Luzerner Kriminalgericht
Brasilianerin überfällt Prostituierte im Ibach – trotzdem darf sie in der Schweiz bleiben

Sie war sofort geständig, bereute die Tat und lebt seither straffrei. Für die verurteilte Brasilianerin ist das Urteil eine zweite Chance.

Sandra Monika Ziegler
Merken
Drucken
Teilen
Eine Prostituierte auf dem Strassenstich im Ibach.

Eine Prostituierte auf dem Strassenstich im Ibach.

Symbolbild: Dominik Wunderli

Eine 22-jährige Brasilianerin musste sich wegen mehrfachen und versuchten Raubes vor dem Luzerner Kriminalgericht verantworten. Im August 2017 hatte sie zusammen mit zwei Männern und einer Frau auf dem Luzerner Strassenstrich im Ibach bei Prostituierten abkassiert. Dazu wurden die Frauen mit Pistole und Pfefferspray zur Geldherausgabe von 790 Franken gezwungen. Die Brasilianerin wurde vom Kriminalgericht zu zwei Jahren Gefängnis bedingt bei einer Probezeit von drei Jahren verurteilt. Das Gericht blieb mit dem Strafmass bei den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Die Richterin stellte der Verurteilten eine positive Prognose aus.

Die Angeklagte wurde von ihrem Freund, der Mutter und deren Partner zum Gericht begleitet. Bereits zu Beginn sagte sie der Einzelrichterin, dass sie sich entschuldige und die Tat zutiefst bereue, sie werde nie mehr in ihrem Leben so etwas tun. Die Zivilforderungen von 790 Franken akzeptierte sie.

«Ich darf keine Probleme mehr machen»

Die Richterin fragte sie, ob sie wisse, was eine bedingte Strafe sei. Die Beschuldigte: «Ich darf keine Probleme mehr machen und darf nichts dergleichen mehr machen, sonst muss ich ins Gefängnis.» Auf die Frage, warum sie nicht ausgewiesen werde, sagte sie: «Das weiss ich nicht genau, vielleicht weil ich arbeite und seither alles korrekt mache.» Da die Beschuldigte gut integriert ist und seit ihrem 13. Lebensjahr in der Schweiz lebt, greift die Härtefallregelung. Sie muss die Schweiz nicht verlassen.

Zu ihren Zukunftsplänen sagte sie: «Ich will eine Lehre als Altenpflegerin machen, mir etwas aufbauen und heiraten. Ich entschuldige mich für das, was ich getan habe und danke für die zweite Chance.»