Luzerner Kantonsgericht
Verurteilter beschwört seine Unschuld: «Die Vergewaltigung hat gar nie stattgefunden.»

Nach dem Luzerner Kriminalgericht verhandelte das Kantonsgericht. Der 33-jährige Schweizer hatte Berufung eingelegt. Die Staatsanwaltschaft bleibt dabei: Er ist ein Vergewaltiger.

Sandra Monika Ziegler
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Teaserbild für Gerichtsmeldungen für den Onlinekanal www.luzernerzeitung.ch. Bild für Gerichts-Themen, bei denen kein anderes Bild zur Verfügung steht.

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Der bereits vom Luzerner Kriminalgericht verurteilte 33-jährige Schweizer beteuert vor dem Kantonsgericht Luzern erneut seine Unschuld. Am Schluss der mehrstündigen Verhandlung sagt er: «Das ist schlimm und belastend. Jemanden anzuzeigen ohne Beweise und dass es dann zu einem solchen Prozess kommt. Es hat nie einen solchen Vorfall gegeben, wie ihn Frau X geschildert hatte.» Seit der Tat sind sieben Jahre vergangen.

Die 29-jährige Hausfrau lebt mit ihrem neuen Partner in der Luzerner Agglomeration. Sie und das mit dem Beschuldigten gemeinsame Kind haben keinen Kontakt zum Täter. Die Frau empfinde heute keinen Hass mehr gegen den Ex-Mann und habe die Tat verarbeitet, sagt sie bei der in einem Nebenraum durchgeführten Befragung. Ihr einziges Interesse sei, dass der Fall nach sieben Jahren endlich abgeschlossen werde und der Ex-Mann die Tat zugibt. Sie will vorwärts schauen, ist glücklich in ihrer neuen Beziehung.

Mit gezacktem Fischmesser zum Sex gezwungen

«Er wollte Sex, ich wollte nicht und wehrte ihn ab. Er zog sich nackt aus, kam mit dem Messer in der Hand auf mich zu und verlangte, dass ich mich auch ausziehe», beschreibt sie und sagt zum Messer: «Es war ein Fischermesser mit Zacken.» Diese habe er die ganze Zeit in der Hand gehabt und damit in ihrem Genitalbereich rumgefuchtelt. «Ich hatte Angst und öffnete die Beine, bevor etwas Schlimmeres passiert. Als alles vorbei war, wendete er sich ab. Ich ging ins Bad und hatte Ekel und Hass – ich wollte nur weg.»

Zu den Vorwürfen sagt Mann: «Ich kann nicht viel sagen. Die Vorfälle haben nicht stattgefunden, sondern sind erfunden.» Die Vorwürfe machten ihn traurig und würden seine neue Beziehung behindern. Sein Verteidiger führt ins Feld, dass trotz langem Strafregisterauszug seines Mandanten Gewalt nie ein Thema gewesen sei und fügt an: «Wie beweist man etwas, das nicht geschehen ist, das aber hätte geschehen können? Es bleibt uns nichts anderes übrig, als einer Person zu glauben und der anderen nicht.»

Staatsanwalt kontert Einwand der Verteidigung

Dem Mann werden nebst qualifizierter Vergewaltigung auch das Verkratzen eines Fahrzeuges und Klingelterror in den Morgenstunden vorgeworfen. Für den Staatsanwalt ist der Mann der Vergewaltiger. Auf den Einwand der Verteidigung, das Messer könnte erfunden sein, kontert der Staatsanwalt: «Weshalb? Das braucht es gar nicht. Der Vorwurf der Vergewaltigung genügt.» Sie fordert für alle Tatvorwürfe sechs Jahre Haft.

Die Verteidigerin folgt dem Strafantrag und sagt: «Nimmt einer ein Messer, um Sex zu bekommen, geht er davon aus, die andere will es nicht. Die Frau hat den Sex nur mit Drohung des Messers zugelassen.» Das Urteil wird den Parteien schriftlich zugestellt.