Luzerner Kantonsgericht reduziert Strafmass stark – Drogenkurier sitzt über ein Jahr zu Unrecht im Gefängnis

Gemäss dem Kriminalgericht soll ein Nigerianer als Bodypacker zehn Kilogramm Kokain in ein Luzerner Dorf gebracht haben. Das Kantonsgericht kommt nun zu einem ganz anderen Schluss.

Evelyne Fischer
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Das Urteilsdispositiv des Luzerner Kantonsgerichts kommt einem Befreiungsschlag nahe – verglichen mit den Vorwürfen, mit denen sich ein deutsch-englischer Doppelbürger konfrontiert sah: Das Kriminalgericht hatte den Nigerianer zu vier Jahren und zwei Monaten Gefängnis und einer bedingten Geldstrafe von 2700 Franken verurteilt. Der heute 49-Jährige soll zwischen 2005 und 2007 zehn Kilogramm Kokain über die deutsche Grenze in ein Luzerner Dorf gebracht haben – als Bodypacker, der Kokainfingerlinge schluckt. Auch banden- und gewerbsmässige Geldwäscherei wurde ihm vorgeworfen (Artikel vom 16. März 2019).

Der Fall kam ans Kantonsgericht (Artikel vom 9. Juli 2019). Dieses reduziert nun die Strafe stark: Es verhängt 26 Monate Freiheitsentzug, davon deren 13 unbedingt. Der Mann wird der einfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie der Geldwäscherei schuldig gesprochen.

Beschuldigter ist bereits zurück in England

Noch liegt kein begründetes Urteil vor. Dennoch steht fest: Der Verteidiger des Beschuldigten wird das Verdikt akzeptieren. «Ich bin befriedigt über den Ausgang des Verfahrens», sagt Anwalt Christoph Henzen aus Emmenbrücke. Sein Mandant sei mittlerweile zu seiner Frau nach England zurückgereist.

Gemäss Henzen habe man einzig eine Lieferung von 500 Gramm Kokain nachweisen können. Die 26 Monate würden nun jener Zeit entsprechen, die sein Mandant bereits abgesessen habe. 779 Tage, um genau zu sein. Da 13 Monate bedingt ausgesprochen wurde, hätte der Beschuldigte bereits nach 13 Monaten Gefängnis entlassen werden müssen, so Christoph Henzen. «Diese zweiten 13 Monate Freiheitsentzug wird der Beschuldigte nie mehr zurückerhalten.» Auch bekomme er keine Überhaftsentschädigung. Dies hinterlasse bei aller Freude über die Haftentlassung «einen schalen Nachgeschmack».