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Luzerner Kantonsratswahlen: Der Panaschierkönig heisst Pius Kaufmann

CVP-Politiker Pius Kaufmann aus Wiggen hat über einen Viertel der Stimmen ausserhalb der Stammpartei geholt. Den zweiten Platz der Panaschierhitparade hat sich ein Politnewcomer gesichert.
Evelyne Fischer
Punktet auch ausserhalb der CVP: Kantonsrat Pius Kaufmann. (Bild: Nadia Schärli, Luzern, 18. Februar 2019)

Punktet auch ausserhalb der CVP: Kantonsrat Pius Kaufmann. (Bild: Nadia Schärli, Luzern, 18. Februar 2019)

Dieser CVP-Kantonsrat ist sehr gut vernetzt: Pius Kaufmann (48) Gemeindeammann von Escholzmatt-Marbach, hat am 31. März im Wahlkreis Entlebuch ausserhalb der eigenen Partei am meisten gepunktet. Der Entlebucher holte insgesamt 5140 Stimmen, der Anteil Fremdstimmen betrug über einen Viertel. Dies zeigen die am Mittwoch veröffentlichten Zahlen von Lustat Statistik Luzern:

Panaschierhitparade bei den Luzerner Kantonsratswahlen 2019

Fremdstimmenanteil in Prozent der fremden Parteilisten
Kantonsrat
Pius Kaufmann, CVP, Wiggen 26
Stefan Schärli, CVP, Menzberg 21,6
Vroni Thalmann, SVP, Flühli 21,4
Helen Schurtenberger, FDP, Menznau 20,1
Priska Wismer, CVP, Rickenbach 18,8
Inge Lichtsteiner, CVP, Egolzwil 17,6
Urs Marti, CVP, Zell 17,4
Guido Roos, CVP, Wolhusen 17,4
Andreas Hofer, Grüne, Sursee 16,8
Priska Galliker, CVP, Knutwil 16,3

Um den Vergleich zwischen den Parteien zu ermöglichen, nimmt Lustat eine Gewichtung vor: Die Fremdstimmenanteile werden ins Verhältnis zu den vorhandenen fremden Parteilisten gesetzt.

Verblüffend ist: Den Titel des Panaschierkönigs trägt Pius Kaufmann seit seinem Einzug ins Kantonsparlament 2007. Panaschieren heisst: Wähler streichen auf vorgedruckten Listen den Namen eines Kandidaten und ersetzen ihn durch einen Politiker einer anderen Liste. 3684 Stimmen sicherte sich Kaufmann auf CVP-Listen, 286 respektive 406 bei FDP beziehungsweise SVP. 627 Mal erschien sein Name auf freien Listen. Kaufmann sagt:

«Meine politische Arbeit wird offensichtlich auch nach zwölf Jahren im Kantonsrat über die Parteigrenzen hinaus geschätzt, das freut mich extrem.»

Er verortet sich im bürgerlichen Flügel der CVP und erklärt sich so die Unterstützung vieler SVP-Wähler. Er habe sich wohl in verschiedenen Kreisen einen Namen machen können: So war Kaufmann acht Jahre Präsident der Unesco Biosphäre Entlebuch, engagiert sich in Schwingerverbänden, ist Präsident der kantonalen Sportförderungskommission und ist im Zentralschweizer Komitee für den Durchgangsbahnhof Luzern aktiv.

Als Frischgewählter von links bis rechts gepunktet

Stefan Schärli. (Bild: PD)

Stefan Schärli. (Bild: PD)

Platz zwei der Hitparade belegt ein Polit-Newcomer: Der frischgewählte CVP-Kantonsrat Stefan Schärli (50) sicherte sich im Wahlkreis Willisau 8082 Stimmen, davon gut einen Fünftel von fremden Parteien. 480 auf der FDP-Liste, 427 bei der SVP und 382 auf Listen von Linksgrün. 827 Mal tauchte sein Name auf freien Listen auf. Schärli erreicht mit seiner Stimmenzahl hinter der Bisherigen Inge Lichtsteiner (Egolzwil) das zweitbeste Resultat. Dass sein Profil von links bis rechts auf Anklang stösst, überrascht Schärli. Er erklärt sich dies wie folgt: «Viele haben mir gesagt: Ich wähle dich – nicht wegen der Partei, aber wegen dir als Person.»

Man wisse offenbar, dass er für die Sache einstehe und nicht an einer «Profilierungsneurose» leide, scherzt der Menzberger.
Schärli leitet in einem Vollpensum die Notfallstation am Spital Wolhusen, hat ursprünglich die Bauernlehre absolviert und bewirtschaftet nebenbei ein Heimetli. Der ausgebildete Bariton tritt zudem als Gesangssolist auf. Schärli sagt:

«Meine Engagements haben mir wohl in ganz unterschiedlichen Bereichen zu einer gewissen Bekanntheit verholfen.»

Vroni Thalmann-Bieri. (Bild: PD)

Vroni Thalmann-Bieri. (Bild: PD)

Als einzige SVP-Vertreterin schafft es Vroni Thalmann-Bieri (50) in die Top Ten: Die Sozialvorsteherin von Flühli machte 3913 Stimmen, 546 Mal stand ihr Name auf einer CVP-Liste, 217 Mal tauchte sie bei der FDP auf, 36 Mal bei Linksgrün. 601 Nennungen auf freien Listen. Thalmann freut das gute Abschneiden:

«Ich bin breit abgestützt und werde nicht als Parteibüffel, sondern Konsenspolitikerin wahrgenommen.»

Vermutlich habe sie durch das volksnahe Kantonsratspräsidium ihren Bekanntheitsgrad steigern können. Mit Blick auf die Herbstwahlen stimme sie das Resultat positiv: «Vielleicht gelingt der Sprung nach Bundesbern dank Unterstützung aus allen Lagern dieses Jahr.» 2015 fehlten knapp 700 Stimmen.

Bärtsch: Panaschierkönigin im Wahlkreis Luzern-Stadt

Über die eigene Partei hinaus punkteten auch Kandidaten des linken Politspektrums: Im Wahlkreis Luzern-Stadt hatte Korintha Bärtsch, Grossstadträtin der Grünen und Regierungsratskandidatin, mit 14,7 Prozent Fremdstimmen die Nase vor. SP-Kantonsrätin Helene Meyer-Jenni aus Kriens siegte im Wahlkreis Luzern-Land (10,4), im Wahlkreis Hochdorf hat der Inwiler Fabian Peter (13,0) das Rennen gemacht – weil er in die Regierung gewählt wurde, muss auch die Zweitplatzierte (11,0) Monique Frey, Grüne-Kantonsrätin aus Emmen, erwähnt werden. Im Wahlkreis Sursee hat sich die Rickenbacher CVP-Kantonsrätin Priska Wismer-Felder (18,8) den obersten Podestplatz gesichert, in Willisau der bereits erwähnte Stefan Schärli, in Entlebuch Pius Kaufmann.

Alle gewählten Kantonsräte in der Übersicht

Hier finden Sie die Auswertungen von Lustat Statistik Luzern dargestellt in interaktiven Grafiken, sortiert nach Wahlkreis.

Wahlkreis Luzern-Stadt:

Wahlkreis Luzern-Land:

Wahlkreis Hochdorf:

Wahlkreis Sursee:

Wahlkreis Willisau:

Wahlkreis Entlebuch:

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