Raser vom Luzerner Kriminalgericht zu 18 Monaten bedingt verurteilt: Er entzog sich einer Polizeikontrolle und war angetrunken

Eine Verfolgungsjagd endete vor gut einem Jahr beim Buchrain-Tunnel. Zwei Tage später wurde der Raser verhaftet. Er ist geständig und reuig.

Sandra Monika Ziegler
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Ein 39-jähriger Mann hat innert kürzester Zeit gleich mehrfach gegen das Strassenverkehrsgesetz verstossen. Dies teils in fahruntüchtigem Zustand, mit krass überhöhter Geschwindigkeit und ohne Fahrausweis. Im abgekürzten Verfahren wurde der Mann vom Luzerner Kriminalgericht zu 18 Monaten bedingt verurteilt. Die Probezeit wurde auf das gesetzliche Maximum von 5 Jahren festgesetzt. Der Verurteilte muss eine Geldbusse von 20'860 Franken, Verfahrenskosten von knapp 5000 Franken und eine Busse von 800 Franken bezahlen, wie aus dem begründeten Urteil weiter hervorgeht. Das Urteil ist rechtskräftig.

Ein Vorfall ereignete sich am 1. Juni 2019. Nachdem der jetzt Verurteilte Bier und Wein konsumiert hatte, setzte er sich kurz vor Mitternacht in seinen Wagen und fuhr los. Innert 29 Minuten hielt er gleich mehrere Vorschriften nicht ein. In Ebikon fuhr er in der 50er-Zone nach Abzug zwei Kilometer zu schnell. Die Polizei wollte den Mann mittels der Matrix «Stop Polizei» und anschliessend auch mit Blaulicht und Wechselklanghorn zum Anhalten auffordern.

Er drückte aufs Gaspedal und brauste davon

Der 39-Jährige folgte jedoch der Aufforderung nicht. Er gab Gas und brauste Richtung Buchrain davon. Auf seiner rasanten Fahrt überholte er ein Auto, obwohl ihm ein VBL-Bus entgegenkam. Ein entgegenkommender Lenker musste bis zum Stillstand abbremsen, um eine Kollision mit dem Raser zu vermeiden.

Im Kreisel verlor er zeitweise die Herrschaft über sein Auto und fuhr nur noch auf zwei Rädern. Als er mit den zwei anderen Rädern wieder auf den Boden aufschlug, flog ein Raddeckel weg. Er setzte seine Raserei fort – mit teils über 57 Stundenkilometern mehr als erlaubt war.

Auf seiner rasanten Weiterfahrt überholte er immer wieder andere Fahrzeuglenker, ohne jedoch den Blinker zu betätigen. Darunter waren auch ein Linienbus, der stark bremsen musste, und ein entgegenkommender Personenwagen, dessen Lenker ins Wiesland ausweichen musste.

Polizeipatrouille musste Verfolgung aufgeben

Bis zum Buchrain-Tunnel hängte sich die Polizei an den Raser. Da dieser aber unverhofft abbog – wieder ohne Blinker – und es Gegenverkehr hatte, musste die Polizei die Verfolgung aufgeben. Der Raser fuhr weiter und beschleunigte ausserorts bis 71 Stundenkilometer über den zulässigen 80.

Mit dieser Fahrt hat der Verurteilte gleich mehrfach geltende Regeln willentlich und wissentlich grob missachtet. Er wurde zwei Tage später verhaftet und kam einen Tag in Untersuchungshaft. Der Mann ist geständig. Laut Anklageschrift wollte er sich der Kontrolle zu Beginn seiner Raserfahrt entziehen, da ihm sein Fahrausweis bereits entzogen worden war und er um seinen Alkoholkonsum wusste.

Freiheitsstrafe soll positiv wirken

Dem Mann wird jedoch nicht nur das Missachten der Verkehrsregeln vorgeworfen, sondern auch der Konsum von Marihuana und Kokain. Den mehrfachen unbefugten Konsum von Betäubungsmitteln gibt der Mann ebenfalls zu. Sein Handeln taxiert das Gericht als egoistisch und ohne Rücksicht auf die weiteren Verkehrsteilnehmer. Damit nahm er in Kauf, andere zu gefährden. Die Taten werden als mittelschwer beurteilt.

Auch lasse sich der Beschuldigte weder von bedingten noch von unbedingten Geldstrafen abschrecken, wie dem Strafregisterauszug zu entnehmen sei. Deshalb komme nicht eine Geldstrafe, sondern nur eine Freiheitsstrafe als angemessene und zweckmässige Sanktion in Frage, so das Luzerner Kriminalgericht. Mit viel «Wohlwollen» seitens des Gerichtes wird die Freiheitsstrafe von 18 Monaten bedingt ausgesprochen, wie es in der Urteilsbegründung heisst. Denn eine Freiheitsstrafe sei gegen den Beschuldigten bis anhin noch nie ausgesprochen worden.

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