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Luzerner Kantonsrat: Die Auswahl steigt – das Interesse der Wähler sinkt

2015 gingen erstmals weniger als 40 Prozent der potenziellen Luzerner Wähler an die Urne. Wird ausgerechnet am 31. März die Trendwende eingeläutet?
Lukas Nussbaumer
Trotz der seit 1995 bestehenden Möglichkeit, auch brieflich zu wählen, sank die Wahlbeteiligung 2015 auf unter 40 Prozent. (Symbolbild: Roger Grütter)

Trotz der seit 1995 bestehenden Möglichkeit, auch brieflich zu wählen, sank die Wahlbeteiligung 2015 auf unter 40 Prozent. (Symbolbild: Roger Grütter)

Je ländlicher die Region, desto höher das Interesse daran, wer einen künftig im Luzerner Kantonsrat vertritt. Zu diesem Schluss kam, wer vor vier Jahren die Wahlbeteiligung in den 83 Gemeinden verglich. So teilten in den Wahlkreisen Entlebuch und Willisau 54,3 beziehungsweise 43,2 Prozent der möglichen Wähler ihren Willen mit. In der Gemeinde Flühli lag die Wahlbeteiligung mit 65,7 Prozent am höchsten.

Am anderen Ende der Skala ­befand sich der Wahlkreis Stadt Luzern, wo die Beteiligung nur 34 Prozent betrug. Die Rangliste der Politmuffel führte Dierikon an, wo bloss 22,9 Prozent der Stimmberechtigten an den Wahlen mitmachte. Letztlich resultierte im Kanton Luzern mit 38,7 Prozent der tiefste je gemessene Wert (siehe Grafik).

Wahlbeteiligung Kantonsratswahlen Luzern

(in Prozent)
1991199519992003200720112015Jahr01020304050

Zum Vergleich: 1959 gingen noch 90,5 Prozent der Luzerner Wahlberechtigten an die Urne. Die Wahlbeteiligung ist im Kanton Luzern jedoch nicht auf ein aussergewöhnlich tiefes Niveau abgesackt: Es gibt schweizweit elf Kantone, in denen die Beteiligung noch tiefer liegt (siehe Kasten am Ende des Artikels).

Was in der Gemeinde passiert, beschäftigt die Leute besonders

Für den Luzerner Politologen Olivier Dolder hat das sinkende Interesse an den kantonalen Wahlen «damit zu tun, dass die Lebensräume und die kantonalen Grenzen nicht mehr deckungsgleich sind». Ausserdem finde die kantonale Politik ­medial weniger Beachtung als die nationale, und kommunale An­gelegenheiten würden die Wähler oftmals stärker beschäftigen als ­kantonale.

Weder einen positiven noch einen negativen Einfluss auf die Wahlbeteiligung haben wird laut Dolder die mit 801 rekordhohe Zahl der Anwärter auf ein Mandat im 120-köpfigen Kantonsparlament. Schliesslich würden viele Kandidaten kaum einen aktiven Wahlkampf betreiben.

Fader Regierungsratswahlkampf fördert Beteiligung nicht

Einer steigenden Wahlbeteiligung auch nicht förderlich sein dürfte laut Dolder die heuer nur durchschnittlich spannende Ausgangslage bei den Regierungsratswahlen. Vier Bisherige – Guido Graf, Reto Wyss (beide CVP), Marcel Schwerzmann (parteilos) und Paul Winiker (SVP) – treten wieder an, und die FDP hat gute Chancen, ihren unbestrittenen Sitz mit dem neu kandidierenden Fabian Peter zu verteidigen.

Vor diesem Hintergrund haben die Herausforderer von SP, Grünen und Grünliberalen bloss Aussenseiterchancen. Dolder sagt denn auch: «Ich sehe keine Anzeichen für eine Trendwende bei der Wahlbeteiligung.» Ein Einpendeln auf tiefem Niveau halte er jedoch für möglich. Klar ist für Dolder, wo der Hebel angesetzt werden muss: «Es ist letztlich Aufgabe des Staates, dafür zu sorgen, dass seine Bürger an die Urne gehen. Es braucht politische Bildung in den Schulen, um auch diejenigen an die Urne zu bringen, die in politikfernen Familien aufwachsen.» Studien würden nämlich zeigen, dass das Elternhaus einen Einfluss auf die spätere politische Partizipation der Kinder habe.

Thurgau floppt, Tessin top

Wer die Beteiligung an den kantonalen Wahlen analysiert, stellt schnell fest: Die Luzerner Werte sind im Zentralschweizer Vergleich tief. Nur im Kanton Schwyz war die Beteiligung bei den letzten kantonalen Wahlen (2016) mit 37,7 Prozent noch geringer. In Zug lag sie 2018 bei 43,5 Prozent. Landesweit betrachtet, weist Thurgau mit 30,4 Prozent den schlechtesten Wert auf. Spitzenreiter ist mit 62,3 Prozent das Tessin (2015). (nus)

Hier finden Sie die Wahlbeteiligung in den Kantonen seit 1972.

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