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Luzerner Hotels setzen vermehrt auf Klimaanlagen – weil Gäste dies erwarten

Immer mehr Gäste verlangen gekühlte Zimmer, sagen Luzerner Hoteliers – und planen entsprechende bauliche Massnahmen, obwohl sie diese Entwicklung eigentlich bedauern. Denn Klimaanlagen sind teuer und erhöhen den Energieverbrauch.
Stefan Dähler
Das Hotel Waldstätterhof an der Zentralstrasse kann schon bald mit Air Conditioning werben. (Bild: Pius Amrein, Luzern 20. Mai 2019)

Das Hotel Waldstätterhof an der Zentralstrasse kann schon bald mit Air Conditioning werben. (Bild: Pius Amrein, Luzern 20. Mai 2019)

Als Feriengast kennt man Klimaanlagen vor allem aus südlichen Ländern, wo es schon mal richtig heiss werden kann. Nun bauen aber vermehrt auch Schweizer Hotels solche ein, wie der «Blick» kürzlich berichtete. Vor allem Gäste aus Asien oder den arabischen Ländern würden klimatisierte Zimmer verlangen, da solche in ihren Herkunftsländern üblich seien.

Gemäss Patric Graber, Direktor des Hotels Waldstätterhof in Luzern, erwarten inzwischen aber auch vermehrt Schweizer und Gäste aus anderen europäischen Ländern eine Klimaanlage. «Wir haben deswegen viele Rückmeldungen erhalten.» Das Hotel plant daher nun den Einbau einer solchen Anlage und hat ein entsprechendes Baugesuch eingereicht. «Das Thema beschäftigt auch andere Hotels», sagt Graber, der früher Präsident der Vereinigung Luzern Hotels war. Er selbst bedauert diese Entwicklung:

«Für mich persönlich sind Klimaanlagen in der Schweiz nicht nötig, aber wir wollen zufriedene Kunden.»

Genaue Zahlen nennt Graber zwar keine, doch der Einbau bedeute für das Hotel eine grosse Investition, zudem werde auch der Energieverbrauch steigen. Das Baubewilligungsverfahren läuft zur Zeit. Die Bewilligung wird auf den Spätsommer erwartet und der Baubeginn ist auf den Herbst terminiert. Sämtliche Hotelzimmer würden etappenweise bis im Frühsommer 2020 umgerüstet.

Conrad Meier, Präsident der Vereinigung Luzern Hotels, bestätigt Grabers Aussagen. «Ich habe schon Hotels in Berggebieten geführt, wo die Gäste nach Klimatisierung gefragt haben, sagt er. An heissen Tagen wie im letzten Sommer haben die Leute keine Lust, ein heisses Zimmer zu beziehen.» Meier betont:

«Will man auf dem Markt Erfolg haben, ist eine Klimaanlage daher ein Muss – sie hat etwa den selben Stellenwert wie WiFi.»

Wäre es in Zeiten des Klimawandels nicht besser, Energie zu sparen? «Das ist tatsächlich ein Widerspruch unserer Zeit, doch wir als Hoteliers sind dazu da, die Gäste zu beherbergen, und nicht, um sie zu erziehen.»

Meier spricht aus Erfahrung, denn auch das Grand Hotel Europe, welches er führt, hat im umgebauten Hotelflügel gekühlte Räume. Diese sollen im Sommer in Betrieb genommen werden. Zu den Kosten macht er keine genaue Angaben, doch diese seien «unheimlich hoch», insbesondere in einem historischen Hotel. «Da die Anlage nur an wenigen Tagen im Sommer wirklich benötigt wird, stellt sich schon die Frage, ob sich das wirklich rechnet», sagt Meier. «Doch ohne geht es nicht mehr, sonst hat man auf dem Markt keine Chance.» Wie stark der Energieverbrauch durch die Klimaanlage steigen wird, kann er heute noch nicht sagen. Das werde man in einem Jahr sehen, wenn die Vergleichszahlen vorliegen.

Offene Fenster gibts in Hotelketten nur noch selten

Der nationale Dachverband Hotelleriesuisse bestätigt den Trend zu Klimaanlagen. Patric Schönberg, Leiter Kommunikation und Marketing: «Die Gäste aus den grössten Wachstumsmärkten USA, China und dem arabischen Raum verlangen Klimaanlagen, weil sie nichts anderes gewohnt sind. Das ist nicht mal eine Frage der Aussentemperatur, sondern der Kultur.» Es gebe aber noch einen weiteren Grund für diese Entwicklung: So können bei vielen Hotelketten die Fenster gar nicht oder nur sehr beschränkt geöffnet werden, was eine Klimaanlage «für eine regelmässige Zufuhr von frischem Sauerstoff» zur Notwendigkeit macht.

Die Investitionskosten seien für die Hoteliers sehr unterschiedlich: Je nachdem ob es sich um mobile Geräte im Zimmer, zentralisierte oder neuste Anlagen mit einer individualisierten Temperatureinstellung in jedem Zimmer handelt, so Schönberg. Zum steigenden Energieverbrauch hält er fest, dass der Klimawandel auch zu einem sinkenden Heizaufwand führe. Hotelleriesuisse beruft sich diesbezüglich auf die Studie «Brennpunkt Klima Schweiz» der Akademien der Wissenschaften Schweiz. Darin heisst es, dass beide Effekte «relativ klein» seien und sich «vermutlich bis zu einem gewissen Grad energetisch kompensieren» würden.

Der Verband empfiehlt seinen Mitgliedern aber, den Klimawandel in die Planungen einzubeziehen. Etwa, indem sie bei Investitionen in die Infrastruktur «die Energie- und Ressourceneffizienz» berücksichtigen.

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