Luzerner gründen Hilfswerk für Kinder im Jemen

Besonders Kinder leiden unter dem Bürgerkrieg im Jemen. Das neue, in Luzern gegründete Hilfswerk Arabia Felix will ihnen zu Bildung und Gesundheitsversorgung verhelfen.

Beatrice Vogel
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Die Lebensbedingungen in einem anderen Teil der Welt verbessern: Dieses Ziel haben sich drei Luzerner gesetzt und dafür das Hilfswerk Arabia Felix gegründet. Konkret will der Verein Kindern im Jemen helfen.

Im Jemen herrscht seit Jahren Bürgerkrieg zwischen einer Koalition aus sunnitisch regierten arabischen Staaten, angeführt von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten, und den schiitischen Huthi-Rebellen, die vom Iran unterstützt werden. Darunter leidet die Zivilbevölkerung in Form von Hunger, Krankheiten wie Cholera und Armut. Zwei Millionen Kinder im Jemen werden nach Angaben der Unicef wegen des Bürgerkriegs derzeit am Schulbesuch gehindert.

Kinder im Jemen.

Kinder im Jemen.

PD/Arabia Felix

Das neue Hilfswerk will die Situation von Kindern – insbesondere von Mädchen – im Jemen verbessern unter dem Motto: «Nichts stoppt ein Geschoss besser als ein gebildetes Kind.» Der Gedanke dahinter: Je mehr Mädchen zu gut ausgebildeten, starken Frauen heranwachsen, desto grösster ist ihr Einfluss auf die Gesellschaft. «Der Krieg zerstörte bis jetzt Tausende Schulen und Hochschulen. Das vereinfacht die Rekrutierung von Kindersoldaten und fördert die frühe Heirat von Mädchen», sagt Eliah Saeed, Präsident des Vereins Arabia Felix.

Deswegen beinhaltet die Unterstützung vor allem die Schul- und Ausbildung von Kindern. «Das Ziel ist, so viele Kinder wie möglich dabei zu unterstützen, dass sie die Schule besuchen können», so Saeed. Langfristig sei auch das Ziel, eine eigene Schule im Jemen aufzubauen.

In zerstörten Schulgebäuden wird teils noch unterrichtet.

In zerstörten Schulgebäuden wird teils noch unterrichtet.

PD/Mohammed Mohammed
(Jemen, 23. Dezember 2019)

Vorerst werden gezielt einzelne Kinder unterstützt. Bis jetzt sind es sieben, die folgende Bedingungen erfüllen: Kinder in Not, ohne Eltern oder deren Familien Binnenflüchtlinge mit sehr geringem Einkommen sind, deren Grundbedürfnisse wie Wohnraum, Ernährung und Sicherheit nicht gedeckt sind, und deren Bildung gefährdet ist.

Das Hilfswerk arbeitet mit drei Freiwilligen im Jemen zusammen, welche die Kinder gemäss den Vorgaben auswählen. «Das Kind muss einen Brief schreiben, in dem es erklärt, wieso es in die Schule gehen möchte», sagt Eliah Saeed. «Für uns ist es sehr wichtig, dass das Kind von Anfang an einbezogen wird, denn der Wille zum Lernen liegt beim Kind selbst.» Der Vormund des Kindes muss eine Erklärung unterzeichnen, die unter anderem beinhaltet, dass das Kind nicht vor dem 18. Lebensjahr verheiratet und während der Schule nicht zur Arbeit geschickt werden darf.

Schulunterricht im Freien.

Schulunterricht im Freien.

PD/Mohammed Alwafi
(Jemen, 15. März 2020)

Die freiwilligen Helfer besuchen das Kind mehrmals im Monat, verfolgen die schulischen Fortschritte und erstatten darüber Bericht. Laut Saeed werden Spenden zu 100 Prozent dafür eingesetzt, dass das Kind die nötige Ausrüstung für die Schule wie Uniform oder Bücher erhält. Des Weiteren bezahlt Arabia Felix die Schulgebühren, den Transport zur Schule, Verpflegung und Gesundheitsversorgung.

Eliah Saeed in der traditionellen jemenitischen Kleidung.

Eliah Saeed in der traditionellen jemenitischen Kleidung.

Bild: PD

«Uns ist Transparenz gegenüber unseren Spendern sehr wichtig», betont Eliah Saeed. Mit ihm bilden die zwei Luzerner Gründungsmitglieder, Kassier Beat Wirth und Aktuarin Nalan Senonar, den Vorstand des Vereins. Saeed selbst stammt aus Jemen, lebt heute in Luzern und hat bereits in verschiedenen Ländern für Non-Profit-Organisationen gearbeitet.

Neben der Unterstützung der Kinder im Jemen will Arabia Felix auch die schweizerisch-jemenitische Freundschaft fördern. «Wir möchten in Luzern Integration betreiben und den Jemeniten das Schweizer System vermitteln, in dem Menschen mit verschiedenen Sprachen und Religionen in Frieden zusammenleben», sagt Saeed. Um in der Schweiz auf den Jemen und das Hilfswerk aufmerksam zu machen, organisiert Arabia Felix auch Veranstaltungen. So ist derzeit bis zum 16. Oktober im Sentitreff (Baselstrasse 21) und im Q-Point 72 (Baselstrasse 72) in Luzern die Fotoausstellung «Jemen, die geheime Reise» zu sehen. Hier ein kleiner Vorgeschmack:

Sanaa, die Hauptstadt des Jemen.
5 Bilder
Das Schloss Al-Qahira in der Stadt Taiz.
Der Sukoon Park in Taiz.
Das Hajhir-Massiv auf der Insel Sokotra im Jemen.
Berg Saber.

Sanaa, die Hauptstadt des Jemen.

PD/Philippe Michel, www.prismaonline.ch

Im Sentitreff findet zudem am 31. Oktober der kulinarische Anlass «Arabia – bon appétit» statt.

Weitere Infos: www.arfelix.ch

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