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Luzerner Korporationen suchen neue Mitglieder – um zu überleben

Die Korporationen waren lange ein exklusiver Kreis aus alteingesessenen Familien oder Grundbesitzern. Doch inzwischen sind etliche verschwunden, haben fusioniert – oder erhoffen sich dank neuen Mitgliedern eine bessere Zukunft, wie etwa in Buchrain.
Robert Knobel
Der Perler Schachen: Hier besitzt die Korporation Buchrain grosse Landflächen. Ein Teil davon soll gemäss Kanton für die Aufweitung der Reuss verwendet werden. (Bild Philipp Schmidli, 7. Juni 2019)

Der Perler Schachen: Hier besitzt die Korporation Buchrain grosse Landflächen. Ein Teil davon soll gemäss Kanton für die Aufweitung der Reuss verwendet werden. (Bild Philipp Schmidli, 7. Juni 2019)

Sie sind meist deutlich älter als die modernen Gemeindewesen und spielen in vielen Dörfern noch heute eine zentrale Rolle: Die Korporationen. In ihrem Besitz sind Wälder, Landwirtschaftsflächen, aber auch Immobilien. Doch die moderne Siedlungsentwicklung macht auch vor den Korporationen nicht Halt. Im Falle der Korporation Buchrain wird diese sogar langsam existenzbedrohend: Für das Hochwasserschutzprojekt Reuss sowie für den Ausbau der A14 auf sechs Spuren müssen auf absehbare Zeit grosse Flächen Korporationsland geopfert werden.

Dabei musste die Korporation Buchrain bereits beim Bau des Rontalzubringers Federn lassen. Sie hatte damals vergeblich dafür gekämpft, für das verlorene Land nicht mit Geld, sondern mit Realersatz entschädigt zu werden. Denn eine Korporation ohne Land ist ihrer Daseinsberechtigung beraubt.

Auflösen oder wachsen?

Die über 600-jährige Korporation Buchrain stand daher vor der entscheidenden Frage: Soll sie sich auflösen und die verbliebenen Güter an die Gemeinde übergeben? Oder soll sie Möglichkeiten suchen, um wieder wachsen zu können? Die Korporationsbürger entschieden sich im vergangenen April einstimmig für die zweite Lösung. Damit steht insbesondere der Weg frei für die Aufnahme von neuen Korporationsbürgern. In Buchrain ist es nämlich so, dass nicht nur die Korporation selber Wälder und Land besitzt, sondern auch deren Mitglieder: Jeder, der ein Grundstück erwirbt, das historisch bedingt im Inventar der Korporation steht, wird automatisch zum Korporationsbürger – es sei denn, er verzichtet freiwillig darauf. Zurzeit betrifft dies noch 25 Liegenschaften.

Voraussetzung: Wohn- und Grundbesitz in Buchrain – und ein guter Leumund

Gemäss dem neuen Reglement kann sich nun jeder Grundeigentümer für eine Mitgliedschaft in der Korporation bewerben. Voraussetzung ist einzig, dass er eine Liegenschaft in Buchrain besitzt, die er selber bewohnt und dass er einen einwandfreien Leumund hat. Bereits haben sich erste Interessenten gemeldet. «Ich hoffe, dass wir nächstes Jahr die ersten neuen Bürger aufnehmen können», sagt Korporations-Präsident Hugo Leu. Mittelfristig peilt die Korporation Buchrain eine Mitgliederzahl von etwa 40 an. Die Grösse ist dabei nicht nur symbolischer Natur. Denn die Korporation hatte auch zunehmend Mühe, genügend Leute für die Ämter zu finden. «Das Problem hat sich noch verschärft, weil wir die neue Rechnungsführung HRM2 einführen mussten», sagt Leu. Das ist wenig verwunderlich: Schliesslich ist es bei zwei Dutzend Mitgliedern nicht selbstverständlich, jemanden mit den nötigen Finanzkompetenzen zu finden.

Grund für den erhöhten buchhalterischen Aufwand ist das neue Korporationsgesetz, das im Kanton Luzern 2014 in Kraft getreten ist. Das Gesetz hatte zum Ziel, den Status der historisch gewachsenen Korporationen neu zu regeln. So sind sie nun, ähnlich wie die Einwohnergemeinden, als öffentlich-rechtliche Körperschaften anerkannt. Ludwig Peyer, CVP-Fraktionschef im Kantonsrat und Präsident des Verbands Luzerner Korporationen, sagt:

«Das ist ein Bekenntnis, dass der Kanton den Korporationen eine wichtige Stellung zugesteht»

Doch mit den Privilegien gehen auch Pflichten einher. Die Einführung eines harmonisierten Rechnungsmodells mit doppelter Buchhaltung ist eine davon. Vor allem kleinere Korporationen hatten bis anhin auf völlig unkomplizierte Weise abgerechnet und wären auch nicht in der Lage gewesen, dies zu ändern. Deshalb haben sich etliche Korporationen im Zuge des neuen Gesetzes aufgelöst, fusioniert – oder in eine Genossenschaft umgewandelt, bei der die Anforderungen an die Finanzverwaltung weniger hoch sind.

Bewohner sollen sich engagieren – unabhängig der familiären Herkunft

«Das neue Gesetz hat für einen Ruck gesorgt, der durchaus nötig war», sagt Ludwig Peyer. Gleichzeitig haben die rund 70 verbliebenen Korporationen ein verstärktes Interesse, sich für neue Mitglieder zu öffnen. Das zeigt nicht nur das Beispiel Buchrain. «Vielerorts wird mittlerweile sehr begrüsst, wenn sich Leute, die in der Region ansässig sind, in der Korporation engagieren», sagt Ludwig Peyer. Auch die Zahl der Interessenten sei in jüngster Zeit spürbar gestiegen.

Die Korporationen – eine Reaktion auf Napoleons Politik

Die Geschichte der Korporationen reicht zwar Jahrhunderte zurück. In ihrer heutigen Form bestehen sie aber erst seit rund 200 Jahren: Nach der Neuordnung der Schweiz durch Napoleon ging es unter anderem um die Frage, was mit den Gütern geschieht, die bis anhin im Besitz der «herrschenden Klasse» – meist alteingesessene Familien – waren. Ein grosser Teil dieser Besitztümer ging ins Eigentum der neu geschaffenen Einwohnergemeinden über und wurde somit Allgemeingut. In einigen Gemeinden sorgten die bisherigen Besitzer aber dafür, dass sie ihre Güter weiterhin behalten konnten. Zu diesem Zweck gründeten sie eine Korporation. Die Güter gehörten dann treuhänderisch allen Mitgliedern gemeinsam – oder man wurde wie in Buchrain durch den Erwerb eines bestimmten Grundstücks Mitglied der Korporation.

Wer Buholzer heisst, darf das Bürgerrecht erben

So wurde das Korporationsbürgerrecht jeweils innerhalb derselben Familie vererbt. Mit der Zeit öffneten sich aber viele Korporationen für neue Mitglieder. Ein Beispiel dafür ist die Korporation Horw. Ursprünglich wurde diese durch einige alteingesessene Geschlechter wie Buholzer oder Heer gebildet. Diese vererben das Korporationsbürgerrecht zwar noch immer, doch heute kann grundsätzlich jeder, der das Horwer Ortsbürgerrecht besitzt und in Horw wohnt, Mitglied der Korporation werden. So ist diese inzwischen auf 350 Mitglieder angewachsen. Dieselben Aufnahmekriterien gelten auch in der Korporation Luzern, die mit 3600 Mitgliedern zu den grössten im Kanton gehört.

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