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Luzerner Jungaktivisten im Klima-Gespräch mit Regierungsrat: Kleinster gemeinsamer Nenner

Eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern diskutierte am Montagabend mit Regierungsrat Reto Wyss über Massnahmen gegen den Klimawandel. Die Versprechen des Bildungsdirektors gingen einigen zu wenig weit.
Alexander von Däniken
Zweite Klimademonstration beim Pavillon am Nationalquai in Luzern. (Bild: Pius Amrein (2. Februar 2019))

Zweite Klimademonstration beim Pavillon am Nationalquai in Luzern. (Bild: Pius Amrein (2. Februar 2019))

Es war bezeichnend: Im Marianischen Saal an der Luzerner Bahnhofstrasse waren über 200 Stühle aufgestellt, nur drei Journalisten und fünf Schülerinnen nahmen am Montagabend Platz. Der Anlass war eine Medienorientierung über ein Gespräch, das eine Gruppe von Schülerinnen mit Bildungsdirektor Reto Wyss geführt hatte. Die Diskussion über Massnahmen gegen den Klimawandel dauerte rund eineinhalb Stunden – lange, aber zu kurz für ein so grosses Thema. Zudem war das Interesse des Regierungsrats am Gespräch klein; nur Reto Wyss konnte sich für die Diskussion erwärmen.

Für den Klimaschutz kämpfen im Kanton Luzern an vorderster Front Lena Merz (17) aus Hildisrieden und Jorina Rast (17) aus Rain. Die beiden haben im Interview mit unserer Zeitung erklärt, dass sie keine Angst haben, dass ihre Proteste verpuffen. So verfolge die Bewegung klare Ziele: Eines ist die Ausrufung des Klimanotstandes, ein anderes, dass bis 2030 die Netto-Treibhausgasemissionen auf null reduziert werden.

6 von 15 Schülerinnen und Schülern liefen weg

Auf die Forderungen konnte Reto Wyss nicht eingehen. Weil sie Themen betreffen, die nicht in seinen Zuständigkeitsbereich fallen, wie der CVP-Regierungsrat erklärte. Das veranlasste 6 der an der Diskussion beteiligten 15 Schülerinnen und Schüler, vorzeitig den Raum zu verlassen. «Es macht für mich keinen Sinn, mit jemandem zusammenzuarbeiten, welcher die Klimakrise nicht erkennen will und sich damit gegen die Erkenntnisse der Wissenschaft stellt», erklärte Schülerin Mirjam Hostetmann in einer Medienmitteilung.

Bildungsdirektor Reto Wyss (vorne rechts) und Aldo Magno, Leiter der Dienststelle Gymnasialbildung, diskutieren mit Schüler über Fragen rund um die Klimaerwärmung. (Bild: PD)

Bildungsdirektor Reto Wyss (vorne rechts) und Aldo Magno, Leiter der Dienststelle Gymnasialbildung, diskutieren mit Schüler über Fragen rund um die Klimaerwärmung. (Bild: PD)

An der Diskussion nahmen auch Aldo Magno, Leiter der Dienststelle Gymnasialbildung, und Marco Stössel, Rektor der Kantonsschule Beromünster, teil. Ihnen konnten die verbleibenden Schülerinnen und Schüler um Lena Merz und Jorina Rast immerhin Versprechen abringen.

Besprochen wurden drei Themen: Bildung, Mobilität und Ernährung. «Bei der Bildung werden wir die Einführung eines Aktionstages prüfen, wie dies auch mit dem Holocaust-Tag der Fall war», sagte Wyss. «Bei der Ernährung werden wir mit den Kantonsschulen und der SV Group, welche unsere Kanti-Mensas betreut, über einen oder zwei fleischlose Tage pro Woche sprechen.» Auch soll das regionale und saisonale Angebot überprüft werden. «Bei der Mobilität schauen wir, was bei den Anreisen und Örtlichkeiten zu Skitagen oder Projekttagen möglich ist», so Wyss.

Er habe es geschätzt, mit jungen Leuten den Dialog zu führen, die auch Wert darauf legen, nicht nur Forderungen zu stellen, «sondern selber Verantwortung übernehmen wollen». Was den Zeitraum für die Massnahmen betrifft, soll etwa bei der Ernährung spätestens auf nächstes Jahr eine Umsetzung erfolgen.

Lena Merz äusserte sich «grundsätzlich froh darüber, dass die Politik uns zuhört». Was die Massnahmen betrifft, liege es nun an Aldo Magno und Reto Wyss, konkretere Massnahmen zu liefern. Doch dabei soll es nicht bleiben. «Der Bildungsdirektor hat uns auch versprochen, dass er seine Regierungsratskollegen auf unsere Anliegen anspricht.» Ungeachtet davon kündigte Merz eine weitere Protestaktion an. Sie soll am 15. März stattfinden; Ort und Zeit seien noch unklar.

Rektor mit zwei Seelen in der Brust

Haben Streiks eigentlich Konsequenzen für die Schüler? Rektor Marco Stössel differenziert: Bei Schülern im Untergymnasium besteht Unterrichtspflicht, wer streikt, hat eine unentschuldigte Absenz. Bei Schülern im Obergymnasium gibt es je nach Schule eine bestimmte Anzahl Tage Urlaub ohne Begründung.

Dass solche für Klimastreiks genutzt werden, findet Marco Stössel durchaus sympathisch. Er ist nicht nur Rektor, sondern auch Meteorologe.

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