Luzerner Kriminalgericht
Nach Konkurs: Angeklagter Geschäftsmann sieht die Hauptschuld beim Verwaltungsrat

Das Gericht beurteilt die Rolle eines Mannes in einem Firmenkonkurs, der mehrere hunderttausend Franken Schulden hinterlässt. Seine Mitarbeitenden wurden um ihre Vorsorgegelder gebracht.

Sandra Monika Ziegler
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Luzerner Kriminalgericht am Alpenquai.

Luzerner Kriminalgericht am Alpenquai.

Urs Flüeler / Keystone

Der 41-jährige Schweizer gründete 2012 eine Personalvermittlungsfirma. Bis zum Konkurs 2015 häufte sie Schulden von mindestens 600'000 Franken an. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, Gelder aus der Firma genommen zu haben, um sich damit seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Zudem wurde seine Frau auf der Lohnliste geführt, ohne jedoch für die Firma tätig gewesen zu sein. Weiter habe er seiner Frau kurz vor der Konkurseröffnung einen Wagen geschenkt, damit das Firmenvermögen geschmälert. Die AHV habe er um über 190'000 Franken geprellt: Den Arbeitnehmenden wurden die Beträge zwar abgezogen, diese jedoch nicht an die Kasse weitergeleitet. Es sei ihm egal gewesen, so die Staatsanwältin, dass dadurch seinen Mitarbeitenden Vorsorgelücken entstanden sind.

Insgesamt werden dem Beschuldigten neun Delikte vorgeworfen: Unter anderem Misswirtschaft, Zweckentfremdung von Arbeitnehmerbeiträgen, mehrfache ungetreue Geschäftsbesorgung mit Bereicherungsabsicht und mehrfacher Pfändungsbetrug. Die Staatsanwaltschaft fordert 30 Monate Haft, davon die Hälfte bedingt bei einer Probezeit von vier Jahren, eine unbedingte Geldstrafe von 14'400 Franken und ein dreijähriges Berufsverbot. Der Verteidiger plädiert für eine bedingte Strafe deutlich unter 24 Monaten und fordert, auf das Berufsverbot zu verzichten.

Verteidigung kritisiert das Verfahren

Der Mann gesteht gewisse Delikte, an andere erinnert er sich nicht. Vom Verfahren zeigt er sich während der Verhandlung enttäuscht: «Wie bis jetzt die Ermittlungen gelaufen sind, ist nicht richtig.» Sein Verteidiger bemängelt: «Das Verfahren hat sich einzig und allein auf meinen Klienten beschränkt. Potenzielle Mittäter wurden ausgeblendet und nur mein Mandant für sämtliche vorgeworfene Sachverhalte verantwortlich gemacht.» Er stellt die objektive Ermittlung in Frage. Die Misswirtschaft habe ein als Verwaltungsrat tätiger Mann zu verantworten, dieser sei als Geschäftsführer aufgetreten und habe die Firma faktisch geführt. Dieser Mann sei keinesfalls die vorgeschobene Marionette, als die er sich darstelle. Die Verantwortung, so der Verteidiger, liege beim eingetragenen Verwaltungsrat. Zum Lohnbezug der Frau merkt der Verteidiger an: «Der Lohnausweis wurde von der Buchhaltung ausgestellt und auch verbucht.»

Die Staatsanwaltschaft sieht die Schuld beim Beklagten, er sei als verdeckter Verwaltungsrat tätig gewesen und habe die Firma geführt. Durch den fiktiven Lohn der Frau von 126'000 Franken habe der Beklagte sein eigenes Einkommen aufpoliert. Denn wäre das Geld direkt seinem Lohn zugerechnet worden, hätte er wegen seiner offenen Verlustscheinen eine Lohnpfändung riskiert. Der Beklagte habe mit Wissen und Willen gehandelt und aus seinen Vorstrafen nichts gelernt. Ausser, schiebt die Staatsanwältin nach, dass er im Handelsregister nicht mehr aufgeführt wird. Es müsse ein hartes Zeichen gesetzt werden:

«Sonst müssen wir uns noch jahrelang mit ihm beschäftigen und Steuergelder in den Sand setzen.»

Auf die Frage des Richters, ob er angesichts der dicken Anklageschrift etwas falsch gemacht habe, sagt der Beschuldigte: «Ja, ich hätte früher reagieren sollen und den besagten Verwaltungsrat raus stellen müssen, doch ich habe ihm vertraut.» Der Verteidiger merkt an: «Mein Mandant war phasenweise etwas sorglos unterwegs – heute nicht mehr.»

Das Urteil wird den Parteien zugestellt.