Luzerner Kantonal-Musiktag: Die Trompete ist bei «Sepp» immer griffbereit

Altishofen ist zum zweiten Mal Gastgeberin des Luzerner Kantonal-Musiktag. Trompeter Sepp Banz war vor 37 Jahren bereits als Mitglied der Musikgesellschaft dabei. Damals spielte er eine Doppelrolle.

Roger Rüegger
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Stand schon 1982 beim Musikfest in Altishofen im Einsatz: Sepp Banz. (Bild: Pius Amrein, Altishofen 9. Mai 2019)

Stand schon 1982 beim Musikfest in Altishofen im Einsatz: Sepp Banz. (Bild: Pius Amrein, Altishofen 9. Mai 2019)

«Das Köfferli mit der Trompete ist immer auf Mann!» Sepp Banz’ Worte sind nicht bloss dahergesagt. Sie sind eine Liebeserklärung an die Blasmusik. Der 69-jährige Trompeter verlässt sein Haus in Altishofen kaum je nie ohne Instrument. Der gelernte Metzger aus Flühli musiziert seit 52 Jahren. Mit 17 bekam er vom Vater eine Trompete, damit er in der Brass Band Kirchenmusik Flühli spielen kann.

«Bis heute weiss ich nicht, wie er das angestellt hatte. Es war eigentlich kein Geld vorhanden. Trotzdem konnte er 300 Franken für das Instrument aufbringen», sagt Sepp. Er besteht ausdrücklich darauf, dass wir ihn so nennen.

Sogar im Militär Trompete gespielt 

Von der Musik war er immer fasziniert. Wie sein Vater – ebenfalls ein Trompeter – absolvierte auch Sepp die Rekrutenschule im Spiel. Dass er in die Militärmusik aufgenommen wurde, darauf ist er heute noch stolz. Das merkt man gut, wenn er beim Erzählen in die Vergangenheit schweift.

«Ich wollte unbedingt dabei sein. Dazu war aber auch eine Portion Glück nötig. Wir waren 19 Trompeter, die sich um drei Plätze beworben. Mein Vorteil war wohl, dass ich wusste, worauf die Offiziere beim Vorspielen Wert legen. Etwa auf einen sauberen Haarschnitt und lautes, deutliches Sprechen», schildert er seine Erinnerungen an die Aufnahmeprüfung. Er habe ein Märschli gespielt, nicht schwer, aber sauber und fehlerlos. Sepp schliesst die Augen und summt die Melodie.

Jede Woche von Altishofen nach Flühli zur Probe fahren

Viele Kollegen der Kirchenmusik seien im Spiel gewesen, sagt Sepp. Er berichtet gerne von der Zeit im Entlebuch. «Es war eine wunderbare Kameradschaft. Selbst als ich bereits im Wiggertal wohnte, fuhr ich noch einige Jahre jede Woche nach Flühli zur Probe», sagt er. Musikalisch habe sich die Band im Laufe der Zeit enorm entwickelt. «Mit der Brass Band Kirchenmusik nahm ich an einigen Brass-Band-Wettbewerben in Montreux teil.» Angefangen als mittelmässige 3.-Klasse-Band, sei die Kirchenmusik Flühli heute in der 1. Klasse top.

Bis 1985 spielte er in Flühli, 18 Jahre lang. Mit der Zeit musste der eingefleischte Musiker erkennen, dass der Aufwand zu gross wird. «Als Metzger musste ich morgens um halb fünf im Stollen sein. Es wurde zu nahrhaft, den weiten Weg jede Woche auf mich zu nehmen. Zumal ich die Geselligkeit nach den Proben ja auch nicht pflegen konnte.»

