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Luzerner Kantonsspital verlängert Stellenstopp – Ärzte befürchten Auswirkungen auf Patienten

Bis mindestens Ende Jahr schafft das Unternehmen keine neuen Stellen. Diese Anfang 2019 eingeführte Sparmassnahme wird um sechs Monate verlängert. Das spürt nicht nur das Personal.
Christian Glaus
Der Stellenstopp beim Luzerner Kantonsspital hält an. (Bild: Pius Amrein, Luzern, 18. Februar 2019)

Der Stellenstopp beim Luzerner Kantonsspital hält an. (Bild: Pius Amrein, Luzern, 18. Februar 2019)

Die Rede ist vom Tarif-Schock: Weil der Bundesrat Ende 2017 die Tarife für ambulante Behandlungen gesenkt hat, ist der Gewinn beim Luzerner Kantonsspital (Luks) auf einen Schlag um rund 20 Millionen Franken geschrumpft. In der Folge ergriff das Spital für 2019 Sparmassnahmen, um keine roten Zahlen zu schreiben. Dazu gehörte ein Stellenstopp bis Ende Juni.

Dies reicht offenbar nicht: Der Stellenstopp wird bis Ende Jahr verlängert, wie Luks-Sprecherin Bettina Wildi auf Anfrage bestätigt: «Es geht eine gewisse Zeit, bis Sparmassnahmen ihre Wirkung entfalten. In dieser Phase befinden wir uns jetzt.» Das Spital will zwar keine Zahlen zum ersten Quartal nennen, weil diese zu wenig aussagekräftig seien. Wildi sagt aber:

«Weil der finanzielle Druck hoch bleibt, werden die Sparmassnahmen weitergeführt.»

Vom Stellenstopp sind alle Bereiche betroffen. Ausnahmen gibt es nur bei Stellen, die bereits 2018 bewilligt wurden, etwa für Bauprojekte oder die im Juni erfolgte Erweiterung des Herzkatheterlabors. Ende 2018 zählte das Luks 7142 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Spitalleitung kündigte an, dass bei frei werdenden Stellen jeweils geprüft werden muss, ob diese wieder besetzt werden. Zu einem Stellenabbau sei es allerdings nicht gekommen, erklärt Wildi. Ein solcher sei auch nicht geplant. Hingegen prüft eine Taskforce Massnahmen zur Effizienzsteigerung. Wildi: «Sparmassnahmen werden heute im gesundheitspolitischen Umfeld laufend evaluiert und wo gut möglich umgesetzt.»

Berufsverband beklagt Personalmangel

Aufgrund des Stellenstopps kam es gemäss Luks zu keinen Engpässen. Das sehen die Personalvertreter anders. Die Belastung für das Pflegefachpersonal sei spürbar gestiegen, sagt Miriam Rittmann, Präsidentin der Zentralschweizer Sektion des Berufsverbands der Pflegefachleute (SBK). «Bei qualifiziertem Personal besteht am Luks ein Nachholbedarf, da schon lange keine Anpassungen am Stellenschlüssel gemacht wurden.» Erschwerend komme hinzu, dass derzeit das digitale Klinikinformationssystem Lukis eingeführt werde. Dieses Grossprojekt binde «extrem viele Ressourcen». Mitarbeiter, die an der Schulung teilnehmen, würden in dieser Zeit auf der Abteilung fehlen, zudem werde eine hohe Flexibilität erwartet. Das führe nicht nur zu einer hohen Arbeitsbelastung, sondern tangiere auch die Freizeitgestaltung, sagt Rittmann. Davon merke der Patient zwar nichts, weil die gleiche Leistung geboten werde.

«Dies geht aber zu Lasten des Personals. Die Stimmung ist im Moment angespannt.»

Der Berufsverband ist mit dem Stellenstopp nicht einverstanden. Dass dieser in der jetzigen Phase noch verlängert werde, sei «ein ganz schlechtes Signal».

Längere Wartezeiten für Patienten?

Bei den Ärzten habe der Stellenstopp keine negativen Auswirkungen auf die einzelnen Mitarbeiter, sagt Ivo Fähnle, Präsident der Zentralschweizer Sektion des Berufsverbands der Assistenz- und Oberärzte (VSAO). Schon heute gelte die maximal zulässige Arbeitszeit von 50 Stunden pro Woche als Standard. Hingegen könnte der Stellenstopp für die Patienten zu längeren Wartezeiten führen. Denn die Patientenzahlen steigen – unabhängig vom Stellenstopp. «Und in einzelnen Abteilungen besteht schon heute ein Mangel an Ärzten», sagt Fähnle.

Da die Ärzte punkto Arbeitszeit bereits am gesetzlichen Limit sind, müssen sämtliche Überstunden kompensiert werden. Wie viele Überstunden das Pflegefachpersonal leistet, ist nicht bekannt. Fakt ist hingegen, dass ab September wegen der Einführung von Lukis eine Ferien- und Kompensationssperre gilt. Für Rittmann ist klar: Dies wird sich im nächsten Jahr rächen, wenn das Pflegepersonal überschüssige Ferien- und Kompensationstage von 2019 bezieht.

Rittmann sieht die schwierige Situation aber auch als Chance. Als Chance, um über Umstrukturierungen nachzudenken – «zu Gunsten der Pflege». Denn dort müssten wieder mehr Ressourcen investiert werden. Insbesondere brauche es mehr Fachpersonal. «Das Pflegepersonal ist am nächsten am Patienten dran. Es sieht zuerst, wenn ihm etwas fehlt – meist noch vor dem Arzt.»

Dass künftig wieder mehr Zeit in die Pflege investiert werden kann, glaubt Nana Amstad. Die Theologin ist Leiterin Seelsorge und Care Team beim Luks und Präsidentin der Personalkommission. «Das neue Klinikinformationssystem Lukis wird administrativ zu einer Entlastung führen», sagt sie. Wegen der Verlängerung des Stellenstopps seien bisher keine Mitarbeiter auf die Personalkommission zugekommen. Wahrscheinlich sei dieser Schritt von vielen schon erwartet worden. Auch glaubt Amstad, dass diese Sparmassnahme verstanden und respektiert wurde.

«Wichtig ist für uns, dass keine Stellen abgebaut werden. Dann würden wir anders auftreten.»

Mit einem Abbau rechnet die Personalkommission allerdings nicht, denn beim Personal besteht kaum Spielraum und eine Streichung von Stellen würde der qualitativ hochstehenden Medizin und dem Image schaden.

Luks braucht für Investitionen grosse Gewinne

Allerdings ist auch klar, dass das Luks den Gewinn steigern muss. Nur so kann es die anstehenden Grossinvestitionen, wie etwa den Spitalneubau in der Region Sursee oder das Kinderspital in Luzern, finanzieren. Mittelfristig sind Gewinne von jährlich 30 bis 40 Millionen Franken nötig, wie Finanzchef Hansjörg Schmid gegenüber unserer Zeitung erklärte. Davon war das Luks im vergangenen Jahr mit einem Gewinn von 4,1 Millionen weit entfernt. Bei der Präsentation des Geschäftsberichts im April dieses Jahres sagte Direktor Benno Fuchs mit Blick auf das laufende Geschäftsjahr: «Ein Nullergebnis wäre sicher unbefriedigend.»

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