Luzerner Kriminalgericht
Schuldig: Das Gericht glaubte die Opferthese des Kickboxers nicht

Ein 27-jähriger Kosovare wird wegen Körperverletzung verurteilt. Mit seinem Versuch, sich als Opfer darzustellen, kam er nicht durch.

Sandra Monika Ziegler
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Eingangsbereich des Kriminalgerichts Luzern am Alpenquai.

Eingangsbereich des Kriminalgerichts Luzern am Alpenquai.

Philipp Schmidli (Luzern, 12. Juli 2016)

Es geschah im März 2017 vor einem Luzerner Club. Involviert waren fünf Personen. Auslöser für den Streit war ein Joint. In der Folge kam es zu einer Schlägerei, die von einer Videokamera aufgenommen wurde. Der Angeklagte traktierte einen der Männer mit Fusstritten am Hinterkopf und im Gesicht.

An der Verhandlung vom September 2020 forderte die Staatsanwaltschaft 18 Monate bedingt bei einer Probezeit von drei Jahren wegen Körperverletzung. Zudem sei der beschuldigte Kosovare für zwölf Jahre des Landes zu verweisen. Der Privatkläger forderte zudem eine Entschädigung und Erwerbsausfall über 90'000 Franken. Der Beschuldigte sieht sich allerdings selber als Opfer und will einen Freispruch.

Zehn Jahre Landesverweis

Nun liegt das Urteil des Kriminalgerichts vor. Dieses sieht den Beschuldigten nicht als Opfer, sondern als Täter. Das Gericht verurteilt den 27-Jährigen zu 23 Monaten bedingt bei einer Probezeit von zwei Jahren und zehn Jahren Landesverweis samt Ausschreibung im Schengener Informationssystem. Er muss die Gerichts- und Verfahrenskosten tragen und dem Privatkläger eine Entschädigung von 11'000 Franken zahlen. Das Gericht schreibt in seinem Urteil, dass der Beschuldigte dem Opfer den verursachten Schaden zu 100 Prozent ersetzen muss. Für die Festsetzung der massgeblichen Schadenshöhe wird das Opfer an den Zivilrichter verwiesen.

Der Verteidiger sieht zwischen der Arbeitsunfähigkeit des Opfers und der Schlägerei keinen kausalen Zusammenhang. Vielmehr seien die Vorerkrankungen Ursache für den aktuellen Gesundheitszustand. Dies verneint das Kriminalgericht. Nun muss das Kantonsgericht den Fall erneut beurteilen.