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Luzerner «Heilerin» macht «jenseitige Versprechen»

Eine Luzerner Heilerin gibt vor, durch Fernbehandlungen Krebs kurieren zu können. Patientenschützerin Erika Ziltener kritisiert das Angebot dieses Mediums scharf und spricht von einem höchst problematischen Vorgehen.
Thomas Heer

Diese Heilerin, die sich gegenüber der Öffentlichkeit auch als sogenanntes Medium ausgibt – im Kanton Luzern lebt und arbeitet –, muss über aussergewöhn­liche Fähigkeiten verfügen. Via ihre Website gibt sie vor, Fernbehandlungen bei jeder Art von Schmerz oder Krankheiten anzubieten. Auf Facebook-Posts hält sie unter anderem «Heilen durch Fernbehandlung» an, um dann im weiteren Textverlauf unter der Rubrik «Insbesondere bei diesen Beschwerden» auch Reizdarm und Krebs zu erwähnen. Die Heilerin gibt auch vor, bei ihrer Tätigkeit eine sehr hohe Erfolgsquote zu erzielen. Dies dank 25-jähriger Erfahrung und vielen Weiterbildungen. Erika Ziltener ist Präsidentin des Dachverbandes Schweizerischer Patientenstellen. Sie hat sich den Werbeauftritt des Luzerner Mediums, das neben der eigenen Website auch intensiv via Facebook-Posts gegen aussen kommuniziert, genauer angeschaut. Ziltener hält den Werbeauftritt der Luzernerin für «sehr problematisch» und sagt weiter: «Das ist teils jenseitig, was die Frau verspricht.» Das könne, so Ziltener weiter, grösstenteils gar nicht eingehalten werden. Immerhin hält die Patientenvertreterin der Heilerin zu Gute, dass diese ihre Kundinnen und Kunden nicht aktiv schädige. Dies indem das Medium seine Patienten zum Beispiel zur Einnahme von irgendwelchen schädlichen Substanzen animiere. Alexander Duss arbeitet im Rechtsdienst des kantonalen ­Gesundheits- und Sozialdepartements. Duss schreibt im Zusammenhang des erwähnten Mediums: «Die Postings enthalten unseres Erachtens keine unzulässigen Heilversprechungen im Sinne einer Heilgarantie.» Und weiter: «Ob die Dienstleistungen effektiv etwas bringen, dürfte im subjektiven Empfinden des jeweiligen Klienten liegen und lässt sich – wie auch generell bei den Methoden der Komplementärtherapie und teilweise auch jenen der Alternativmedizin – nicht objektiv beurteilen.» Für den Kanton bestehe im Fall des Luzerner Mediums «kein aufsichtsrechtlicher Handlungsbedarf». Solcher bestehe vorab dann, wenn kranke Menschen vom Gang zum Arzt abgehalten würden, hält Duss abschliessend fest

Die Heilerin stand kürzlich vor Gericht

Eine Nachfrage bei der Luzerner Heilerin ergibt Folgendes: Was die Krebsbehandlungen betreffe, so bekämpfe sie nicht die Krankheit selber, sondern die damit verbundenen körperlichen Ne­benerscheinungen. Sie nennt Übelkeit oder Schmerzen. Hingegen behauptet die Frau bei Reizungen im Darm, eine Beruhigung herbeiführen zu können. Diese führe dann schlussendlich zu einer «Heilung», wie sie sagt. Was verdient diese, mit offenbar übernatürlichen Kräften gesegnete Person, durchschnittlich pro Monat? Über Zahlen will die Frau nicht reden. Sie sagt nur, sie betätige sich ja nur nebenher als Heilerin. Da sei noch die Familie. Ja, die Familie: Diese hält nicht nur das Teilzeitmedium auf Trab, sondern auch die Luzerner Justiz. Vor einer Woche berichtete unsere Zeitung von einem Fall, der kürzlich vor dem Bezirksgericht verhandelt wurde. Der Titel der Gerichtskolumne lautete: «Verprügelte Tochter: ‹Meine Mama hat zwei Gesichter›.» Bei dieser «Mama» handelt es sich um die Heilerin mit den über­natürlichen Kräften. Sie soll ihre Teenager-Tochter mit der flachen Hand, der Faust, aber auch mit der Holzkelle traktiert haben. Vor Gericht gab sich das Medium als liebende Mutter aus und wies den Vorwurf der Gewaltanwendung weit von sich. Das Gericht misstraute der Verteidigungsstrategie und befand die Heilerin der mehrfachen einfachen Körperverletzung sowie der mehrfachen Tätlichkeit für schuldig. Für das Medium setzte es ein Bussgeld von 1500 Franken ab. Zudem muss die Frau für Verfahrens- und Gerichtskosten in der Höhe von 7200 Franken aufkommen. Vor Gericht beantwortete die Frau übrigens die Frage zur Höhe ihrer Einkünfte als Heilerin: Diese lägen bei rund 1500 bis 1600 Franken netto pro Monat. Das Gerichtsurteil ist noch nicht rechtskräftig.

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