Luzerner Kantonsgericht
Sexueller Missbrauch und Vergewaltigung der Stieftochter: Angeklagter weist jede Schuld von sich

Ein Mann, der zwei 13-Jährige über Jahre sexuell missbraucht haben soll, weist die Vorwürfe zurück. Bei der zweiten Gerichtsverhandlung vor Kantonsgericht steht ein Gutachten im Zentrum.

Sandra Monika Ziegler
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Der heute 49-jährige Deutsche bestreitet den sexuellen Missbrauch seiner Stieftochter und deren Freundin - beide waren zur Tatzeit 13 Jahre alt. Das Luzerner Kriminalgericht hat den Mann letzten April zu 62 Monaten Haft, unter anderem wegen Vergewaltigung, verurteilt, eine Psychotherapie angeordnet und einen Landesverweis von zehn Jahren ausgesprochen. Der Mann sitzt seit November 2017 in Sicherheitshaft. Er ist nicht rechtsgültig verurteilt, der Fall wurde ans Kantonsgericht weitergezogen. Im Fokus der zweitinstanzlichen Verhandlung am Mittwoch stand das neu erstellte Gutachten.

Darin wird dem Beschuldigten eine sexuelle Störung mittelschweren Grades attestiert. Laut der Psychiaterin ist bei einer Verurteilung eine stationäre Massnahme nötig. Es sei ein langer Zeitraum von vier Jahren, in denen er die Stieftochter und deren Freundin missbraucht habe. «Die Grenzüberschreitungen fanden in den Jahren 2013 bis 2017 statt. [...] Er kann sich schlecht in die Opfer einfühlen, obwohl er dies eigentlich müsste. Das wiegt schwer», begründet die Psychiaterin.

Beschuldigter: Gutachten sei «Schwachsinn»

Eine ambulante Therapie sei mangels Einsicht nicht erfolgversprechend, so die Psychiaterin weiter: «Wir wissen nicht, was er gelernt hat, was die Haft mit ihm gemacht hat.» Seit der Verhaftung habe er die Taten bestritten und keinerlei Anzeichen einer Aufarbeitung gezeigt. Zum Inhalt des Gutachtens sagt der Beschuldigte nur: «Das ist ein Schwachsinn, ich fühle mich davon nicht angesprochen.»

Der Verteidiger hält fest: «Mein Mandant spricht nicht darüber. Aber er ist der Einzige, der es weiss.» Im Gutachten gehe es um eine Verdachtsdiagnose: «Nicht jede Sexualtat ist im Zusammenhang mit einer Sexualstörung zu sehen.» Bei einer Haftentlassung müsste der Mann die Schweiz für zehn Jahre verlassen. Aber die Frau wolle mit ihren Töchtern hier bleiben. Der Verteidiger sieht keine Gefahr und fordert einen Freispruch, wie bereits vor Kriminalgericht.

Staatsanwaltschaft will kleine Schwester schützen

Die Staatsanwältin plädiert für eine stationäre Massnahme. Da der Beschuldigte nebst der Stieftochter mit seiner Frau noch eine gemeinsame Tochter im Alter von zehn Jahren hat, betont sie: «Den Schutz der zehnjährigen Tochter gilt es zu wahren. Mit einem Kontaktverbot ist dies nicht gewährt. Er benötigt die Strukturen eines Massnahmezentrums, um einsichtig zu werden. Eine stationäre therapeutische Massnahme ist deshalb angebracht.» Er könne dazu auch in sein Heimatland Deutschland überstellt werden. Die Staatsanwältin hofft, dass der Termin vom Mittwoch der letzte Akt war. Sie hält am Strafmass von sieben Jahren fest.

Bei seinem «letzten Wort» sagt der Mann: «Ich bin schockiert, welche Geschichten zu Tage gezerrt werden. Ich weiss, ich habe das niemals begangen. Ich werde als Täter und Verbrecher hingestellt, ich werde aber nie einer sein. Ich bin unschuldig, ich habe nichts verbrochen. Die Vorwürfe sind Schwachsinn. Irgendwann muss doch Schluss sein.»

Das Urteil wird den Parteien schriftlich zugestellt.