit der zweijährigen Alessia feierte die fünfte Generation den runden Geburtstag mit.

Hannes Bucher
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Jubilarin Margrit Walther (sitzend) mit ihrer Familie (von links): Schwiegertochter Margrit und Sohn Erwin Walther, Enkel Stephan Walther und seine Frau Theresa, Ur-Enkel Simon Walther und seine Frau Melanie Waldispühl. Vorne: Ur-Ur-Enkelin Alessia. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 28. Januar 2017))

Jubilarin Margrit Walther (sitzend) mit ihrer Familie (von links): Schwiegertochter Margrit und Sohn Erwin Walther, Enkel Stephan Walther und seine Frau Theresa, Ur-Enkel Simon Walther und seine Frau Melanie Waldispühl. Vorne: Ur-Ur-Enkelin Alessia. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 28. Januar 2017))

Hannes Bucher

stadt@luzernerzeitung.ch

Da ist die zweijährige Alessia Waldispühl gefordert: Es gilt, sich die Muttersprache anzueignen. So weit, so üblich, für eine junge Erdenbürgerin. Dass zu den ersten Wörtern wie Mami und Papi sich die Begriffe Nonno und Nonna für die Grosseltern gesellen, ist an sich nicht aussergewöhnlich. Nur, in der Familie Walther, in die das Mädchen hineingeboren wurde, ist es damit noch nicht getan. Da sind Urgrosseltern – eine Nani und ein Neni – und es gibt gar eine Ur-Ur-Grossmutter. Eben dieses «Ur-Ur-Grosi» sitzt am Samstagmittag im Aufenthaltsraum im VIVA Luzern Eichhof im Stuhl neben dem Mädchen und hält liebevoll seine Hand. Es ist Margrit Walther-Lippuner.

Mit der Ruhe und Gelassenheit, welche die betagte Frau ausstrahlt, ist das Fotoshooting, das da stattfindet, gar nicht befremdend. Kommt dazu, dass auch Papa Simon Walther, die Grosseltern Theri und Stephan und die Urgrosseltern Gritli und Erwin ringsum sind. Was die Kleine nicht weiss: Dieses Foto erscheint gar in der Zeitung, weil heute ein ganz besonderer Festtag ist. Margrit Walther-Lippuner feiert nämlich den 100. Geburtstag. Die Jubilarin ist auf dem besten Weg, altersmässig ihrem Ehemann nachzueifern. Ferdinand Wal­ther-Lippuner, mit dem sie bis zu seinem Tod 70 Jahre verheiratet war, ist 103 Jahre alt geworden. Vor sechs Jahren ist er verstorben.

Die Werchlaube – das Daheim

Der Tod ihres Mannes war wohl einer der dunkelsten Momente im Leben Margrit Walthers, wie Sohn Hans Walther erzählt, «auch wenn sie es sonst nicht immer leicht gehabt hat». Margrit Walther-Lippuner, ist in Grabs im St. Galler Rheintal geboren und im Kreis von 13 Geschwistern aufgewachsen. Ihr Vater war Sticker und Landwirt. «Wir waren 10 Mädchen – und alle haben einen Mann bekommen», schmunzelt sie. Hat sie eine Lehre gemacht? Wie auch! Da galt es vielmehr, Geld zu verdienen. Margrit Lippuner war in der Gastronomie tätig, zuerst in der Ostschweiz und ab den 1930er-Jahren in Luzern, im Waldstätterhof. Mit 23 Jahren hat sie geheiratet. Ab 1954 wohnte die Familie in der Werchlaube in Luzern, wo Sohn Erwin heute noch zu Hause ist. Dort waren sie das Hauswart-Paar. Mit Leib und Seele – das war nicht einfach «Arbeit», sondern eine Aufgabe rund um die Uhr.

Die Söhne machten ihren Weg; der Älteste wurde Elektroingenieur, der zweite Sekundarlehrer. Die sieben Grosskinder und die acht Ur-Grosskinder fanden ebenso im Leben ihren Platz und ihre Aufgabe. Hütedienst, Verwöhn-Grosi, später Ansprechperson bei Problemen, dies war nach dem Auszug der eigenen Kinder die Lebensaufgabe Mar­grit Walthers. Mit 48 Jahren wurde sie Grossmutter, mit 75 Urgrossmutter und vor zwei Jahren eben Ur-Ur-Grossmutter. «Fünf Generationen, das ist doch eher selten. Es ist sehr schön, noch eine Ur-Grossmutter zu haben», sagt Simon Walther, Alessias Vater. Er hat auch seinen Ur-Grossvater in guter Erinnerung. «Die alten Geschichten, das Erzählen von früher, wie sie lebten und was sie selber erlebt haben, das ist eindrücklich», sagt er. Die Jubilarin selber schaut dem Treiben im Saal mit Gelassenheit zu. «Ich bin erstaunt, dass so viele liebe Leute heute zum Geburtstagsfest kommen. Und das ganz ohne spezielle Einladung.» Die kleine Alessia hat es ihr besonders angetan.