Seine Frau hielt ihm stets den Rücken frei

Mit 25 heiratete er seine Frau Romy, mit der er drei Söhne hat. Zwei Jahre später, 1977 zogen sie nach Altishofen, wo der Mann sogleich der Musikgesellschaft beitrat. Sepp Banz war damals bei verschiedenen Bands engagiert. Als 23-Jähriger spielte er mit dem «Riostar-Quintett» an Maskenbällen, Vereinsanlässen und Silvesterpartys als Tanz- und Unterhaltungsorchester. Später war er Trompeter des Sextett «Tomcats» und aktuell hilft er bei der Stegreifgruppe «Mer isch gliich» aus. «Alles Kameraden aus dem Militärspiel 19», präzisiert Sepp, der auch mit einem Unterhaltungsduo musizierte. «Fast an jedem Wochenende war ich unterwegs. Ich wollte eigentlich langsam aufhören, aber es ist wie mit dem Rauchen. Schwierig.»

Immerhin ist er etwas kürzer getreten. «Dass ich so viele Jahre Musik in verschiedenen Formationen machen konnte, verdanke ich Romy. Wenn ich keine so gute Partnerin hätte, wäre das nicht möglich», sagt er. Romy Banz, die neben Sepp am Stubentisch sitzt, schmunzelt. Musikalisch ist sie nicht talentiert.

Am Musikfest und bei den Vorbereitungen engagiert sie sich dafür umso mehr. Sie unterstützt ihren Mann, wo es nur geht. Etwa wenn es darum geht, Helfer für das Fest zu rekrutieren. «Wir haben eine Liste mit möglichen Helfern erstellt. Ich erkannte einige Leute, die sich eignen würden für verschiedene Jobs. Sepp und andere Mitglieder der Musikgesellschaft haben die Leute persönlich angefragt mitzumachen. Etwa indem sie von Tür zu Tür gingen und direkt fragten», sagt Romy. 1400 Helfer sind für den Einsatz bereit.

Grillzange gegen die Trompete getauscht

Schon beim letzten Musikfest in Altishofen 1982 war das Paar im Einsatz. Sepp am Grill, Romy in der Küche. Er erinnert sich: «Als mein Ensemble, die Kirchenmusik Flühli, an der Reihe war, rannte ich nach Hause, zog die Uniform an und spielte mit ihnen. Den Grill übergab ich Romy.» Sie spielt die Empörte: «Den Grill habe ich nie zuvor gesehen. Ich wusste nicht, was ich damit anstellen sollte.» Das Steak, das sie dem Präsidenten der Harmonie Musik Marbach grilliert habe, sei aber trotzdem gut angekommen.

Am diesjährigen Musiktag ist kein Auftritt für Sepp Banz vorgesehen, nicht an der Trompete. Als Helfer tritt er jedoch stark in Erscheinung. Etwa als Begleiter eines Ensembles. Bei schönem Wetter werden 25 000 Besucher erwartet. Am Freitag wurde er mit 167 Musikanten als Veteran geehrt. 50 Jahre ist er im Luzerner kantonalen Blasmusikverband aktiv. Dass er nicht doch einen aus dem Stegreif zum Besten geben wird, schliesst er nicht aus. Das Köfferli ist ja auf Mann.

163 Veteranen geehrt

Insgesamt 163 Veteranen werden am Freitag in Altishofen für ihre Treue geehrt.

70 Jahre: Banz Oskar, MG Inwil, Stocker Walter; Fyrobe Musik Rothenburg.

60 Jahre: Arnold Xaver, MG Schlierbach; Bieri Ernst, BB FM Escholzmatt; Fähndrich Hans, FM Eschenbach; Gehrig Franz, Stadtmusik Willisau; Hodel Walter, BB MG Egolzwil; Kneubühler Josef, MG Richenthal-Langnau; Leupi Hans, BB Uffikon-Buchs; Riedweg Josef, MG Dagmersellen, Schwegler Franz, Blasorchester FM Rain; Storz Peter, MV Meggen; Troxler Peter, FM Willisau; Wallimann Hans, Harmoniemusik Luzern+Horw; Wigger Hans, BB Kirchenmusik Wiggen. (rgr)