Luzerner Hebammen gründen Verein: Startschuss der neuen Vermittlungsplattform steht bevor

Der neue Verein hebamme-zentralschweiz.ch lanciert im Kanton Luzern ein einjähriges Pilotprojekt: Dank einer neuen Website sollen Frauen mit Neugeborenen einen niederschwelligen Zugang zur Betreuung erhalten – kostenlos.

Evelyne Fischer
Hören
Drucken
Teilen
Hebamme Karin Bachmann Schuler beim Betreuen von Zwillingen. Sie bildet mit Lea Kobler Odermatt das Co-Präsidium des neuen Vereins hebamme-zentralschweiz.ch.

Hebamme Karin Bachmann Schuler beim Betreuen von Zwillingen. Sie bildet mit Lea Kobler Odermatt das Co-Präsidium des neuen Vereins hebamme-zentralschweiz.ch.

Bild: Nadia Schärli (Altwis, 20. Mai 2019

Das Ziel war es, bis Ende Jahr 40 freiberufliche Hebammen im Personalpool zu haben – ihr Interesse signalisiert haben nun auf Anhieb 51 Frauen aus dem ganzen Kanton. Der Aufmarsch zur Gründungsversammlung von hebamme-zentralschweiz.ch vom Donnerstag in der Hirslanden-Klinik St. Anna zeigt: Der neue Verein greift ein breit verankertes Anliegen auf. Er lanciert im Kanton Luzern ein einjähriges Pilotprojekt. Per 1. Februar wird die Vermittlungsplattform www.hebamme-zentralschweiz.ch aufgeschaltet. Die Webseite soll Frauen mit Neugeborenen einen niederschwelligen Zugang zur Betreuung garantieren, kostenlos. Co-Gründungspräsidentinnen sind die Hebammen Karin Bachmann Schuler (Hitzkirch) und Lea Kobler Odermatt (Luzern). Geplant ist, das Projekt dereinst auf die ganze Zentralschweiz auszuweiten.

Die neue Vermittlungsplattform löst die bisherige Hebammenzentrale Zentralschweiz ab. Zur Erinnerung: Seit dem Jahr 2000 verschaffte jener Verein in Spitzenjahren über 1000 Müttern eine Betreuung. Die fast unentgeltliche Vermittlung auf ehrenamtlicher Basis war aber nicht mehr länger tragbar (Artikel vom 14. November 2019).

Vorstösse auf politischer Ebene hängig

Sowohl im Luzerner Kantonsrat wie auch im Stadtparlament sind Vorstösse zum Projekt hebamme-zentralschweiz.ch hängig: Grüne-Kantonsrätin Noëlle Bucher (Luzern) verlangt vom Regierungsrat, den Aufbau und die Umsetzung des Projekts finanziell sicherzustellen.

Ebenfalls ein Postulat eingereicht hat die Luzerner SP-Grossstadträtin Maria Pilotto: Im «Sinne der frühen Förderung und Investition in die frühe Kindheit» soll der Stadtrat prüfen, «wie er die rasche und lückenlose Betreuung aller in der Stadt wohnhaften Familien im Wochenbett gewährleisten kann».

Pilotto rief an der gut einstündigen Gründungsversammlung vom Donnerstag dazu auf, fleissig Mund-zu-Mund-Propaganda zu machen. Es brauche künftig die Unterstützung von Kanton und Gemeinden. Der ebenfalls anwesende SP-Kantonsrat Josef Schuler (Hitzkirch) ergänzte, die «wichtige Arbeit» der Hebammen müsse langfristig im Gesetz verankert werden.

Finanzierung erst für ein Jahr gesichert

Ein Knackpunkt des Pilotprojekts ist und bleibt die Finanzierung: Unter anderem dank Spenden, 50'000 Franken von der Albert Koechlin Stiftung sowie 50'000 Franken aus dem Lotteriefonds ist das erste Jahr gesichert.

Das Geburtshaus Terra Alta in Oberkirch übernimmt ein Jahr lang unentgeltlich die Koordination der Hebammenbetreuung. Die Hirslanden-Klinik St. Anna in Luzern mit rund 800 Geburten jährlich zahlt 2020 den Sockelbeitrag von 15 Franken pro Geburt, das Luzerner Kantonsspital mit knapp 3400 Geburten jährlich beteiligt sich nicht an den Kosten.

Der Vorstand und die Arbeitsgruppe werden sich 2020 weiterhin ehrenamtlich engagieren. Nach sechs Monaten Betrieb ist eine erste Evaluation geplant. 

Hinweis: Die neue Vermittlungsplattform der Hebammen finden Sie ab 1. Februar 2020 unter www.hebamme-zentralschweiz.ch.

Mehr zum Thema