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Interview

Luzerner Koordinator des Denkmaltags findet: «Farbe wird definitiv noch vernachlässigt»

Die Tage des Denkmals stehen heuer unter dem Motto Farben. Der Koordinator im Kanton Luzern erklärt die Wahl.
Roseline Troxler
Mathias Steinmann bei einer Führung zum Thema Fassadenmalerei mit einer Schulklasse in der Luzerner Altstadt. (Bild: Pius Amrein, Luzern, 10.9.2019)

Mathias Steinmann bei einer Führung zum Thema Fassadenmalerei mit einer Schulklasse in der Luzerner Altstadt. (Bild: Pius Amrein, Luzern, 10.9.2019)

Am kommenden Wochenende finden die europäischen Tage des Denkmals statt. Auch im Kanton Luzern gibt es dazu diverse Anlässe – in der Stadt, der Agglomeration und auf der Landschaft. Dieses Jahr steht das Thema Farben im Zentrum der Denkmaltage. Mathias Steinmann, Leiter Bauinventar und Koordinator Denkmaltag des Kantons Luzern, erklärt die Bedeutung der Farben in der Raumplanung.

Weshalb widmen sich die diesjährigen Tage des Denkmals den Farben?

Mathias Steinmann: Farben haben in der Architektur eine sehr grosse Bedeutung, weil sie uns tagtäglich begleiten. Sowohl drinnen wie auch draussen treffen wir auf verschiedenste Farben, welche uns auch emotional beeinflussen. Geprägt ist die farbliche Gestaltung sowohl von gesellschaftlichen wie auch von kulturellen Einflüssen.

Wie hat sich die farbliche Gestaltung von Bauten über die Jahrhunderte verändert?

Früher hatten die Architekten bei der Verwendung von Farben sehr beschränkte Möglichkeiten. So wurden Farben vor allem bei Ornamenten verwendet und, um Geschichten zu erzählen, was wir bei der Fassadenmalerei in der Luzerner Altstadt sehen können.

Wann und warum hat sich das verändert?

Aufgrund neuer Techniken, Pigmente und Bindemittel wurde es Ende des 19. Jahrhunderts möglich, Farben beinahe uneingeschränkt zu verwenden. Seither werden Farben vielmehr dafür eingesetzt, die Architektur von Gebäuden zu unterstützen.

Welchen Stellenwert haben Farben in der Raumplanung?

Sie werden definitiv noch vernachlässigt. Denn Farben erzeugen positive oder negative Emotionen. In der Nachbarschaft kann eine Gebäudefarbe zu Irritationen führen. Die Farbgestaltung ist ein zentraler Aspekt für das Ortsbild. Den Farben wird bei der Planung und beim Bauen heute noch zu wenig Bedeutung beigemessen. Wer übers Land fährt, sieht im Kanton Luzern viele grelle Bauten, die sich nicht ins Orts- oder Landschaftsbild eingliedern.

Haben Gemeinden überhaupt die Möglichkeit, den Wildwuchs einzuschränken?

Im kantonalen Bau- und Planungsgesetz steht klar, dass sich Häuser in die bauliche und landschaftliche Umgebung eingliedern sollen. Dem wird bisher zu wenig Nachdruck verliehen. Es gibt noch zu viel Jekami.

Werden die Ortsbilder nicht langweilig, wenn nur noch gewisse Farben erlaubt sind?

Das glaube ich nicht. Denn Nuancen sind immer möglich. Doch jedem, der ein Haus baut, muss bewusst sein, dass Bauen immer auch von öffentlichem Interesse ist. Es geht nicht in erster Linie darum, dass man sich selber verwirklichen kann. Farben sollen zur Umgebung passen und unterstützend wirken. Es geht um eine dem Ort angemessene Farbigkeit. Ich bin überzeugt, dass sich hier in den nächsten Jahren viel tut.

Dass das Thema Farbe bewegt, zeigten die Rekordanmeldungen. An den Tagen des Denkmals finden in 400 Orten rund 1000 Veranstaltungen statt. Wie ist es in Luzern?

Mit 15 Anlässen liegen wir im Kanton Luzern im Rahmen der letzten Jahre.

Weshalb gibt es wenig Anlässe auf der Landschaft?

Je nach Thema ist es schwieriger oder einfacher, passende Objekte zu finden. Dieses Jahr sind wir in Beromünster sehr präsent. Im Stift St. Michael können in Chorherrenhäusern üppige Tapeten und farbenprächtige Wandmalereien bewundert werden.

Welches sind für Sie die Höhepunkte des Denkmaltags im Kanton Luzern?

Im Neustadtquartier kann die Farbigkeit in der Architekturgeschichte auf einem Rundgang bestaunt werden. Das eben restaurierte und umgebaute Kirchgemeindehaus Lukas zeigt Farb- und Materialkonzepte des 20.Jahrhunderts und in der Luzerner Altstadt findet man Fassadenmalerei vom 17. bis zum 20. Jahrhundert mit unterschiedlichen Charakteren. Schweizweit einzigartig ist die Schatzkammer der Hofkirche aus den 30er-Jahren. Sie ist seit 2018 neu beleuchtet und wird erstmals in ihrer Vielfalt präsentiert.

Hinweis: Die Tage des Denkmals finden am 14. und 15. September statt. Weitere Infos finden Sie hier.

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