Luzerner Kantonsspital: Nun fällt auch der Chefarzt des Zentrums für Intensivmedizin aus

Das Zentrum für Intensivmedizin kommt personell nicht zur Ruhe: Chefarzt Lukas Brander nimmt eine Auszeit. Und es sind wegen Personalmangel weiterhin mehrere der 22 Betten nicht in Betrieb.

Lukas Nussbaumer
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Lukas Brander, Chefarzt des Zentrums für Intensivmedizin (ZIM) am Luzerner Kantonsspital, legt «eine Denkpause» ein. Dies schreibt er in einer Mail an seine Kolleginnen und Kollegen. In dem unserer Zeitung vorliegenden Schreiben hält der Kaderarzt weiter fest, die Entwicklung des ZIM über die vergangenen Jahre und die Ereignisse der letzten Monate hätten «persönlich viel Energie gekostet und Spuren hinterlassen».

Lukas Brander

Lukas Brander

Wie lange Branders Auszeit dauert, lässt die Kommunikationsabteilung des Kantonsspitals offen. Dem Vernehmen nach wird der 52-Jährige während dreier Monate fehlen. Interimistischer Gesamtleiter des ZIM ist nun Marco Rossi, Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene sowie stark involviert in das mit Kinderkrankheiten kämpfende Klinikinformationsprojekt «Lukis» (wir berichteten). Rossi habe «bereits in den vergangenen Wochen mitgeholfen, die personell und organisatorisch anspruchsvolle Situation zu bewältigen», sagt Angela Lötscher von der Unternehmenskommunikation des Kantonsspitals auf Anfrage.

Unklare Situation bei Kader- und Oberärzten

Branders vorübergehender Rückzug von seiner Position als Chefarzt ist nicht der erste Ausfall eines Kaderarzts am ZIM. So machte unsere Zeitung Mitte November publik, dass zwei der drei Kaderärzte aus Krankheitsgründen fehlen, dazu waren zu diesem Zeitpunkt zwei Oberarzt-Stellen nicht besetzt. Als Folge dieser Personalknappheit wurde die Zahl der Betten im ZIM von 22 auf 11 halbiert.

Das Zentrum für Intensivmedizin (vorne) am Luzerner Kantonsspital wurde 2017 neu gebaut. Im Hintergrund das Spitalzentrum.

Das Zentrum für Intensivmedizin (vorne) am Luzerner Kantonsspital wurde 2017 neu gebaut. Im Hintergrund das Spitalzentrum.

Bild: Patrick Hürlimann

Ausserdem wurden bereits geplante Operationen, die keine Notfälle sind, zeitlich oder räumlich verschoben – bis zu 45 Eingriffe wöchentlich. Zwei Wochen später, am 29. November, kommunizierte das Kantonsspital, die Bettenzahl werde von 11 vorerst wieder auf 14 erhöht. Ob die vor sechs Wochen nicht arbeitenden Kaderärzte wieder zurückgekehrt sind und ob die Vakanzen bei den Oberärzten besetzt wurden, kommuniziert das Kantonsspital «aus Gründen des Persönlichkeits- und Datenschutzes» nicht. Spitalsprecherin Angela Lötscher sagt jedoch:

«Die Lage am Zentrum für Intensivmedizin hat sich erfreulich stabilisiert. Das gilt auch für die ärztliche Personalsituation.»

Vor sechs Wochen äusserte sich das Kantonsspital zum Personalengpass detaillierter und machte die Zahl der Ausfälle bei den Ärzten publik.

Bettenzahl wird am 6. Januar 2020 um zwei erhöht

Als Folge der Stabilisierung am Zentrum für Intensivmedizin können am 6. Januar 2020 zwei weitere Betten in Betrieb genommen werden, sagt Angela Lötscher. Dies ermögliche es – ergänzend zu schweren Notfällen – wieder mehr komplexe, elektive Wahleingriffe vorzunehmen. Eine weitere Erhöhung der betriebenen Betten ist gemäss Lötscher «vorrangig abhängig von der Personalrekrutierung».

Sicher ist: Am Zentrum für Intensivmedizin werden weiterhin Wahleingriffe zeitlich verschoben oder sie werden an den weiteren Standorten des Luzerner Kantonsspitals in Sursee oder Wolhusen durchgeführt, teils auch am Kantonsspital Nidwalden in Stans oder anderen Kliniken. Der Grossteil der stationären Eingriffe in Luzern – etwa 95 Prozent – ist von den Massnahmen nicht betroffen. Das ZIM wurde 2017 zusammen mit dem Notfallzentrum für 50 Millionen Franken neu gebaut. Kritische Stimmen sagten schon damals, die Kapazität mit 22 Betten sei zu gering. Laut der Spitalleitung wird eine Erweiterung des ZIM geprüft.

Luzerner Kantonsspital kann wieder neue Jobs schaffen

Inzwischen aufgehoben wurde der Anfang 2019 von der Spitalleitung für vorerst sechs Monate ausgerufene und dann um ein weiteres halbes Jahr verlängerte Stellenstopp. Die Sparmassnahme galt nicht für die Wiederbesetzung von Jobs, sondern nur für die Schaffung von neuen.

Mit der Aufhebung des Stellenstopps kommt das Luzerner Kantonsspital einer Aufforderung der Zentralschweizer Sektion des Verbands Schweizerischer Assistenz- und Oberärzte nach.

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