Schlummerbecher in besetzter Luzerner Villa kommt einen Mann teuer zu stehen

Der Luzerner Kulturveranstalter Eugen Scheuch wird wegen Hausfriedensbruchs in der damals besetzten Bodum-Villa vom Kantonsgericht verurteilt – Unrecht in seinem Tun sieht er nicht.

Sandra Monika Ziegler
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Aussenansicht der Villa an der Obergrundstrasse 99 in Luzern. (Bild: Pius Amrein, Luzern, 4. Juli 2017)

Aussenansicht der Villa an der Obergrundstrasse 99 in Luzern. (Bild: Pius Amrein, Luzern, 4. Juli 2017)

In der Luzerner Kulturszene ist Eugen Scheuch als freier Konzertveranstalter im Neubad, Jazzkantine oder Südpol bestens bekannt. Der heute 43-Jährige gehörte im April 2016 zu einer Gruppe von Leuten, die sich in der damals besetzten Bodum-Villa an der Obergrundstrasse 99 aufhielten.

Das Haus wurde an jenem Dienstag von der Luzerner Polizei observiert. Als Scheuch dann morgens um drei das Haus verliess, wurde er wenig später von der Polizei kontrolliert. Ein knappes Jahr später folgte der Strafbefehl. Scheuch wurde wegen Hausfriedensbruchs zu einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen à 80 Franken und einer Busse von 400 Franken bestraft. Dagegen erhob er Einspruch, der Fall landete beim Bezirksgericht Luzern.

Dieses verurteilte ihn wegen Hausfriedensbruchs, erhöhte aber die Geldstrafe auf 30 Tagessätzen à 80 Franken. Auch dagegen wehrte sich Scheuch und legte Berufung ein. Vor Kantonsgericht forderte er einen Freispruch. Den Hausbesuch bestreitet er nicht. Nur, so Scheuch, sei er davon ausgegangen, dass die Liegenschaft bis zum angezeigten Räumungstermin vom 27. April von der Eigentümerin, der Bodum Land Obergrund AG, «geduldet» betreten werden darf.

Angeklagter ist sich keiner Straftat bewusst

Dem hält das Gericht entgegen, dass die Eigentümerin mit ihrem Strafantrag vom 20. April unmissverständlich zum Ausdruck gebracht habe, dass sie keinerlei Aufenthalt auf dem Grundstück toleriere. Scheuch wird zu einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen à 30 Franken mit einer Probezeit von zwei Jahren verurteilt. Und Gerichtskosten in Höhe von über 9300 Franken gehen seinen Lasten.

«Eigentum hat nicht nur Rechte,
sondern auch Pflichten»

«Viel Geld für drei Biere. Die Kosten stehen in keinem Verhältnis. Eigentum hat nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten», sagt er zum Urteil. Das ist zwar noch nicht rechtskräftig, wird aber nicht weitergezogen. Scheuch sagt: «Ich bedaure den Entscheid, bin jedoch nicht erstaunt. Es ist Zeit die politische Debatte mit einer Motion ‹Enteignung statt Abriss› anzukurbeln.»

Erst Ende April war die Luzerner Journalistin Jana Avanzini ebenfalls wegen Hausfriedensbruchs in derselben Villa verurteilt worden. Sie zieht den Schuldspruch weiter (wir berichteten).

Luzerner Journalistin wegen Hausfriedensbruchs vor Gericht

Eine 32-jährige Journalistin stand am Dienstag vor dem Bezirksgericht Luzern, weil sie 2016 die besetzte Bodum-Villa an der Obergrundstrasse betreten hatte. Der Vorwurf: Hausfriedensbruch. Für die Medien ist der Fall womöglich wegweisend.
Kilian Küttel