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Luzerner Kirchgemeinden wollen Glockengegner mit Vereinbarung zum Verstummen bringen

Aufgrund des Credos der Verdichtung werden sich die Dorfkerne verändern. Weil dort vielerorts ein Gotteshaus steht, dürften sich Luzerner Kirchgemeinden künftig vermehrt vorsorglich gegen Glockengegner absichern.
Evelyne Fischer
Ganz in der Nähe der Pfarrkirche von Entlebuch entsteht eine neue Überbauung. (Bild: Visualisierung)

Ganz in der Nähe der Pfarrkirche von Entlebuch entsteht eine neue Überbauung. (Bild: Visualisierung)

Wenn an Silvester die Kirchenglocken das alte Jahr aus- und das neue einläuten, ist dies für die einen Wohlklang, für andere blosser Lärm. Laut Schätzungen stehen in der Schweiz 4000 Gotteshäuser mit 13'000 Glocken. Sei es deren Stundenschlag oder ihr Geläut an sich: Kirchenglocken bergen Konfliktpotenzial. Vor einem Jahr kämpfte ein Ehepaar aus Wädenswil bis vor Bundesgericht um die Abschaffung des nächtlichen Viertelstundenschlags. Allerdings ohne Erfolg.

Heute handeln, um sich später Ärger zu ersparen: Unter diesem Leitgedanken erarbeitet die Kirchgemeinde Entlebuch aktuell einen Dienstbarkeitsvertrag. Damit soll die Duldung des Kirchengeläuts rechtlich im Grundbuch verankert werden, wie der «Entlebucher Anzeiger» kürzlich berichtete. «Bis jetzt gab es keine Reklamationen», sagt Franz Bieri, Kommunikationsverantwortlicher des Kirchenrats auf Anfrage. «Mit der geplanten Überbauung mitten im Ortskern kann das nicht ausgeschlossen werden.»

Zur Erinnerung: Für 30 bis 40 Millionen Franken soll in der 3300-Einwohner-Gemeinde ein neues Dorfzentrum entstehen (Artikel vom 21. September). 52 Wohnungen sind vorgesehen – in unmittelbarer Nähe zur Martinskirche.

«Wir wissen nicht, ob sich allfällige Neuzuzüger ebenso mit dem Geläut identifizieren wie Einheimische, daher handeln wir vorsorglich»,

sagt Franz Bieri.

Nach ersten Bedenken waren die Investoren – die Anliker AG sowie Adrian Müller und Martin Stalder aus Entlebuch – einverstanden. Trotz Grundbucheintrag kann die Kirchgemeinde Beschwerden nicht ausschliessen. «Aber Wohnungsbesitzer und Mieter hätten es schwer, Recht zu erhalten, wenn sie vor dem Einzug über die Vereinbarung informiert worden sind», sagt Bieri.

Kirchgemeinde Reiden hat vorgespurt

Bereits Erfahrung mit einem Dienstbarkeitsvertrag hat die Kirchgemeinde Reiden. «Wir waren meines Wissens 2013 die ersten im Kanton, die das Dulden des Kirchengeläuts im Grundbuch eingetragen haben», sagt Kirchenratspräsident Markus Husner. Damals wurden neben der Pfarrkirche zwei Mehrfamilienhäuser erstellt. «Wir hatten zuvor vereinzelt Reklamationen und wollten uns vorsorglich absichern», sagt Husner. Wird die Kirchgemeinde künftig bei Neubauten in Kirchennähe stets Dienstbarkeiten errichten? «Aufgrund der Platzverhältnisse stellt sich diese Frage derzeit nicht.»

Auch ohne Lärmklagen beschäftigt das Glockengeläut in den 85 römisch-katholischen Kirchgemeinden immer wieder. Kürzlich scheiterte der Pastoralraum Meggerwald, das Geläut seiner drei Pfarrkirchen zu vereinheitlichen: In Udligenswil wurde der nächtliche Glockenschlag abgeschafft, in Meggen schon Jahre zuvor, in Adligenswil läuten die Glocken nachts weiterhin.

Landeskirchen haben Positionspapier erarbeitet

2015 haben die drei Landeskirchen des Kantons ein Positionspapier verabschiedet. Dieses hält fest: «Der Schutz des Glockengeläuts als Kulturgut in einer christlich geprägten Gesellschaft ist zu wahren.» Rechtsanwalt Thomas Räber, der als Synodalrat der römisch-katholischen Landeskirche des Kantons das Ressort Recht betreut, sagt: «Wenn sich Kirchgemeinden für ihr Glockengeläut einsetzen, haben Privatpersonen mit einer Beschwerde kaum Chancen auf Erfolg.» Spätestens seit dem zitierten Bundesgerichtsurteil sei der rechtliche Spielraum für Privatpersonen relativ eng.

Trotzdem glaubt Räber, dass sich Kirchgemeinden in Zukunft eher vorsorglich absichern.

«Mit dem verdichteten Bauen dürfte die Kirchenglocken-Diskussion vermehrt aufs Tapet kommen.

Erst recht, wenn bei grossen Überbauungen auswärtige Investoren im Spiel sind.»

Kirchenglocken: Das lässt sich technisch machen

Ein störender Stundenschlag, ein zu lautes Geläut: Mit solchen Sorgen wird die in Büron situierte und auf Kirchturmtechnik spezialisierte Muribaer AG oft konfrontiert. «Die Lösungsansätze sind mannigfaltig», sagt Verwaltungsratspräsident Stefan Muri. «Am günstigsten ist es, Läutzeiten zu kürzen und entsprechend die Programmierung anzupassen.» Ins Geld gehen hingegen technische Änderungen. «Muss zur Minimierung des Schalls oder für einen weicheren Klang die Einrichtung bearbeitet werden, kostet dies mehrere Tausend Franken.»

Mit einer Justierung an der Steuerung lässt sich laut Muri ferner verhindern, dass ein Klöppel zu hart aufschlägt. Je nachdem, ob ein Kirchturm offen oder geschlossen sei, könne der Schall der Glocken auch mit Jalousien eingedämmt werden – sofern dies wiederum die Denkmalpflege zulässt. «Es gibt nie die eine Lösung. Meist braucht es ein Massnahmenbündel.» (fi)

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