Luzerner Kirchen streamen nun live

In der Luzerner Seelsorge werden wegen der Corona-Krise neue Wege begangen. Gottesdienste finden weiterhin statt – einfach ohne Publikum.

David von Moos
Drucken
Teilen
Pfarreileiter Christof Hiller zeigt, wie eine mediale Messe mit Kameraübertragung in der katholischen Kirche von Ruswil funktioniert.

Pfarreileiter Christof Hiller zeigt, wie eine mediale Messe mit Kameraübertragung in der katholischen Kirche von Ruswil funktioniert.

Bild: Eveline Beerkircher (Ruswil, 19. März 2020)

Am Montag hat der Bundesrat den Notstand für die Schweiz erklärt, um den Anstieg der Corona-Erkrankungen zu bremsen. Die Landeskirchen im Kanton Luzern tragen diesen Schritt mit, wie sie diese Woche mitteilten. Aufgrund der ausserordentlichen Lage und der verschärften Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung wurden sämtliche Gottesdienste und kirchliche Anlässe abgesagt. Davon sind auch Hochzeiten und Taufen betroffen.

«Wir tun das Möglichste, um Leben zu schützen und zu retten», heisst es in einer Mitteilung an die katholischen Kirchgemeinden. «Das bedeutet jedoch nicht, dass Kirche nicht stattfindet», liess die reformierte Landeskirche des Kantons Luzern verlauten. Nun seien innovative und neue Wege gefragt, um «situationsgerechte Alternativen» zu finden.

Mit dem Tablet in die Kirche

Seinen ersten Gottesdienst vor leeren Kirchbänken gestreamt hat am Mittwoch Christof Hiller, Seelsorger der Pfarrei St. Mauritius in Ruswil. «Es war schon eine sehr eigenartige Erfahrung», sagt Hiller auf Anfrage. Normalerweise seien Gottesdienste eine sehr kommunikative Angelegenheit, weil man die Leute vor sich habe, ihnen ins Gesicht schauen und auch daraus lesen könne. «Nun muss ich mir mein Publikum halt vorstellen.»

Die Technik sei die gleiche, die man vorher auch schon für die Übertragung der Sonntagsgottesdienste ins Altersheim verwendet habe. Christof Hiller spricht in eine fest installierte Kamera, die an der Decke einer der beiden Emporen hängt. «Die ist zwar rund 25 Meter von mir weg, je nach Zoom können aber auch nur Altar und Prediger gezeigt werden.» Angst, beim Beten gefilmt zu werden, müssten die Gläubigen – wenn sie dann wieder zusammen in die Kirche gehen können – aber keine haben. «Gottesdienstbesucherinnen und -besucher dürfen aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht gefilmt werden», betont Hiller.

Laut dem Seelsorger kommt das neue Angebot gut an. Wie viele Leute bei der Premiere am Mittwoch vor den Bildschirmen mit dabei waren, kann er allerdings nicht sagen: «Das läuft über einen externen Streaming-Anbieter.» Es gehe aber ohnehin nicht um Klicks, so Hiller. «Wichtig ist, dass man sich in diesen Tagen trotz Social Distancing nahe bleibt.» Das sei für manche schwierig geworden. «Wir müssen miteinander in Kontakt bleiben und zeigen, dass wir füreinander da sind.» Dass die eigentliche Kommunion, das Austeilen der Hostie, virtuell nicht durchgeführt werden kann, ist für Hiller verkraftbar. «Innerlich können wir uns trotzdem mit Gott verbinden.» Generell könne er feststellen, dass Spiritualität derzeit wieder eine grössere Rolle im Leben der Menschen spiele. «Es ist die Frage nach dem Warum, die viele Leute jetzt interessiert. Man setzt sich in Krisenzeiten auch anders mit Dankbarkeit auseinander.» Schliesslich müsse man zusammenhalten. «Es wird uns wieder einmal richtig bewusst, dass wir gemeinsam auf dieser Erde leben.»

Um dieses «Wir-Gefühl» zu verstärken, sind in Ruswil schon weitere Livestreams geplant. Ab kommender Woche wird jeweils montags bis samstags um 9.30 Uhr ein sogenannter «Lichtblick» übertragen, «eine kurze Besinnung, die Mut machen will und die via Computer, Tablet oder Smartphone abgerufen werden kann», wie es auf der Homepage der Pfarrei heisst. «So bleiben wir miteinander im Gebet verbunden.» Die Seelsorgenden von Ruswil wollen aber auch ganz konkret helfen. «Mit Briefen und Flugblättern fordert unser Frauenverein die Bevölkerung aktiv dazu auf, ältere Menschen direkt zu unterstützen, etwa durch persönliche Kontaktaufnahme oder indem man für sie Einkäufe erledigt», betont Hiller. «Nachbarschaftshilfe ist auch Seelsorge.»

