Luzerner Kantonsspital hat 26,3 Millionen Franken in die Aufstockung des Tumorzentrums investiert

Nun finden alle Tumorbehandlungen unter einem Dach statt: Das Luzerner Kantonsspital hat das Onkologie-Gebäude um zwei Stockwerke erweitert.

Evelyne Fischer
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Von der Krebsdiagnose, über die Beratung bis hin zur Behandlung und Pflege: All dies vereint das Kantonsspital in seinem Tumorzentrum auf dem Areal in Luzern. Während gut einem Jahr Bauzeit ist das Gebäude um zwei auf vier Etagen ergänzt und grösstenteils renoviert worden, im Februar wurden die neuen Stockwerke in Betrieb genommen. Hauptgrund für den 26,3 Millionen Franken schweren Ausbau: die wachsende Patientenzahl – unter anderem demografisch bedingt durch die steigende Anzahl älterer Menschen.

Blick auf das aufgestockte Tumorzentrum am Luzerner Kantonsspital.

Blick auf das aufgestockte Tumorzentrum am Luzerner Kantonsspital.

Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 4. März 2020)

Eine der interessantesten Neuerungen: die nuklearmedizinische Therapiestation. Nach der Hirslanden Klinik St. Anna verfügt nun auch das Luzerner Kantonsspital über zwei speziell abgeschirmte Zimmer, in denen Patienten mit Schilddrüsenerkrankungen mit radioaktivem Jod behandelt werden können. Die leitende Ärztin, Marisol Pérez, sagt: «Da Jod praktisch ausschliesslich von der Schilddrüse aufgenommen wird, ermöglicht dies eine gezielte und sehr effektive Bestrahlung von Krebszellen oder Zellen mit Überfunktion.» Geplant ist die schrittweise Einführung von weiteren nuklearmedizinischen Therapien, beispielsweise bei Prostatakarzinomen.

Strahlentherapie inmitten der Baustelle

Erleichtert über das Ende der Bauzeit zeigt sich Gabriela Studer, Chefärztin der Radio-Onkologie und Leiterin des Tumorzentrums. Aufgrund der für die Behandlung nötigen, fix installierten Linearbeschleunigern und den hierfür speziell strahlengeschützten Räumlichkeiten musste das Team der Radio-Onkologie vor Ort weiterarbeiten. Eine Herausforderung, sowohl für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie auch für die Patienten.

Kurze Wege: In der Apotheke des Tumorzentrums werden beispielsweise Medikamente für eine Chemotherapie hergestellt.
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Mit radioaktivem Jod können nun auch am Kantonsspital beispielsweise Schilddrüsenerkrankungen behandelt werden.
Neu stehen auch im Tumorzentrum am Luzerner Kantonsspital zwei Betten für nuklearmedizinische Therapien zur Verfügung.
Marisol Pérez, ärztliche Leiterin der nuklearmedizinischen Therapiestation, mit einer Bleiwand, die für Besprechungen mit Patienten dieser Station verwendet wird.
Bei den aufgehängten Bildern im Tumorzentrum hatten die Angestellten ein Mitspracherecht.
So sieht das neue Tumorzentrum am Luzerner Kantonsspital von innen aus.
Rundgang beim neuen Tumorzentrum am Luzerner Kantonsspital.
Aussenansicht des aufgestockten Tumorzentrums am Luzerner Kantonsspital.

Kurze Wege: In der Apotheke des Tumorzentrums werden beispielsweise Medikamente für eine Chemotherapie hergestellt.

Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 4. März 2020)

Was das Luzerner Tumorzentrum unter anderem auszeichnet: die wöchentlichen interdisziplinären Tumorkonferenzen. Jeder Patient mit einem bösartigen Leiden wird im Expertengremium besprochen – Ärzte von Altdorf bis Stans schalten sich zu. «Gemeinsam suchen wir nach der nach heutigem Wissensstand bestmöglichen Therapie für jeden einzelnen Patienten», sagt Gabriela Studer. Pro Woche werden so rund 200 Fälle diskutiert.

Mehr Widersprüche gegen Krebsregistrierung

Seit dem Jahr 2010 dokumentieren die Kantone Luzern, Uri sowie Ob- und Nidwalden jede Krebserkrankung in einem gemeinsamen Register. Mit Inkrafttreten des Bundesgesetzes zur landesweiten Krebsregistrierung werden nun seit Anfang Jahr alle Fälle in einem nationalen Register festgehalten. Die Ärzte sind verpflichtet, die entsprechenden Diagnosen zu übermitteln. «Dieser Schritt erfolgt am Luzerner Kantonsspital über ein entsprechendes Feld in der elektronischen Krankenakte», sagt Joachim Diebold, Chefarzt der Pathologie.

Bei der Krebsregistrierung gilt das Widerspruchsrecht. «Davon haben in den letzten Jahren jeweils nur Vereinzelte Gebrauch gemacht», sagt Diebold. «So haben wir eine fast vollständige Erfassung der Fälle erreicht.» Seit der Gesetzesänderung würden allerdings mehr Patienten die Registrierung verweigern. «Vermutlich aus Angst, der Datenschutz könnte nicht ausreichend garantiert sein», sagt Diebold. «Aus meiner Sicht sind diese Sorgen unbegründet. Die Daten werden anonymisiert an die nationale Krebsregistrierungsstelle weitergeleitet.»