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Vom Papier zum Tablet: Der Arbeitsalltag im Luzerner Kantonsspital wird digital

Nach über zwei Jahren Vorarbeit ist es am Samstag soweit: Mit der Einführung des neuen Klinikinformationssystems (Lukis) setzt das Luzerner Kantonsspital auf die durchgehende Digitalisierung des Klinikalltags.
Zéline Odermatt
Lukis-Projektleiter Xaver Vonlanthen (links) mit Spitaldirektor Benno Fuchs in der Einsatzzentrale. (Bild: Pius Amrein, Luzern, 19.September 2019)

Lukis-Projektleiter Xaver Vonlanthen (links) mit Spitaldirektor Benno Fuchs in der Einsatzzentrale. (Bild: Pius Amrein, Luzern, 19.September 2019)

In der Nacht auf Samstag ist es so weit. Um drei Uhr wird der rote Knopf gedrückt. Ein metaphorischer Knopf, versteht sich. Ab diesem Moment arbeiten rund 5500 Mitarbeiter in Medizin, Pflege und Administration an allen Standorten des Luzerner Kantonsspitals (Luks) mit dem neuen, umfassenden Klinikinformationssystem Lukis. Zwei Jahre dauerte die Vorarbeit des knapp 66 Millionen Franken teuren Vorhabens.

«Das Projekt ist sehr ambitiös», erzählt Luks-Direktor Benno Fuchs an einer Medienkonferenz in der für die Umstellung eingerichteten Einsatzzentrale. Das Luks ist das erste deutschsprachige Spital, welches mit dem System der US-Firma Epic arbeitet – weltweit sind es rund 1000 Kliniken. Fuchs:

«Lukis ist unser neues Herzstück. Es ist wichtig, dass alle Daten auf den Patienten hin fokussiert zusammenlaufen, damit dieses Wissen am Patientenbett abrufbar ist und somit die Qualität der Behandlung weiter gesteigert werden kann.»

Wie das im Alltag genau funktioniert, erklärt die Co-Chefärztin Medizin Dorothée Rhein Straub: Eine Patientin wird extern von einem Hausarzt überwiesen und bei ihrer Ankunft im System erfasst. Während sie ihre Beschwerden erklärt, im Wartezimmer sitzt und später eine erste Untersuchung stattfindet, werden die zugehörigen Daten parallel im Lukis erfasst. Jede weitere Behandlung wird chronologisch protokolliert und einige Daten, wie zum Beispiel die Puls-Messung, laufen automatisch ins System. Dafür werden insgesamt 5000 Geräte wie Laptops, Tablets und Smartphones verwendet.

«Wir sind sehr zuversichtlich, dass die Umstellung klappt, haben aber natürlich auch grossen Respekt», so Fuchs. Für das Projekt wurde im Juni 2017 ein Team mit rund 90 Mitarbeitern aus allen Fachrichtungen gebildet, die das System gemeinsam mit Epic konfiguriert haben. Die meisten der 5500 Mitarbeiter wurden jedoch diesen Sommer ein bis drei Tage geschult. Für sie ist die Umstellung zunächst ein Mehraufwand, weshalb ein Ferienstopp verhängt wurde (wir berichteten).

Dr. med. Dorothée Rhein Straub, Co-Chefärztin Medizin (Mitte), wird in Zukunft mit einem Tablet oder Laptop bei der Arbeit unterwegs sein. (Bild: PD)

Dr. med. Dorothée Rhein Straub, Co-Chefärztin Medizin (Mitte), wird in Zukunft mit einem Tablet oder Laptop bei der Arbeit unterwegs sein. (Bild: PD)

Spital erwartet einige Startschwierigkeiten

Die Rückmeldungen der Mitarbeiter seien unterschiedlich ausgefallen: «Einige sagten, dass es zu viel ist. Der Sprung vom Papier auf die digitale Arbeitsplattform ist natürlich gross. Viele freuen sich aber auch darauf», erklärt Lukis-Projektleiter Xaver Vonlanthen. Für interessierte Mitarbeiter seien zusätzlich PC-Grundkurse angeboten worden. «Diese wurden häufiger besucht, als wir gedacht hätten.»

Die Leitung erwartet demnach auch einige Startschwierigkeiten. Obwohl die Logins der Mitarbeiter bei den Schulungen getestet worden sind, werde man in den ersten Tagen Schwierigkeiten mit dieser Thematik haben. «Viele Mitarbeiter haben unterschiedliche Funktionen, und deshalb kann es sein, dass nicht die richtige Oberfläche im Lukis erscheint», erklärt Vonlanthen. Weiter könne es beim Start öfters zu Problemen mit Druckern kommen. Deshalb sei die Einsatzzentrale in den nächsten Wochen 24 Stunden am Tag für das Personal da. «Wir geben uns 100 Tage Zeit, bis das System eingespielt ist», sagt Vonlanthen.

Trotz intensiver Vorbereitung könne es in den nächsten Wochen zu Verzögerungen und Störungen bei der Datenbearbeitung kommen. Vonlanthen: «Wir erklären den Patienten dann jeweils, weshalb es länger geht und weshalb so viele Menschen im Spital unterwegs sind.» Die Patienten sollen ab Ende Jahr stärker eingespannt werden. Über das Portal «MeinLuks» erhalten sie Zugriff auf ihre Daten (wir berichteten). Mit der Umstellung auf Lukis steht auch der Datenschutz im Fokus. Vonlanthen: «Es gibt keine 100-prozentige Sicherheit.» Aber man verfüge über die neusten Abwehrmechanismen, um sich gegen Hacker-Angriffe zu wappnen. Wie gut der Wechsel ablaufen wird, zeigt sich in den nächsten Tagen und Wochen. Ist der rote Knopf erstmal gedrückt, gibt es kein Zurück mehr.

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