Man könne sich vorstellen, die neuen Angebote auch nach der Corona-Krise weiterzuführen, so Hiller. «Genau haben wir uns das noch nicht überlegt, auch weil datenschutztechnische Details noch offen sind. Im Moment haben wir ja keine Leute in der Kirche. In dieser speziellen Situation haben wir das jetzt einfach mal ausprobiert.» Schliesslich solle man die technischen Möglichkeiten, die sich böten, auch nutzen. Auch eine Übertragung via Facebook stehe zur Diskussion. Schliesslich erhofft sich das Seelsorgeteam, über digitale Kanäle auch wieder mehr junge Menschen zu erreichen.

«Vorgaben für Online-Gottesdienste gibt es keine», heisst es beim Bistum Basel auf Anfrage. Die Pfarreien agierten selbstständig. Diese setzen denn auch auf ganz unterschiedliche Massnahmen. Der Pastoralraum Michelsamt und die Kirchgemeinde Beromünster stellen in der Gemeinde Beromünster und im ganzen Pastoralraum eine Notfallnummer (077 529 96 34) zur Verfügung. Personen können sich ab sofort da melden – «sei es für einen Fahrdienst, einen Hütedienst, eine spezielle Besorgung, ein soziales Anliegen oder einfach ein Gespräch», wie es in einer entsprechenden Mitteilung heisst. Auch im Pastoralraum Horw wird die telefonische Erreichbarkeit des Seelsorgeteams erweitert.

Alleine bleiben Kirchgänge möglich

Eine Schliessung der Gotteshäuser ist vorerst noch kein Thema, wie die Landeskirchen mitteilten. Alle sollen darin beten oder eine Kerze anzünden können. Die Hauswarte würden regelmässig Türklinken, Handläufe und andere Oberflächen reinigen. Ebenso geöffnet seien die Pfarreisekretariate, über die Seelsorgende kontaktiert werden können.

Trauern per Livestream

Erlaubt sind aktuell noch Bestattungen. Diese dürfen nur noch im engsten Familienkreis durchgeführt werden, es gelten hohe Sicherheitsvorkehrungen. Wer nicht blutsverwandt ist, hat keinen Zutritt. Die Kontrollen werden von Friedhofsmitarbeitern am Haupteingang durchgeführt.

Das heisst, es können sich nur noch ein Teil der Verwandtschaft direkt am Grab unter freiem Himmel von der verstorbenen Person verabschieden. «Somit fehlt ein ganz wichtiger Teil des Verabschiedens und der Würdigung des Verstorbenen», schreibt dazu die Horwer Firma Funus GmbH, die nun Livestreams speziell für Trauerfeiern anbietet. «Wir organisieren mit den engsten Familienangehörigen eine Trauerfeier und übertragen diese via Livestream an alle Freunde, Verwandte und Bekannte.» Das Trauerfeiervideo werde als Erinnerung ausgehändigt.

Werbung der Luzerner Firma Funus aus Horw.

Werbung der Luzerner Firma Funus aus Horw.

Screenshot: Funus.ch

Auch in anderen Kantonen der Zentralschweiz beschreitet die Kirche derzeit neue Wege, um an die Gläubigen zu gelangen. Das Dekanat Innerschwyz setzt dabei Whatsapp. Über den Nachrichtendienst wird in den nächsten Tagen und Wochen täglich eine Bibelstelle, ein Gebet oder ein Impuls verschickt, wie die Zeitung «Bote der Urschweiz» online berichtet.

Im Kanton Nidwalden etwa wurde entschieden, die traditionellen Landeswallfahrten vom 29. April nach Sachseln und vom 13. und 14. April nach Einsiedeln nicht durchzuführen. Sie werden nicht nachgeholt. Auch die Erstkommunionfeiern finden vorderhand nicht statt und werden verschoben.

Auch in anderen Religionsgemeinschaften sorgt die Corona-Krise für Umstellungen. Die Moscheen seien zurzeit alle geschlossen, so Muhamed Sabanovic, Vorstandsmitglied der Islamischen Gemeinde Luzern. Es würden sich daher ähnliche Fragen stellen wie in den Kirchgemeinden. «Zudem beginnt im April der Ramadan – wie dieser genau ablaufen soll, wissen wir im Moment nicht.»

Weitere Informationen:
www.lukath.ch
www.reflu.ch
www.radiopredigt.ch
www.diaspora-tv.ch
Das Kloster Einsiedeln überträgt jeden Tag auf Youtube.