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Luzerner Kantonsratswahlen: Neue Erkenntnisse liegen vor

Lustat Statistik Luzern hat die Wahlen vom 31. März analysiert. Die Listen der CVP wurden zu 80 Prozent abgeändert, zehn Kantonsräte wären ohne Panaschierstimmen nicht gewählt worden. Und: Der Kantonsrat deckt die Bevölkerung nicht ab.
Kilian Küttel

Genau 80 Tage ist es her, seit das Luzerner Stimmvolk sein neues Kantonsparlament gewählt hat. Am Montag und Dienstag tagte der Kantonsrat erstmals in seiner neuen Zusammensetzung. Just zu diesem Zeitpunkt hat Lustat Statistik Luzern seine vertiefte Analyse der Wahlergebnisse vom 31. März veröffentlicht. Auf 61 Seiten haben die Statistiker die Wahlvorbereitung der Kandidaten, das Wählerverhalten und das neu zusammengestellte Kantonsparlament untersucht.

Eine neue Erkenntnis: Bei keiner anderen Partei wurden mehr Listen abgeändert als bei der CVP. Nur 18,9 Prozent der Stimmen erhielten die Christdemokraten über unveränderte Listen. Bei der Jungen CVP waren es mit 19 Prozent praktisch gleich wenige. Seit 2003 erhöhe sich der Anteil der unverändert eingelegten Parteilisten kontinuierlich, hält Lustat fest. Bei den Wahlen im März lag er bei 35,4 Prozent, 2015 waren es noch 30,5 Prozent.

Grüne und SP, CVP und SVP tauschten fleissig Stimmen

Weiter hat Lustat die Panaschierung untersucht – also Stimmen, die eine Partei von ausserhalb erhalten hat oder die sie an eine andere Partei abtreten musste: «Wird genauer betrachtet, wie die Stimmen zwischen den Herkunfts- und Empfängerparteien getauscht werden, zeigt sich, dass bei den Wahlen 2019 ein Grossteil der Stimmen innerhalb der eigenen Parteien blieb», heisst es im Bericht.

Der Luzerner Kantonsratssaal. (Bild: Nadia Schärli, 17. Juni 2019)

Der Luzerner Kantonsratssaal. (Bild: Nadia Schärli, 17. Juni 2019)

Das habe sich etwa im Wahlkreis Entlebuch gezeigt, wo am meisten Listen verändert worden seien. Zwischen 67 Prozent (FDP) und 78 Prozent (CVP und SVP) der Parteistimmen kamen von den eigenen Parteilisten.

Nichtsdestotrotz wurden auch fleissig Stimmen getauscht, beispielsweise die SP mit den Grünen und umgekehrt. Die Studie hält weiter fest: «Zwischen der SVP und der CVP kam es in allen Wahlkreisen ausser Luzern-Stadt zu einem beachtlichen Stimmenaustausch.»

Fünf Grüne und ein SVP-Politiker konnten über Parteigrenze hinaus punkten

Und noch etwas fällt auf in der 61-seitigen Analyse: Am 31. März wurden zehn Kantonsrätinnen und -räte nur dank der Panaschierstimmen gewählt. Darunter fünf Grüne wie Valentin Arnold (Hüswil), Judith Schmutz (Rain) oder Urban Frye (Luzern). Als ihn unsere Zeitung auf die neuen Erkenntnisse anspricht, ist Frye überrascht: «Aber im positiven Sinn. Dass fünf Grüne viele Stimmen über die Parteigrenzen hinweg gemacht haben, zeigt, wie wichtig unsere Anliegen der Bevölkerung sind.»

Ein anderer ist Urs Dickerhof. Der SVP-Fraktionschef aus Emmen hat laut der Studie rund 15 Prozent der Stimmen von anderen Parteien erhalten: «Wer als Emmer im Wahlkreis Hochdorf gewählt werden will, muss möglichst viele Stimmen in Emmen machen. Vielleicht haben mir meine ehemalige Tätigkeit im Gemeinderat oder meine ehrenamtlichen Tätigkeiten zu den Panaschierstimmen verholfen», so Dickerhof. Am meisten Stimmen ausserhalb der Partei und von freien Listen hat FDP-Kantonsrätin Sabine Wermelinger (Flühli) auf sich vereinbart. Nur knapp 60 Prozent der Stimmen erhielt sie über die eigene Parteiliste. Sie sagt: «Ich freue mich, dass ich auch ausserhalb meiner Partei eine beachtliche Anzahl Stimmen erhalten habe.»

Akademiker sind im Rat übervertreten

Pointiert äussern sich die Statistiker bei einem anderen Thema: «Der Kantonsrat bildet die Bevölkerung nicht repräsentativ ab.» Im Vergleich zur Kantonsbevölkerung seien die Absolventinnen und Absolventen tertiärer Bildungsgänge im Kantonsrat «deutlich überrepräsentiert».

81 Prozent der Räte würden über einen Abschluss auf Tertiärstufe verfügen. Bei der Bevölkerung ab 25 Jahren seien dies nur 32 Prozent. Hier noch die vertretenen Altersgruppen im Vergleich:

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